Gardelegen l Bis zur nächsten Sitzung des städtischen Sozialausschusses sollen alle Zahlen und Fakten für jede Grundschule in städtischer Trägerschaft vorliegen. Die seien zwar auch in der mittelfristigen Schulentwicklungsplanung enthalten, aber man werde natürlich einem Antrag des Stadtrates folgen, informierte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher im Nachgang der jüngsten Stadtratssitzung auf Volksstimme-Anfrage. Konkret geht es um einen Antrag vom 15. Oktober 2019 mit dem Titel „Prüfung aller demografischen, infrastrukturellen, konzeptionellen und finanziellen Bedingungen und Voraussetzungen für die Errichtung eines neuen Grundschulgebäudes als Ersatz für die Reutter- und Goethe-Grundschule an zentraler Stelle im Stadtgebiet der Hansestadt Gardelegen“. Gestellt hatte den Antrag Stadtrat Dirk Kuke (fraktionslos), zunächst nur für die Reutter-Grundschule. Auf Anraten von Gustav Wienecke (Fraktion SPD, Feuerwehr, Südliche Altmark) erfolgte eine Erweiterung mit der Goethe-Grundschule. Mehrheiten gab es keine, wohl aber für einen weiterführenden Antrag von Wieneckes Fraktionskollegen Oliver Stegert, einen möglichen Neubau unter Einbeziehung aller Grundschulen zu prüfen.

Das ist nun gut ein Jahr her. Eine Bearbeitung seitens der Verwaltung sei bisher nicht erfolgt, stellte Kuke im jüngsten Stadtrat fest. Anlass war ein Sanierungskonzept für die Reutter-Grundschule am Standort Nicolaistraße. Aufgrund der hohen Sanierungskosten brachte Kuke den Prüfantrag in Erinnerung. Er werde zwar für das Konzept stimmen, forderte aber die Neubauprüfung ein. „Eine neue Schule, das wäre Bildung 4.0, sage ich da nur“, betonte Kuke. Offenbar ist das Ganze untergegangen, soll aber nun zur nächsten Sozialausschusssitzung auf den Weg gebracht werden. Die allerdings ist erst für Anfang 2021 geplant. Für jede Grundschule sollen die Zahlen aufgelistet werden, kündigte Schumacher an. „Wir werden für jede Schule den Status klarstellen mit Sanierungsbedarf und so weiter“, versicherte die Bürgermeisterin. Allerdings sollte Kuke auch darlegen, woher das Geld kommen soll.

Schulneubau?

Viel Geld allerdings soll aber auch in das denkmalgeschützte Gebäude der Reutter-Grundschule – eingeweiht im Jahr 1871 – investiert werden. Im Mittelpunkt steht die Sanierung und Trockenlegung des Kellergeschosses, um erhebliche Feuchtigkeitsschäden mit der Gefahr einer Schimmelbildung zu beseitigen. Dort befinden sich zurzeit auch die sanitären Anlagen. Die sollen im Raum der jetzigen Schulspeisung im Erdgeschoss neu installiert werden. Die Schulspeisung wird sich künftig im Anbau des Kellers – dort war einst das Schwimmbad – befinden. Dazu ist ein zum Teil nicht unerheblicher Höhenausgleich im Fußbodenbereich erforderlich. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden alle Räume im Keller ein gleiches Höhenniveau haben. Für die Bauzeit wird die Schulspeisung in die Aula umziehen. Dort wird für etwa 35.000 Euro eine Behelfsküche geschaffen. Um die geforderte Barrierefreiheit zu sichern, soll ein Aufzug an der Giebelecke des Gebäudes angebaut werden. Die Kosten für die Sanierung sind zunächst mit 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Dazu kommt der Aufzug mit 132 000 Euro.

„Nach wie vor favorisiere ich einen Neubau, wenngleich auch nur für die Reutter-Grundschule“, stellte Kuke im Nachgang der Stadtratssitzung klar. Damit sei ein Bau nach den heutigen Anforderungen auch mit Blick auf Inklusion und Amok-Sicherheit möglich. Bei einem Standort an der Karl-Marx-Sekundarschule würden sich Hort und Sporthalle in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Die Hortkinder müssten nicht mehr durch die ganze Stadt laufen. Zudem sei mehr Sicherheit in puncto Schulbusverkehr gegeben. Insgesamt wäre es sinnvoller, Geld für einen Neubau auszugeben. „Wir werden jetzt wohl zwei Millionen Euro in den alten Bau investieren, das Ergebnis toll finden und in fünf bis acht Jahren feststellen, dass wir doch eine neue Schule benötigen“, prophezeite Kuke im Volksstimme-Gespräch. Von daher sei es unabdingbar, das Ganze im Vorfeld zu prüfen. Und das könne ja wohl schließlich nicht so schwer sein.

Für die Sanierung der Reutter-Schule will die Stadt Fördermittel aus dem Städtebauprogramm nutzen. Die Umsetzung ist für 2021/2022 geplant. Gardelegens Bürgermeisterin hält allerdings nichts von einem Neubau, denn „Kinder, Eltern und Lehrer würden ihre Schule schon schön finden“. „Und wir sind dafür da, die Gebäude auf einen entsprechenden Stand zu bringen“, betonte Schumacher.