Gardelegen l „Es gab viele Turbulenzen, es ging viel hin und her“, blickte Gardelegens Standesbeamtin Anke Daniel auf geplante Hochzeiten im Corona-Jahr 2020 zurück. Die Corona-Pandemie mit den einhergehenden Kontaktbeschränkungen machte vielen Heiratswilligen einen Strich durch ihr Vorhaben, sich das Ja-Wort zu geben – und das auch ordentlich zu feiern. Zahlreiche Hochzeiten wurden innerhalb des Jahres verschoben. „Manche Paare haben sich von einem Termin zum anderen gehangelt“, so Daniel. Insgesamt 28 haben am Ende ihre Hochzeit für 2020 sogar gänzlich abgesagt. 17 Paare von ihnen wollten im Gardelegener Rathaus heiraten, elf im Letzlinger Jagdschloss.

Goldenes Kochbuch

Die Gründe waren zum einen die begrenzte Teilnehmerzahl an den Trauungen, denn die war, wie Daniels Kollegin Petra Wendel erläuterte, im Gardelegener Trauzimmer beispielsweise auf 15 Personen beschränkt. Und diese Anzahl war mit dem Brautpaar, der Standesbeamtin, den Trauzeugen und den engsten Familienmitgliedern, wie Eltern, Großeltern und Geschwister, schnell erreicht. Es habe zwar die Möglichkeit gegeben, im Rathaussaal mit 30 Personen zu heiraten. Das haben laut Wendel aber nur zwei Paare genutzt. Denn dazu kam zum anderen, dass es kaum Möglichkeiten gab, ordentlich und in großer Runde mit Verwandten und Freunden das Einlaufen in den Ehehafen zu feiern. Viele, so haben es die Standesbeamtinnen gehört, wollen das, wenn es wieder möglich ist, in diesem Jahr nachholen, wie auch kirchliche oder freie Trauungen.

Und dennoch trauten sich allen Unbilden zum Trotz im vergangenen Jahr 94 Paare und gaben sich vor den Standesbeamtinnen Anke Daniel, Petra Wendel und Karin Lemm sowie vor Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher das Eheversprechen. Zwei Paare heirateten 2020 in Dänemark und auf den Philippinen. Diese zwei Eheschließungen wurden im Gardelegener Standesamt nachbeurkundet, so dass es statistisch 96 Hochzeiten sind. 75 Paare entschieden sich für den Namen des Ehemannes als Familiennamen, zwölf für den Namen der Frau. Von diesen 174 Frauen und Männern wählten vier einen Doppelnamen. Bei den neun verbliebenen Paaren behielten Frau und Mann ihren Namen. Sie müssen aber, darauf wies Wendel hin, für spätere Kinder einen Nachnamen als Ehenamen wählen.

Hochzeitsmonat Juli

Mit 78 Trauungen fanden die meisten Eheschließungen im Gardelegener Standesamt unter den Rathauskolonnaden statt. Zwei Paare heirateten auf Gut Zichtau – jeweils ein Paar im Mai und im Juni – und 16 im Letzlinger Jagdschloss in den Monaten Mai (4), Juni (2), Juli (4), August (2)und September (3). In Gardelegen wurde in jedem Monat geheiratet. Allerdings liegt der Juli mit 14 Eheschließungen in Gardelegen an der Spitze, dicht gefolgt vom August mit 12 Trauungen, während sich im Juni und September jeweils neun Paare im Rathaus das Ja-Wort gaben. Der Freitag blieb auch im vorigen Jahr der beliebteste Hochzeitstag mit 39 Eheschließungen, gefolgt vom Sonnabend mit zwölf und Donnerstag mit zehn Trauungen.

Im Schnitt sind die Paare um die 30 Jahre alt. Doch auch Ältere wagen den Schritt in die Ehe, wie Wendel auf Nachfrage bestätigte. Anfang Oktober beispielsweise heiratete ein Paar, das aus Bayern in einen Gardelegener Ortsteil gezogen ist. Die 79-jährige Braut gab ihrem zwei Jahre jüngerem Mann in der Woche das Ja-Wort. Am darauffolgenden Sonnabend feierte sie ihren 80. Geburtstag. Was dieses neue Jahr, das mit einem harten Lockdown gestartet ist, an Hochzeiten bringen wird, weiß derzeit noch niemand. Aber es gibt, wie Anke Daniel sagte, für 2021 schon Anmeldungen heiratswilliger Paare für das Frühjahr und den Sommer. Für Gardelegen gibt es bereits 48 Reservierungen und für Letzlingen 21. „Das ist sehr viel“, so Daniel, „wir sind gespannt.“

Paare, die sich für einen Termin anmelden, erhalten auch in diesem Jahr das goldene Kochbuch mit einem Grußwort der Bürgermeisterin, über 1000 Kochrezepten aus Deutschland und aller Welt für die gemeinsame Ehe-Küche sowie Werbung rund ums Heiraten. Dazu gibt es in diesem Jahr neu zur Trauung einen Bilderrahmen mit persönlichem Gruß von Bürgermeisterin Mandy Schumacher im Namen der Stadt mit den besten Wünschen zum Start in das Eheleben.