Gardelegen l Problematisch und in sich nicht rund, lautete der Kommentar von Stadtrat Thorsten Bombach (fraktionslos) zur neuen „Richtlinie zur Verleihung der Ehrennadel der Hansestadt Gardelegen für besonderes ehrenamtliches Engagement sowie Anmeldung auf Verleihung der Ehrennadel“. Er forderte in der Stadtratssitzung am 21. September, die coronabedingt im Letzlinger Kulturhaus stattfand, eine redaktionelle Überarbeitung aus mehreren Gründen. So stünde in der Richtlinie unter anderem, dass eine Ehrung auch zurückgenommen werden könne, wenn „Erkenntnisse über den Ehrennadelträger erlangt werden, die mit der Würde der Ehrennadel nicht vereinbar sind“. „Aufgrund welcher Erkenntnisse? Dazu gibt es keine Ausführungen. Ist da ein Antrag erforderlich, oder geht das auf Zuruf“, fragte Bombach, nachdem er noch weitere Formulierungen, die seiner Ansicht nach überflüssig sind, aufgeführt hatte.

Er beantragte, die Thematik zu vertagen und in die Ausschüsse zurückzuverweisen, um das Ganze noch einmal zu überarbeiten. In der Abstimmung votierten 14 Stadträte für Bombachs Antrag, 15 waren bei einer Enthaltung dagegen. Vor allem die AfD-Fraktion unterstützte Bombachs Antrag. Die Ehrennadel-Auszeichnung samt Richtlinie wurde letztlich dann insgesamt mehrheitlich bestätigt. Ehrenamtliches Engagement wird bisher in der Stadt Gardelegen mit der Ehrenbürgerwürde und den Eintragungen ins Goldene Buch gewürdigt. In der Regel sind es zwei Menschen, die sich pro Jahr ins Goldene Buch eintragen dürfen, und zwar im besonderen Rahmen der Bürgerempfänge. Diese Ehrenamtler können von jedermann vorgeschlagen werden. Die Entscheidung trifft dann jeweils der Hauptausschuss unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Verleihung beim Bürgerempfang

Die Anregung, das Ehrenamt mit einer weiteren Auszeichnung, mit einer Ehrennadel oder einem Ehrenamtspreis, zu würdigen, kam von Linke-Stadtrat Andreas Höppner Ende Oktober des vorigen Jahres. Am 27. Januar erhielten alle Fraktionen den Entwurf der Richtlinie für die Ehrennadel mit der Bitte, Hinweise, Anregungen und Änderungswünsche mitzuteilen. Die gab es allerdings nur von der CDU/FDP-Fraktion und von der Fraktion SPD, Feuerwehr und Südliche Altmark. Die Hinweise seien in die Richtlinie eingearbeitet worden. Am 3. März gab es dazu eine Mitteilungsvorlage im Hauptausschuss. Es gab zwar Sitzungen in der Corona-Phase, aber nur mit dringlichen Themen. Von daher wurde die Ehrenamtsnadel erst jetzt wieder aufs Tapet gebracht. Man hätte also genug Zeit gehabt, redaktionelle Änderungswünsche auf den Weg zu bringen, kritisierten einige Stadträte hinter den Kulissen den Auftritt Bombachs.

Unterdessen gibt es auch schon einige Entwürfe, wie die Ehrennadel aussehen könnte. Die meisten Entwürfe zeigen eine Spange mit dem Wappen der Stadt und der Aufschrift „Für das Ehrenamt“ oder „Für besondere Verdienste“ und das entsprechende Etui dazu. Dazu gibt es aber noch keine Entscheidung. „Wir finden es einfach gut, das Ehrenamt auch noch auf andere Weise zu würdigen, um auch nach außen deutlich zu machen, dass ohne ehrenamtliches Engagement unsere Stadt nicht so schön wäre, wie sie es jetzt ist“, sagte Schumacher auf Volksstimme-Anfrage. Man habe in der Verwaltung auch über die sogenannte Ehrenamtskarte mit Eintrittsermäßigung oder -befreiung für städtische Einrichtungen nachgedacht. Da kämen für Gardelegen allerdings nur die Freibäder in Frage. „Das ist für uns nicht umsetzbar“, so Schumacher. Die Ehrennadeln sollen künftig auch beim Bürger- empfang vergeben werden, eventuell auch im Rahmen des Hansefestes. „Auf jeden Fall vor einer größeren Bühne“, so Schumacher.