Gardelegen l Die vergangenen zwei Dürrejahre haben nicht nur den Hecken, sondern auch den Bäumen auf dem Gardelegener Friedhof arg zugesetzt. Fäulnis, Pilze und Schleim, Borkenkäferbefall, vor allem bei den Fichtenbeständen, sind deutlich zu sehen. Einige Gehölze sind schlichtweg auch nur überaltert, denn immerhin existiert der Friedhof an der Bismarker Straße seit 153 Jahren. Im Vorfeld gab es zwei Baumschauen mit dem Sachverständigen Matthias Glase und mit Alexandra Köhler, die in der Stadtverwaltung als Sachbearbeiterin für das Friedhofswesen zuständig ist. Dabei seien alle Bäume aufgenommen worden, die gefällt werden müssen. „Es werden keine Bäume gefällt, wo es Brutnester oder Anzeichen für Vogelbruten gibt“, betonte Florian Kauer, Fachdienstleiter für allgemeine Gefahrenabwehr in der Gardelegener Stadtverwaltung. Es seien auch keine Bäume von der Fällaktion betroffen, die zur Grundstruktur für den Friedhof gehören, wie beispielsweise die Alleen an den großen Hauptwegen.

Das Fällen vertrockneter oder beschädigter Bäume ist zugleich auch der Auftakt für die Umsetzung der Friedhofskonzeption zur Umgestaltung der Anlage. Erarbeitet hat das Konzept im Auftrag der Stadt Anja Brückner von einem Büro für Landschaftsarchitektur in Zernitz. Der Gardelegener Friedhof soll als Gartendenkmal in seinem jetzigen Charakter und seiner Struktur erhalten, aber mit Pflanzen, Stauden und Bäumen neu gestaltet werden. Stachelnüsschen, Flacher Ehrenpreis oder kriechender Sand-Thymian – blühende Teppichvarianten und blühende, breite Hecken an Mauern und Zäunen statt endlose Rasenflächen mit vielen vertrockneten Stellen und trockenen Sandflächen –, das sind die Kernpunkte des neuen Entwicklungskonzeptes für den Gardelegener Friedhof. Wegedecken sollen überarbeitet werden. Zudem seien regenentwässernde Maßnahmen erforderlich, um Niederschläge auf dem Sandboden zu halten. Das Konzept wurde Ende November des vorigen Jahres in einer Bürgerversammlung öffentlich vorgestellt. Es war zudem Thema in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses.

Linden und Roteichen

Dort ging es allerdings mehr um den Gebäudebestand, der aber nicht Gegenstand der Gestaltungskonzeption ist. SPD-Stadtrat Peter Wiechmann würde am liebsten alte und leerstehende Verwaltungsgebäude abreißen lassen. Außerdem sei die Kapelle in einem schlechten Zustand und müsse dringend saniert werden. Abreißen, das gehe so einfach nicht, denn auf dem Friedhof stünde alles unter Denkmalschutz, stellte Isolde Niebuhr, Fachbereichsleiterin für Sicherheit und Ordnung, klar. Eine mögliche Sanierung der Kapelle sei nicht im aktuellen Doppelhaushalt der Stadt eingeplant. „Was wird denn mit dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei am Friedhof, das schon lange nicht mehr genutzt wird“, wollte dann Siegfried Jordan, Ortsbürgermeister in Lindstedt, wissen. Das Areal könne man doch als Eigenheimgebiet ausweisen und den Erlös aus den Grundstücksverkäufen für die Sanierung der Kapelle verwenden. Schließlich sei das doch eine attraktive Wohnlage.

Eigenheimbau auf altem Gärtnereigelände

„Daran hatten wir auch schon gedacht“, sagte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher. Aber zunächst gehe es erst einmal um den Friedhof an sich. Das Konzept wird derzeit mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt. Die Umsetzung soll in Jahresscheiben erfolgen – je nach Finanzlage. Denn derzeit stünden für alle Friedhöfe in städtischer Trägerschaft – und das sind immerhin 27 Anlagen und 35 Trauerhallen – 170.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Mit der geplanten Fällaktion auf dem Gardelegener Friedhof werden natürlich auch Bäume wieder nachgepflanzt, betonte Kauer. Allerdings werden es aufgrund der sandigen Bodenverhältnisse keine Fichten sein, sondern, wie im Konzept auch empfohlen, Kiefern und Laubgehölze wie Linden, Hainbuchen, Roteichen und Feldahorn.