Gardelegen l Mit der beschaulichen Ruhe wird es im Wiesenweg in Gardelegen bald vorbei sein. In Kürze werden dort nämlich die Bagger anrollen. Die Anliegerstraße wird zur Baustelle, denn der Wasserverband plant die komplette Erneuerung der Leitungen für Trinkwasser und Abwasser. Ursprünglich war vorgesehen, das Projekt in zwei Bauabschnitten aufzuteilen. Das ist jetzt aktuell nicht mehr der Fall. Jetzt wird die gesamte Straße in einem Zug realisiert. Möglich wird das durch Mittel-umschichtungen im Haushalt des Verbandes. Denn nicht alle Ende 2019 geplanten Maßnahmen für 2020 werden tatsächlich realisiert. Im Fall des Wiesenweges können finanzielle Mittel genutzt werden, die für die Erneuerung des Trink- und Schmutzwasserleitungsnetzes in der Eugenie-Schildt-Straße in Kalbe vorgesehen waren.

Keine Erneuerung ohne Beteiligung der Stadt

„Durch die aktuellen Festlegungen in der Haushaltsplanung der Stadt Kalbe wird dort in diesem Jahr aber von einer Umsetzung des grundhaften Ausbaus der Straße abgesehen“, erläuterte Karsten Scholz, technischer Leiter im Wasserverband Gardelegen, in der jüngsten Verbandsversammlung. Der Straßenbau in Kalbe soll nun erst im nächsten Jahr stattfinden. Ohne Beteiligung der Stadt wird aber der Wasserverband keine Leitungserneuerung ausführen. „Somit werden die dafür eingestellten Mittel frei“, so Scholz. Und die sollen nun für den Wiesenweg verwendet werden. Auf einer Länge von jeweils 230 Metern wird dort der Wasser- und Schmutzwasserkanal erneuert. Dazu kommen jeweils 22 Hausanschlüsse und 140 Meter Hausanschlussleitungen. Nach der Kostenrechnung des beauftragten Planungsbüros werden die Baukosten für den Schmutzwasserbereich 249.000 Euro betragen. Darin enthalten sind 20.800 Euro Planungskosten. Der Trinkwasserbereich wird mit etwa 130.400 Euro, davon 14.000 Euro für Planung, zu Buche schlagen. Dazu kommen noch einmal weitere 20 Prozent als sogenannter Kostenbedarfsaufschlag, um möglichen Preissteigerungen bei Baufirmen begegnen zu können.

Die Verbandsversammlung hat diese Verfahrensweise einstimmig bestätigt. Coronabedingt hatte es allerdings bei den Ausschreibungen zeitliche Verzögerungen gegeben. „Wir haben leider erst vor kurzem die Veröffentlichung der Ausschreibungsunterlagen im Vergabeportal durchführen können“, informierte Scholz auf Volksstimme-Anfrage. Geplant sei aber weiterhin ein Baubeginn im Sommer. Ein weiteres Thema seien die Wasserverluste, etwa durch Rohrbrüche. Die Erkennung sei nicht ganz einfach, betonte Scholz, denn das gesamte Leitungsnetz des Verbandes betrage immerhin 450 Kilometer.

Kleine Zielfahnder für Netzstörungen

„Wir haben also ein weitläufiges Leitungsnetz, eine große Fläche und eine geringe Bevölkerungsdichte“, erläuterte Scholz. Da sei es nicht einfach, Störungen schnell zu finden. Eine Lösung, die der Verband dabei favorisiert, ist der Einbau von Distriktzählern. „Damit ist eine permanente Überwachung möglich. Wir können so schnell erkennen und lokalisieren, wo die Probleme liegen“, erläuterte Scholz. Wenn bei diesen Zählern, die bestimmten Gebieten vorgeschaltet sind, nachts (wenn der Verbrauch normalerweise sinkt) erhöhter Durchfluss gemessen werde, deute dies auf einen Schaden im Rohrnetz hin. Dann werde weiter gefahndet. Als Beispiel führte Scholz eine Havarie Anfang März in der Riesebergstraße in Mieste an. Dort sei der nächtliche Verbrauch um 150 Kubikmeter pro Stunde hochgesprungen. „Wir konnten schnell reagieren“, sagte er. Das Leitungsnetz sei abgesperrt und am nächsten Tag repariert worden. „Danach lag der Verbrauch wieder im Normalbereich“, so Scholz.

Im Bereich des Wasserverbandes Gardelegen werden diese Zähler seit Jahren schrittweise eingebaut. Aktuell werden es in diesem Jahr zwei Distriktzähler sein, die für den Bereich Schenkenhorst (Netz Richtung Kalbe) und Wernstedt (ebenfalls Netz Richtung Kalbe) eingebaut werden. Denn auch dort gebe es immer wieder Leitungsprobleme.