Urlaubszeit

Gardelegener im Reisefieber: Sommer, Sonne, Urlaub – und Corona

Mit den niedrigen Inzidenzwerten und den geringen Neuinfektionen steigt auch wieder die Reiselust bei den Menschen in Gardelegen, Kalbe und Umgebung.

Von Stefanie Brandt , Doreen Schulze und Cornelia Ahlfeld
Ist der Sommerurlaub dank niedriger Corona-Zahlen gerettet? Die Reisebüros in der Altmark vermelden jedenfalls viel Zulauf. Nachgefragt werden vor allem Ziele innerhalb Deutschlands, wie Nord- und Ostsee.
Ist der Sommerurlaub dank niedriger Corona-Zahlen gerettet? Die Reisebüros in der Altmark vermelden jedenfalls viel Zulauf. Nachgefragt werden vor allem Ziele innerhalb Deutschlands, wie Nord- und Ostsee. Foto: Axel Heimken/dpa

Gardelegen/Kalbe - Sommer, Sonne, Urlaub – und Corona mit der Delta-Mutante – dennoch zieht es die Leute raus, sie wollen wieder verreisen. Sie wollen sich in Hotels verwöhnen lassen, und wenn es nur ein paar Tage sind. Diesen deutschlandweiten Trend beobachten die Tourismusfachleute auch in der Region Gardelegen. „Die Nachfrage ist da“, bestätigt etwa Ines Könemann vom Reisebüro Vetter Touristik Gardelegen. Die Leute würden zwar keine teureren Reisen als früher buchen, aber eben länger Urlaub machen. „Jetzt sind es 10 oder 14 Tage, statt wie früher meist nur eine Woche“, so Könemann. Die Erholungssuchenden scheinen zu denken: Wenn schon eine Quarantäne bei der Rückkehr droht, dann soll sich das Risiko wenigstens lohnen.

Eine Reiserücktrittversicherung werde in diesen unsicheren Zeiten fast immer abgeschlossen – natürlich mit extra Corona-Schutz. „Durch die Delta-Variante in Portugal sind die Leute wieder verunsicherter“, weiß Könemann. Sie selbst informiere sich täglich über die neuen Bestimmungen: „Das ist morgens der erste Blick.“ Den empfiehlt sie auch allen Buchenden, denn die Lage könne sich bis Reiseantritt ändern. Beliebte Reiseziele sind – wie schon vor dem Auftauchen des Virus – Spanien und Griechenland.

Ziele im Ausland werden nur verhalten nachgefragt

Nachfrage nach Reisen ins Ausland gibt es auch im Reisebüro Archut in Kalbe. „Sagen wir mal, eine verunsicherte Nachfrage“, berichtet Andrea Kurfels, Inhaberin des Reisebüros. Die Verunsicherung bestehe darin, dass die Leute nachfragen, wie die Corona-Situation vor Ort sei, ob bestimmte Länder zu empfehlen beziehungsweise von ihnen abzuraten seien. Und darin liege auch das Problem. „Vor vier Wochen hätte ich noch Portugal empfohlen“, so Kurfels. Im Moment sei dieses Reiseziel coronabedingt kein Thema.

Festzustellen ist für Kurfels jedoch, dass die Leute Urlaub machen wollen, und gern auch im Ausland. „Die Leute wollen raus.“ So habe sie viele Fluganfragen erhalten. Nachfragen nach Reisen innerhalb Deutschlands kommen bei ihr kaum an. „Die Leute buchen diese oft direkt beim Hotelier.“ Allerdings, weist sie darauf hin, komme dies oft teurer als eine Buchung über das Reisebüro.

Furcht vor der Quarantäne

Auch Pierre Niebel aus Altmersleben möchte nicht auf einen Urlaub verzichten. Er bleibt in diesem Jahr allerdings in Deutschland. Zum einen zum Schutz vor Ansteckung, zum anderen aber auch, um einer möglichen Quarantäne nach der Rückkehr aus dem Ausland aus dem Wege zu gehen.

Vor allem Reiseziele innerhalb Deutschlands werden auch bei der Schlüsselburg Touristik Lindstedt verkauft, bestätigt Inhaber Christoph Schlüsselburg. Voll besetzte Reisebusse gibt es insbesondere bei Tagesfahrten nach Erfurt zur BUGA, in den Spreewald, in den Harz, nach Berlin oder nach Brandenburg, verbunden mit einer Schiffsfahrt. Sehr gut nachgefragt werden auch Mehrtagesfahrten, wie in den Schwarzwald, ins Ammerland, in den norddeutschen Raum mit Ost- und Nordsee, aber auch nach Polen und Tschechien. Die Hygienekonzepte dort seien sehr gut, betont Schlüsselburg. Nach Fahrten ins Ausland, wie Italien oder Österreich, seien die Nachfragen eher verhalten. „Die Touren stagnieren. Im Inland ist das anders. Da boomt das regelrecht“, so Schlüsselburg, „und wir haben derzeit auch noch keinen Massentourismus. “ Die Leute könnten in Ruhe ihre Heimat erkunden. Nächste Woche beispielsweise geht’s nach Heidelberg. „Dort hat man das Schloss jetzt fast für sich allein.“

Flickenteppich an Pandemie-Verordnungen

Ein Problem derzeit sei allerdings der Flickenteppich bei den Corona-Regelungen. Jedes Bundesland habe andere Vorgaben. „Da braucht man eine FFP2-Maske, in Thüringen reicht eine medizinische Schutzmaske. In Bayern braucht man überhaupt keine Maske mehr“, zählt Schlüsselburg ein Beispiel auf. In den Reisebussen selbst gelte noch Maskenpflicht. Man hoffe auf hohe Impfquoten, damit auch dies bald nicht mehr erforderlich ist.

Gut gebucht seien auch schon Busreisen in der zweiten Jahreshälfte. Beliebte Ziele seien der Bayrische Wald oder die Rhein-Mosel-Gegend.

 Christoph Schlüsselburg, Inhaber des Unternehmens Schlüsselburg Touristik Lindstedt.
Christoph Schlüsselburg, Inhaber des Unternehmens Schlüsselburg Touristik Lindstedt.
Foto: C. Ahlfeld