Brennpunkt Feuerwehr

Gardelegener Stadtverwaltung will mit Werbebanner Interessenten für aktiven Feuerwehrdienst finden, denn: „Wasser allein reicht nicht ...“

Die Stadtverwaltung Gardelegen hat eine Idee aus der östlichen Altmark aufgegriffen und versucht nun, mit Werbebannern neue Mitglieder für den aktiven Feuerwehrdienst zu finden. Denn in einigen Orten brennt es im übertragenen Sinn. So wie in Kassieck. Dort gibt es nur noch vier Einsatzkräfte.

Von Cornelia Ahlfeld
Die Stadtverwaltung will mit Werbebannern die Gewinnung von neuen aktiven Einsatzkräften in den Wehren unterstützten, hier Florian Kauer von der Stadtverwaltung (von links), Kassiecks Ortswehrleiter Volkmar Klopp und Stadtwehrleiter Sven Rasch am neuen Werbebanner, das nun gut sichtbar in Kassieck steht.
Die Stadtverwaltung will mit Werbebannern die Gewinnung von neuen aktiven Einsatzkräften in den Wehren unterstützten, hier Florian Kauer von der Stadtverwaltung (von links), Kassiecks Ortswehrleiter Volkmar Klopp und Stadtwehrleiter Sven Rasch am neuen Werbebanner, das nun gut sichtbar in Kassieck steht. Foto: Hansestadt Gardelegen

Gardelegen/Kassieck - Die Stadt Gardelegen versucht seit Jahren, junge Leute für den aktiven Feuerwehrdienst zu interessieren. So werden bei Neueinstellungen in den Verwaltungsdienst oder in den nachgeordneten Einrichtungen Feuerwehrleute oder solche, die das werden wollen, berücksichtigt. Alle aktiven Feuerwehrmänner und -frauen können kostenfrei die drei städtischen Freibäder besuchen. Und die Stadt hat zusätzlich zur gesetzlichen Unfallversicherung eine Zusatzversicherung für alle Aktiven zur Absicherung von Folgekosten für Unfälle abgeschlossen, die im aktiven Feuerwehrdienst entstanden sind. Doch all das reicht offenbar nicht aus. Es gibt in den Ortschaften etliche Brennpunkte, was die Absicherung des aktiven Dienstes betrifft, und das nicht nur bezüglich der Einsatzbereitschaft am Tage. Dazu gehört beispielsweise Kassieck. Dort gibt es nur noch vier aktive Feuerwehrleute.

Brennpunkte auch in anderen Orten

Um das Problem weiter anzugehen, hat die Stadtverwaltung eine Idee von René Schernikau, Verbandsbürgermeister von Arneburg-Goldbeck, aufgegriffen: eine Werbung mit großen Bauzaunplakaten. „Wasser allein reicht nicht! Wir brauchen DICH!“ steht drauf, und es zeigt einen Feuerwehrmann in voller Montur im Einsatz. Und weil Kassieck aktuell der größte Brennpunkt ist, wurde das Plakat zuerst dort aufgestellt. „Wir wollen Aufmerksamkeit für die Probleme unserer Feuerwehren wecken, denn wir brauchen mehr Einsatzkräfte“, betonte Florian Kauer vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung in der Stadtverwaltung Gardelegen.

„Unser Ziel ist es, eigenständige Ortswehr zu bleiben“, ergänzte Kassiecks Wehrleiter Volkmar Klopp. Doch dafür brauche man eben mehr aktive Einsatzkräfte. Vor 20 Jahren habe die Situation noch ganz anders ausgesehen. Da gab es sogar noch eine gut funktionierende Jugendwehr, die Klopp damals selbst geleitet hat. Doch die existiert schon lange nicht mehr. Einige junge Kameraden hätten die Wehr aus Ausbildungsgründen verlassen. Neue Zugänge habe es nicht gegeben. „Und alle, die wir bisher gefragt haben, wollen nicht“, so Klopp. Es gebe aber ausreichend Kassiecker im Ort, um den Bestand der Ortswehr abzusichern. „Mit einer Mitgliedschaft in der Wehr sind aber eben auch Verpflichtungen verbunden“, betonte Klopp mit Blick auf die lange Grundausbildung, weitere Ausbildungen und Dienste.

Der letzte Brand im Ort liege zwar lange zurück. „Dafür sind wir auch dankbar. Aber vielleicht ist das auch ein Problem, dass es nicht deutlich ersichtlich ist, warum es so wichtig ist, dass wir eine eigene Ortswehr haben“, suchte Klopp nach möglichen Erklärungen. Man müsse aber die Kassiecker sensibilisieren, dass dringend aktive, ausgebildete Kräfte gebraucht würden. Und das soll nun auch mit diesem Banner erfolgen. Doch Kassieck ist nicht der einzige Brennpunkt im Bereich der Einheitsgemeinde in Sachen aktiver Feuerwehrdienst.

26 Ortswehren und drei Löschgruppen

Nach wie vor gebe es ähnliche Probleme in Wannefeld, erläuterte Stadtwehrleiter Sven Rasch auf Volksstimme-Anfrage. Dort weist die Statistik neun aktive Kameraden aus. Aber es gebe die Zusage von drei Interessenten, die Mitglied der Wannefelder Wehr werden und auch die Grundausbildung absolvieren wollen. In Hemstedt gebe es auch nur acht aktive Kameraden. Aber in dem Bereich könne beispielsweise die Einsatzbereitschaft am Tage abgesichert werden, so dass ein Fahrzeug auch ausrücken könne. Die eigentliche Besatzung eines solchen Fahrzeuges bestehe bei Einsätzen aus sechs Kameraden. „Aber das schaffen wir tagsüber in fast keiner Wehr“, so Rasch.

Es gebe aber durchaus auch positive Beispiele, wie Ackendorf. „Dort haben wir schon von Schließung gesprochen“, erinnerte Rasch. Mittlerweile gebe es 16 Aktive, die „auch tatsächlich aktiv sind“, so Rasch. Und der Bereich mit Estedt, Laatzke, Berge und Ackendorf habe auch eine sehr gut funktionierende Kinderfeuerwehr. Positiv sei die Entwicklung auch in Letzlingen. Diese Schwerpunktwehr hatte nur noch zwölf aktive Kräfte. Aktuell seien es wieder 21. „Und das werden dort noch mehr“, kündigte Rasch an. Auch die Mitgliederzahl der Köckter Wehr sei wieder gestiegen. Dort seien elf Kameraden im aktiven Dienst.

In der Einheitsgemeinde gibt es insgesamt 26 Ortswehren mit 609 Mitgliedern, davon sind 74 Frauen, sowie drei Löschgruppen. Zur Nachwuchsabteilung gehören 13 Jugendwehren mit 148 Mitgliedern und neun Kinderwehren mit 165 Mitgliedern. Zu den größten Wehren gehören die Gardelegener Stadtwehr mit 55 Aktiven, Mieste mit 50 und Miesterhorst mit 49 aktiven Einsatzkräften. Das Werbebanner soll übrigens wandern. Nächster Standort wird Wannefeld sein.