Modell der Stadt um 1620 soll in etwa fünf Jahren fertig sein/ Wöchentliche Treffen

Gardelegens Altstadt im Maßstab 1:200

Von Donald Lyko

Vier Gardeleger haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: In fünf Jahren wollen sie ein Modell fertig haben, das die alte Stadt Gardelegen um 1620 zeigt.

Gardelegen l Es war fast auf den Tag genau vor einem Jahr, als Helfried Schmelzer im Schullandheim Gardelegen die neue Arbeitsgemeinschaft Modellbau vorgestellt hatte. Die Idee, Kinder und Jugendliche für dieses Hobby zu begeistern, ging leider nicht ganz auf. Dafür fanden sich aber einige Erwachsene, die nun gemeinsam ein großes Vorhaben umsetzen: Sie bauen ein Modell im Maßstab 1:200, das die alte Stadt Gardelegen zu Beginn des 17. Jahrhunderts zeigen soll - also vor den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges und den großen Stadtbränden von 1658, 1667 und 1685. "Damals hatte Gardelegen seinen wirtschaftlichen und sozialen Höhepunkt", sagt der leidenschaftliche Modellbauer Helfried Schmelzer, dessen Spezialgebiete die Napoleonischen Kriege und der Schiffsmodellbau sind.

Interessierte Mitstreiter fand er in Thomas Ziolkowski, Manfred Grobler und Detlef Lindecke. Einmal in der Woche, immer mittwochs, treffen sie sich, um gemeinsam am Modell zu arbeiten. Vieles wird aber schon daheim angefertigt. "90 Prozent der Häuser bauen wir zu Hause", erklärt der Leiter der Gruppe.

"Alles wird in Handarbeit selbst gemacht", erzählt Helfried Schmelzer, der seit der Schulzeit Modellbau betreibt und sogar zur DDR-Nationalmannschaft gehört hat. Die Aufgaben sind je nach Fertigkeiten verteilt. Die einen übernehmen die filigranen Arbeiten an den Häusern mit ihren vielen Details, andere zum Beispiel die rustikalere Stadtmauer. "Zur damaligen Zeit waren die Mauerabschnitte in verschiedenen Bauweisen errichtet worden", erklärt Manfred Grobler. Er hat sich der Gruppe nach einer Krebserkrankung angeschlossen. "Für mich ist die Arbeit am Modell Therapie", sagt er. Denn die Krankheit hat die Sensibilität der Fingerspitzen beeinträchtigt, die er nun mit dem Modellbau wieder trainieren kann. Verstärkung bekommt das Quartett von Jürgen Bajerski, der sich um den Stadtgraben und den Wall kümmert. Der Graben lief damals noch komplett um die Stadt, die von einer Mauer umgeben war. Diese wird im Modell ebenso zu sehen sein wie die sechs Bastionen und die drei Stadttore.

Straße für Straße arbeiten sich die Modellbauer nun voran. Unter anderem sind das Große Hospital und die Nachbarhäuser der Ritterstraße (heute Philipp-Müller-Straße) sowie das Magdeburger Tor mit seinem Vorwerk fast fertig. Die handwerkliche Arbeit an den Modellen hat Ende Juni mit der viergeteilten Grundplatte begonnen, doch schon seit Ende vergangenen Jahres ging es mit den Recherchen los. Hilfe bekamen sie von Stadtarchivar Heiko Bierstedt und seiner Kollegin Bärbel Kirsch. Auch Architekt Gerd Kraushaar hilft bei den Recherchen. "Und bei unseren Frauen müssen wir uns bedanken, die Verständnis für unser Hobby aufbringen", sagt Helfried Schmelzer.

Alte Pläne wurden studiert, Fotos von vergleichbaren erhaltenen Gebäuden gesammelt. Noch jetzt sind die Modellbauer unterwegs, um jedes einzelne Gebäude zu vermessen, zu fotografieren oder zu zeichnen - damit es maßstabsgetreu nachgebaut werden kann. 447 Häuser, ohne Nebengelasse, soll es um 1620 gegeben haben. Und jedes einzelne Haus soll nachgebaut werden. Im Modell werden aber auch Scheunen und Ställe einen Platz finden. Gearbeitet wird mit allen Materialien, die im Modellbau gängig sind. Der Bau der Häuser ist auch für Helfried Schmelzer, der seit mehr als 50 Jahren Modellbauer ist, eine echte Herausforderung.

"Wenn es fertig ist, wird das Modell einen Wert von etwa 30000 Euro haben", erklärt Schmelzer. Darum freuen sich er und seine Mitstreiter, mit der Sparkasse Altmark West und Baumärkten Sponsoren für das Material gefunden zu haben. "Wir würden uns noch über weitere Sponsoren freuen", sagt Schmelzer. Willkommen wären aber auch noch ein oder zwei Mitstreiter.