Gardelegen l Gleich neben der Kapelle Sankt Georg in Gardelegen leuchten Blumen in allen Farben. Orange und rote Lilien und zarte Mohnblüten sind es derzeit vor allem, blaue Kornblumen setzen dazwischen Akzente. Kurz, diese Wiese ist eine Augenweide. Und außerdem brummt und summt es darin. Bienen und Hummeln taumeln von Blüte zu Blüte. Dieses kleine Stück Land ist offenbar nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch ein Insektenparadies.

Und alles, was hier wächst ist zudem absolut pflegeleicht. Selbst die Trockenheit konnte den Blumen bislang nichts anhaben.

„Ich habe meines ja ab und zu noch gesprengt, das Beet am Sankt Georg hat aber gar kein Wasser gekriegt“, betont Hartmut Krüger, Mitglied der Gartenakademie Sachsen-Anhalt. Vor seinem Firmengrundstück im Gardeleger Gewerbegebiet blühen derzeit nämlich exakt die selben Blumen und machen Kunden wie Passanten Freude.

Denn das Ganze ist ein Feldversuch. Und der ist schon jetzt geglückt, findet Krüger: „Im August vergangenen Jahres bekam die Gartenakademie ein Angebot von einer Firma, mal eine solche blühende Wiese anzulegen“, erzählt Krüger. „Der Sinn des Ganzen ist nämlich, dass man diese Fläche nicht mehr pflegen muss.“ Lediglich ein Mal im Jahr muss das Beet gemäht werden. Dann, wenn im Herbst alles abgeblüht ist. Krüger: „Bis dahin sieht es aber immer grün aus und immer blüht irgendwas.“ Und das Beste daran: „Im nächsten Frühjahr kommt dann alles automatisch wieder.“

Nur mehrjährige Pflanzen

Bei den Blumen in der bunten Sommerwiese handelt es sich nämlich komplett um mehrjährige Pflanzen. Allerdings sind die Samen und Zwiebeln nicht einfach so ausgestreut, sondern maschinell eingepflügt worden. „Das Ganze ist auch nicht ganz billig“, gibt Krüger zu. Die Nachhaltigkeit spreche dennoch für das Experiment. Denn sämtliche Pflegearbeiten entfallen. „Ich könnte mir das auch ganz toll für die Beete im Kreisverkehr oder auf großen Flächen im Gewerbegebiet vorstellen“, sagt Krüger. „Es gibt ja mehrere Verfahren und Mischungen. Man könnte theoretisch die gesamte Vegetationsphase abdecken, zum Beispiel im Frühjahr mit Tulpen beginnen.“

In anderen Ländern, so zum Beispiel in Holland oder England würden auf diese Art übrigens oft Flächen gestaltet, betont Krüger. In Deutschland werde dagegen immer noch der gute alte pflegeintensive Rasen bevorzugt. Weil der so schön akkurat aussieht. „Aber es muss doch nicht immer alles so picobello sein.“

Wer sich diese Art der Flächengestaltung vorstellen kann, könne sich deshalb gern von der Gartenakademie beraten lassen, versichert Krüger.

Eine Nachfrage gab es übrigens schon: „Die Stadt hat sich schon informiert.“