Gardelegen l Eigentlich sei sie ja fast ein Jahr zu spät dran, mit ihrem Besuch der Gartenakademie, bedauerte Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne am Mittwoch in Gardelegen. „Ihre ersten Gartentherapeuten haben ihren Abschluss ja schon gemacht.“

Um Ausbildung ging es ihr beim jüngsten Treffen dennoch. Und zwar um jene für Menschen mit Behinderungen. Dass diese gerade im Bereich Garten möglicherweise eine gute Chance hätten, sogar in den ersten Arbeitsmarkt integriert zu werden, davon ist nämlich auch Garten-Akademie-Projektleiterin Christa Ringkamp überzeugt: „Ich hatte im vergangenen Jahr mal ein Schlüsselerlebnis“, erzählte sie am Mittwoch in den Räumen des Vereines in Gardelegen: Ein etwa 16-jähriges Mädchen, Schülerin einer Stendaler Förderschule, hatte sich am Ende eines Garden-Sniffer-Projektes kurz vor den Sommerferien von Ringkamp mit den Worten verabschiedet: „Im nächsten Jahr bin ich ja leider nicht mehr dabei.“

Im Garten statt in Werkstatt

Die junge Frau, so Ringkamp, habe so viel Spaß an der Gartenarbeit gehabt und wollte gern Floristin werden. Stattdessen sollte sie in einer Behindertenwerkstatt unterkommen. Es müsse doch möglich sein, so Ringkamp, hier auf politischem Wege Möglichkeiten zu schaffen, wie Behinderte integriert werden könnten. „Genau dafür brauchen wir Ihre Lobby.“

Und genau damit lief die Projektleiterin auch bei der Besucherin offene Türen ein: „Ich bin fest davon überzeugt, dass nicht alle behinderten jungen Menschen in Werkstätten ihre Tätigkeit finden müssen“, bestätigte Petra Grimm-Benne. Auch das Bundesteilhabegesetz entspreche dem: „Und das müssen wir jetzt mit Leben füllen.“ Derzeit würden „händeringend Arbeitgeber gesucht, die solche Integrationsplätze zur Verfügung stellen“. Auch eine finanzielle Förderung über das Budget für Arbeit sei bereits sichergestellt, versicherte die Sozialministerin. Und sie hoffe dabei nun auch auf die Hilfe der Gartenakademie: „Wir müssen mal gucken, wo man da kramen kann.“

Viele weitere Projekte

Begeistert zeigte sich die Besucherin aber nicht nur über das Engagement der Gartenakademie für Behinderte, auch über weitere Projekte wie „Natur im Garten“ als Förderung und Anerkennung des ökologischen Gärtnerns im Privatbereich oder das jüngste Senioren-Projekt „Mit Rollator und Spaten ab in den Garten“ ließ sie sich ausführlich informieren. Schließlich sei sie selbst ein Gartenfan, so Grimm-Benne. Und sie sei vor allem ein Fan davon, selbst rauszugehen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Der Anfang mit der Gartenakademie ist nun gemacht.