Gardelegen l Langsam blättern drei Schüler im US-Magazin „Life“ vom 7. Mai 1945. „Das ist sie“, sagt einer von ihnen. Mit sie meint der junge Mann eine Doppelseite, auf der mehrere Schwarz-Weiß-Fotografien zu sehen sind. Abgebildet sind einige der am 13. April 1945 in der Feldscheune Isenschnibbe ermordeten und verkohlten Häftlingsleichen. Es war am 15. April 1945, als GIs die Scheune und das Massengrab entdeckten. Mit dabei: mehrere Kriegsberichterstatter, die den grauenvollen Fund bald weltweit unter der Artikelüberschrift „The Holocaust of Gardelegen“ bekannt machten. „Es ist einfach grauenhaft, was ihnen angetan wurde“, flüstert ein Campteilnehmer.

Einige Meter weiter senken Mischa Buzunar und Nikita Pjatischev für einige Sekunden den Kopf in Richtung Boden. Sie gedenken der über 1000 Opfer am Gedenkstein.

Freude über das große Interesse

Sie sind nur fünf der insgesamt 26 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die gestern und heute im Rahmen des Internationalen Jugendcamps des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge des Landesverbandes Sachsen-Anhalt in Gardelegen sind. „Seit einigen Jahren sind im Sommer junge Leute, überwiegend aus osteuropäischen Ländern, für zwei Tage auf der Gedenkstätte im Einsatz“, erklärt Gedenkstättenleiter Andreas Froese-Karow. So sind die praktischen Pflegearbeiten immer auch damit verbunden, sich inhaltlich mit dem Geschehen an der Feldscheune auseinanderzusetzen. „Wer sich an die Vergangenheit erinnert, auch an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges, kann die Zukunft gestalten“, wie Dr. Hans-Joachim Becker, Vorsitzender des Kreisverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, betont.

Bilder

Er freue sich über das große Interesse der aus Italien, Weißrussland, Türkei, Russland, Bosnien und Herzegowina sowie Deutschland stammenden Campteilnehmer, die gestern Abend – auf Einladung des Gardeleger Rotary-Clubs wurde dabei gegrillt – ihre Eindrücke auswerteten. Heute werden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Gedenkstätte pflegen.