Gardelegen l Ein rotes Dreieck auf weißem Grund – einst Symbol für die politischen Häftlinge in den Konzentrationslagern. In der Einheitsgemeinde Gardelegen mahnt dieses Symbol die Menschen, erinnert an die Todesmärsche, die für hunderte KZ-Häftlinge im April 1945 mit ihrer Ermordung endeten. 66 solcher Steine stehen entlang der Straßen zwischen Letzlingen und Gardelegen oder Mieste und Gardelegen und in den Orten selbst. In der Vergangenheit waren einige von ihnen – zuweilen verwittert und zugewachsen – eine Zeitlang aus dem Bewusstsein der Bürger verschwunden. Seit einigen Monaten sind 33 der Gedenksteine nach einem Aufruf des Fördervereines der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht, dank vieler Bürger, Vereine oder Institutionen, die eine Patenschaft über die Pflege eines Steines übernommen haben.

Sie alle hatte der Förderverein zu Kaffee und Kuchen eingeladen – auch, um die ehrenamtlichen Paten mal an einen Tisch zu holen. „Und wir waren angetan davon, wie rege der Meinungsaustausch war“, betont Fördervereinsvorsitzender Konrad Fuchs. Viele seien ins Gespräch gekommen. „Für sie ist die Pflege ihres Steines ein Herzensbedürfnis.“ Fuchs – und später auch noch Gedenkstättenleiter Andreas Froese-Karow – begrüßten an diesem Nachmittag im Rosengesundheitscenter gemeinsam mit den Vorständen Paul Schmidt, Klaus-Peter Schuckies und Torsten Haarseim rund 30 Paten. Zudem adoptiert Familie Olaf Hackbart, eigentlich als Vertreter von Verdi dabei, die auch eine Patenschaft hat, spontan auch gleich privat einen Stein – die Nummer 34.

Drei pflegen seit Jahrzehnten

Darüber habe sich der Vorstand sehr gefreut, so Fuchs. Besonders würdigte er zudem drei Paten, nämlich Ingrid Achtert aus Mieste und Irmgard Dietrich und Renate Breitenstein aus Gardelegen. Sie alle pflegen schon seit Jahrzehnten Steine, betonte Fuchs, und das alles ganz selbstverständlich, einfach, um diese Mahnmale an eine schlimme Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Wie wichtig solch Engagement, gerade in der heutigen Zeit sei, daran erinnerte Fuchs am Mittwoch noch einmal in seiner Begrüßung. „Und was vielen gar nicht bewusst ist: Sogar im Ausland ist man auf unserer Aktion aufmerksam geworden.“ Er habe zum Beispiel Post aus Holland erhalten, so Fuchs. Und auch aus Frankreich kam ein Lob für die Aktion. Zur Französin Monique Dardel, deren Vater Louis Abel Allemandet 1945 nach dem Todesmarsch in der Feldscheune Isenschnibber ermordet wurde, besteht nämlich immer noch Kontakt. Die Gardelegerin Ingeborg Köhn brachte die Grüße der Familie von ihrem jüngsten Besuch mit.

Neue Farbe für alle Steine

Die Pflege der noch patenlosen Steine übernimmt weiterhin der Förderverein, mithilfe der Lebenshilfe Gardelegen. So wird um die Mahnmale herum regelmäßig gemäht, und auch die Farbe werde immer mal erneuert, betonte Fuchs. Manche von ihnen stehen direkt an der Bundesstraße. Eine private Pflege sei deshalb oft schwierig. „Es kommt ja auch immer darauf an, wie mobil man ist“, so Fuchs.

Die Steine in den Ortschaften haben zu seiner Freude aber mittlerweile alle einen Paten gefunden. Und alle 64 Steine sollen nach und nach in diesem Jahr auch noch einmal neue Farbe bekommen. 90 Prozent der Kosten übernimmt das Land, zehn der Verein. Die Kosten für die Pflege ihrer Patensteine übernehmen indes die Paten selbst. Und dafür gab am Mittwoch noch mal an alle ein aufrichtiges Dankeschön.