Gardelegen l Weiße Gedenksteine mit einem roten Dreieck und der Aufschrift „13.4.1945“ erinnern in der Einheitsgemeinde Gardelegen an den Marsch der KZ-Häftlinge im April 1945 zur Isenschnibber Feldscheune.

Mehr als 60 solcher Betonquader sind in diesem Bereich zu finden, von Letzlingen bis Gardelegen, Mieste und Solpke. Zwei davon, einer am Ortsausgang Gardelegen in Richtung Salzwedel und einer am Kreisverkehr der Ackendorfer Landstraße/Vor-dem-Salzwedeler-Tor, fielen in dieser Woche Vandalismus zum Opfer.

Unbekannte haben den Gedenkstein am Radweg entlang der Ackendorfer Landstraße bis zur Schieflage lose gerüttelt. Die darum gesetzten Rasenkanten seien entfernt und dann im Nahbereich auf den Bankettstreifen geworfen worden, heißt es im Bericht der Polizei. Auch vor der liebevollen Gestaltung mit Heide und Tannenzweigen machten die Täter nicht Halt. Die Polizei bittet um Zeugenhinweise unter der Telefonnummer 03907/72 40.

Ortsverein ist schockiert

Der zweite Stein befindet sich am Kreisverkehr der Ackendorfer Landstraße. Er ist nicht umrandet, wurde aber auch bis zur Schieflage lose gerüttelt. Die Patenschaft für den Stein am Kreisel haben die Mitglieder des Gardelegener SPD-Ortsvereins übernommen. Martina Müller (SPD) äußert sich betroffen: „Ich finde es absolut nicht in Ordnung, so zu randalieren, gerade an so einer Gedenkstätte. Wir als Ortsverein sind schockiert darüber. Natürlich werden wir dort hinfahren, uns das anschauen und alles wieder in Ordnung bringen. Dafür haben wir ja die Patenschaft übernommen.“

Joachim Brenz, dem die Zerstörung beim Spaziergang am frühen Donnerstagmorgen aufgefallen war, ist sich sicher, dass es das Werk von mindestens zwei Personen war. „Es sind zwei unterschiedliche Schuhabdrücke zu sehen, beide scheinbar von Erwachsenen. Weil sie auch noch gut zu erkennen sind und es vor zwei Tagen zuletzt geregnet hat, vermute ich, dass es erst am Mittwoch oder in der Nacht zu Donnerstag passiert ist“, erzählt der aufmerksame Spaziergänger.

Auch eine mit ihrem Hund vorübergehende Frau habe ihr Unverständnis geäußert. Sie habe ihm gesagt, sie wolle mit ihrem Sohn sprechen, ob dieser mit seinen Kindern die Stätte wieder herrichtet, berichtet Brenz. Anzeige habe er nicht erstattet.

Dies kündigte unterdessen Konrad Fuchs an, nachdem er von dem Vorfall unterrichtet wurde. Er wolle sich den Schaden zunächst aber selbst anschauen. Der Vorsitzende des Fördervereins der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe koordiniert auch die Patenschaften für die Steine, 45 davon sind bereits vergeben. Die Paten kümmern sich um das Aussehen der Steine und die würdevolle Gestaltung des Umfeldes.

Diese Steine erinnern an die Todesmärsche von Häftlingen aus den Konzen­trationslagern des Nationalsozialismus. Im April 1945 waren diese von den Bahnhöfen Letzlingen und Mieste bis zur Feldscheune Isenschnibbe getrieben worden. Dort angekommen, wurden die meisten von ihnen auf bestialische Weise ermordet.

Mit den Gedenksteinen soll die Erinnerung wach gehalten werden. Interessierte Bürger, die für einen der Steine als Paten Verantwortung übernehmen möchten, können sich gern an Konrad Fuchs wenden.