Gardelegen l Einmal in der Woche haben fünf Frauen und ein Mann aus der Einheitsgemeinde einen festen Termin in Gardelegen. Und dafür nehmen sie auch einen kilometerlangen Fahrweg, zum Beispiel aus Seethen und Mieste, in Kauf. Sie wollen in der Freizeitoase kreativ sein. Unter ihren Händen entstehen Teller, Tassen, Vasen, Figuren und vieles mehr, was aus Ton herzustellen ist. In der derzeitigen Urlaubszeit sind zwar nie alle da, aber ausfallen lassen die Hobbytöpfer diese Treffen nie. Denn mit den Jahren „ist es ja auch eine Freundschaft“ geworden, sagt Anke Frieß, die von den anderen liebevoll als „unser Leithammel“ bezeichnet wird. Sie ist die Dienstälteste der Gruppe.

Wie die quirlige Frau mit den immer wieder neuen Ideen erzählt, kam sie vor 20 Jahren zum ersten Mal in das damalige Schullandheim, das erst vor wenigen Jahren in Freizeitoase umbenannt wurde. 1999 übernahm das VHS-Bildungswerk, bei dem Anke Frieß als Ausbilderin für die Maler tätig war, im Auftrag des Jugendamtes die Trägerschaft. Ihre Kollegin Heidi Adolph war die damalige Leiterin des Schullandheims, in dem Anke Frieß mit ihren Lehrlingen sehr vieles malertechnisch gemacht hat.

Abschalten vom Alltag

Dabei lernte sie auch die unterschiedlichen Kursangebote für die Kinder in der heutigen Freizeitoase kennen, probierte einiges aus und war vom Töpfern fasziniert, wie andere Kolleginnen auch. „Wir haben dann erst einmal bei den Kindern mitgemacht. Die fanden es natürlich toll, wenn die Erwachsenen dazwischen saßen und erzählten“, erinnert sich Anke Frieß mit einem Schmunzeln. Im selben Jahr wurde der Töpferkurs für Erwachsene auf den Abend verlegt. Am Anfang war das Töpfern für Anke Frieß eine schöne Gelegenheit, kreativ zu sein, dabei vom Alltag abzuschalten und „runter zu kommen“, wie sie sagt. „Denn ich hatte täglich über 30 Jugendliche um mich rum.“ Und die Erwachsenen konnten weiterhin gegen einen Obolus den Raum in der Freizeitoase und den Brennofen benutzen. Für das Material, so ist es auch noch heute, sind die Töpferfreunde selbst verantwortlich.

Peu à peu hat sich Anke Frieß alles über das Töpfern selbst erarbeitet und beigebracht, denn Ahnung hatte sie bis dahin nicht. Als sie beispielsweise zum ersten Mal Glasur auftrug, sei sie zurechtgewiesen worden, dass sie keine Wand malern würde, erzählt die Gardelegenerin lachend. Heute ist sie der Profi, der den anderen immer wieder gute Tipps und Hinweise gibt. Doch das Töpfern, das kreative Arbeiten ist nur die eine Seite der sprichwörtlichen Medaille. „Das Wichtigste sind die Treffen mit Freunden, um mal rauszukommen und miteinander zu quatschen“, sagt Anke Frieß – und die anderen, die da gerade nicht im Urlaub sind, nicken bestätigend. Das sei Balsam für die Seele. Sie seien alle Freunde geworden, die gemeinsam Geburtstage, und in jedem Jahr ein Sommerfest feiern würden, erzählen sie. Zu Beginn eines jeden Jahres treffen sie sich ebenfalls und gehen miteinander essen.

Nicht nur töpfern, sondern auch feiern

Seit 2015 ist Annette Eisenhuth dabei, die sich ohne irgendwelche Vorkenntnisse, wie sie sich erinnert, gleich an eine Kugel wagte. Sie gelang und die Leidenschaft, weitere Deko-Artikel fürs Zuhause oder zum Verschenken zu schaffen, war geboren. Nadine Purr ist seit drei Jahren mit dabei, kam durch Silke Müller zur Truppe. Sie fand, wie sie erzählt, Töpfern schon immer toll. Und mit den richtigen Menschen an ihrer Seite sei es eine runde Sache.

Die Jüngste im Bunde ist derzeit Carolin Behrends aus Seethen, die derzeit als Gasttöpferin dabei ist. Denn die 19-Jährige studiert in Erfurt und hat nur ab und zu Zeit, dabei zu sein. Doch aufgeben will sie das Hobby nicht, das sie seit 2009 fasziniert. Damals ging sie noch zur Schule, erzählt die junge Frau, habe nach einer Freizeitbeschäftigung gesucht und durch eine Freundin zum Töpfern gefunden. Das wurde damals noch als Kurs in der Freizeitoase angeboten. Doch Carolin Behrends will weiter am Ball bleiben und sagt mit einem Schmunzeln: „Wenn die anderen noch knackig und frisch sind, wenn ich mit dem Studium fertig bin, bin ich wieder voll dabei.“

Auch der „Jüngling“ in der Gruppe kommt derzeit nur als Gasttöpfer vorbei. Denn Justin Wießel aus Gardelegen befindet sich in einer Ausbildung, und auch da ist die Freizeit begrenzt. So, wie die Gruppe sich gerade zusammensetzt, passt es perfekt, sagt Anke Frieß, denn auch die Platzkapazitäten sind begrenzt. So kann es die nächsten, mindestens 20 Jahre bleiben, erklärt sie mit einem Augenzwinkern.