Gardelegen l Zum Streit der beiden Cousins kam es im Januar vergangenen Jahres vor einem Gasthaus in Klötze. Dort hatte der Vater des Angeklagten seinen 60. Geburtstag gefeiert. Die beiden Cousins waren auf der Feier schon mehrfach aneinander geraten, kurz nach Mitternacht kam es dann vor der Gaststätte im Raucherbereich zur Schlägerei. Verfeindet waren die beiden schon seit Jahren. Als Ursache nannte der Angeklagte, dass sie beide in der rechten Szene aktiv gewesen seien. Er selbst sei ausgestiegen, daraufhin habe sein Cousin ihn mehrfach bedroht. Vor allem habe es Ärger um einen Facebook-Account mit rechten Inhalten gegeben, den der Cousin betrieben habe und für dessen Sperrung der Angeklagte gesorgt habe.

Knochenbruch unter dem Auge

Das Opfer der Schläge und des Trittes, ein 38-Jähriger aus Wittenberg, trat im Prozess als Nebenkläger auf. Er hatte einen Knochenbruch unterhalb des Auges erlitten, einen Zahn verloren, ein weiterer wurde beschädigt. Unsicherheit und das Gefühl, verfolgt zu werden, habe er noch immer, sagte er. Als im Gericht Bilder von seinen Verletzungen gezeigt wurden, wollte er sie nicht ansehen und blieb, sichtlich betroffen, sitzen.

Wie es zu dem Streit gekommen sei, wollte Richter Axel Bormann wissen.

Der Angeklagte berichtete, nach mehrfachen Streitigkeiten auf der Party sei er vor dem Gebäude im Raucherbereich allein gewesen, als sein Cousin auf ihn zugekommen sei. „Im Augenwinkel habe ich dann gesehen, dass er einen Schlagring aufgesetzt hat“, sagte der Angeklagte. Sein Cousin habe ihn an die Wand gedrückt, er sei mit dem Hinterkopf an die Mauer geknallt, da habe er ihm einen Schlag ins Gesicht versetzt.

„Warum?“, fragte der Richter nach. „Weil ich massiv Angst um mein Leben hatte. Er hat mich so an die Wand gedrückt, dass mir die Brille abgefallen ist, ich bin mit dem Kopf gegen die Wand geprallt“, schilderte der Angeklagte.

Mit Schlagring herumgefuchtelt

Der Wittenberger sei daraufhin zwei bis drei Meter zurückgetaumelt und dann zu Boden gegangen. „Ich wollte ihm aufhelfen, aber er fuchtelte mit dem Schlagring herum und zerrte an meiner Jacke, da habe ich noch zwei, dreimal zugeschlagen. Ich weiß, dass das nicht in Ordnung war, es tut mir leid“, sagte der Angeklagte. Der Tritt ins Gesicht sei passiert, als ihn sein Bruder wegzerren wollte. Das Gesicht habe er aber nicht treffen wollen, nur „irgendwo an den Körper.“ Ob er getrunken habe?, fragte der Richter. Er sei „leicht angetüdert“ gewesen, räumte der 23-Jährige ein. Er sei es aber auch gewesen, der seinen Bruder angewiesen habe, nach der Schlägerei Polizei und Krankenwagen zu rufen, betonte er.

Der geschädigte Cousin sagte aus, er sei mit seiner Frau und seinem Kind zur Feier gekommen. Die beiden seien zu diesem Zeitpunkt jedoch schon nicht mehr auf der Party gewesen. Er habe mit dem Angeklagten wegen des alten Zerwürfnisses reden wollen. Der aber habe ihm gedroht: „Er sagte, dass ich mich verpissen soll, sonst komme ich nicht mehr heile aus Klötze raus.“ Außerdem habe der Angeklagte gesagt: „Ich weiß jetzt, wo ihr heute Nacht wohnt, ich kann euch ja mit ein paar Leuten besuchen kommen.“

Angst um die Familie

Da habe er auch Angst um seine Familie gehabt. Ja, einen Schlagring habe er tatsächlich dabei gehabt. Den habe er bei einem Trödler in der Tschechei gekauft. Er habe sich von dem Cousin bedroht gefühlt.

„Da fiel mir ein, dass ich ihn in meiner Hosentasche hatte, ich hatte ihn mir eingesteckt wegen der Bedrohungslage“, sagte er. An Teile der Auseinandersetzung könne er sich nicht mehr erinnern, er sei erst im Krankenwagen wieder zu sich gekommen.

Wegen der fortgeschrittenen Zeit wurde der Prozess nach den Aussagen der beiden Kontrahenten unterbrochen. In zwei Wochen soll er fortgesetzt werden. Dann werden weitere Zeugen angehört.