Gardelegen l An seiner Seite im Gardeleger Amtsgericht sitzt an diesem Morgen eine Französisch-Dolmetscherin. Richter Axel Bormann ist darüber erstaunt. Denn der Angeklagte vor ihm ist zwar 1973 tatsächlich im westafrikanischen Benin geboren worden, Amtssprache ist dort französisch. Allerdings lebt der Mann nun schon seit fast 20 Jahren in Deutschland. „Und da sprechen Sie kein Deutsch?“, will Bormann wissen. „Doch“, versichert der 45-jährige, „aber nicht mit so großen Leuten.“

Dass er überhaupt mit dem Richter sprechen muss, ist dem 45-Jährigen indes sichtlich peinlich. „Ich wusste ja gar nicht, dass das Geldwäsche ist“, versichert er. Denn genau diese Straftat wird dem fünffachen Vater vorgeworfen. So soll ihm im Juli 2016 ein Betrag von 9700 Euro von einer schwedischen Bank auf sein Konto überwiesen worden sein.

Sagte "Bruder" Hilfe zu

Zwar hatte die Svenska Handelsbank unmittelbar nach der Onlineüberweisung Verdacht geschöpft und versucht, das Geld zurückzufordern. Da allerdings hatte der Angeklagte das Geld längst abgehoben. Zumindest den größten Teil. 200 Euro seien auf seinem Konto verblieben, sozusagen als Bezahlung, bezifferte die Anklageschrift, die der zuständige Staatsanwalt vorlas.

Und all das räumte der Beniner auch ohne zu zögern ein. Denn über die Überweisung habe ihn vorher ein Freund informiert, „ein Schwarzer, so wie ich“. Mit diesem habe er sich vor vielen Jahren in der Gardeleger Asylunterkunft ein Zimmer geteilt. Das sei lange her. Als der „Bruder“ ihn dann aber vor rund zwei Jahren plötzlich angerufen habe, und seine Hilfe wollte, habe er sofort zugesagt.

9500 Euro bar abgehoben

Der Landsmann habe ihm erzählt, er wolle ein Auto kaufen, „und ich sollte ihm dabei helfen.“ Zu diesem Zweck sollte ihm Geld überwiesen werden, erzählt der Beniner. „Es ging um etwa 100.000 Euro.“ Und gedacht habe er sich auf die Bitte des Freundes hin auch nichts Böses. „Ich habe schon zwei Mal Landsleuten dabei geholfen, ein Auto zu kaufen.“ Jedesmal hätten die ihm Geld überwiesen und damit dann auch tatsächlich ein Fahrzeug erworben. Deshalb habe er nicht daran gezweifelt, dass auch diesmal alles mit rechten Dingen zugehe. Zudem habe er damals so viele Probleme gehabt, „Geldsorgen und Depressionen.“ Er habe nicht nachgedacht.

Und zunächst einmal sei auch gar nichts passiert. „Ich hatte das schon fast vergessen. Aber plötzlich sagte mir Ben, der Freund, dass jetzt das Geld auf meinem Konto ist.“ Und er habe ihn gebeten, 9500 Euro in bar abzuheben, weil er mit dem Geld Einkäufe machen wolle.

Handynummer gab es nicht mehr

Das, so der Angeklagte, habe er auch getan. „Dann habe ich das Geld Ben gegeben, aber eine kleine Summe durfte ich behalten.“ Wie hoch diese war, konnte er allerdings nicht mehr sagen.

„Und, kam denn die große Summe auch noch?“, wollte Bormann wissen. „Bis jetzt nicht“, versicherte der Angeklagte. Dafür habe er dann aber das Schreiben der Staatsanwaltschaft bekommen. „Und ich wusste gar nicht, was das bedeutet.“ Deshalb habe er auch wieder den Freund angerufen und gefragt. „Ben hat mir aber nur gesagt, ich solle einfach abwarten.“ Als er kurz darauf wieder versucht habe, ihn zu erreichen, „gab es diese Nummer nicht mehr.“

Verfahren eingestellt

Das alles wirkt offensichtlich sehr überzeugend auf Staatsanwalt und Richter. Mit der Auflage, 100 Euro an einen gemeinnützigen Verein zu zahlen, stellt Richter Axel Bormann das Verfahren gegen den Beniner schließlich nach Paragraph 153 a ein.

Allerdings nimmt er dem Angeklagten zuvor noch ein Versprechen ab: „Wenn doch noch das große Geld kommt, dann gehe ich zur Polizei.“