Gardelegen l Betrug oder Geldwäsche? Beides gleichzeitig geht nicht, stellte Rechtsanwalt Norbert Zepig bereits vor Prozessbeginn klar. Da saßen Richter, Staatsanwalt und die beiden Schöffinnen noch im Verhandlungssaal des Amtsgerichts und warteten auf den Angeklagten. Auf Schreiben des Anwalts hatte der 22-Jährige nicht reagiert, den Termin vor Gericht einfach platzen lassen. Richter Axel Bormann ordnete daraufhin an, den Mann durch die Polizei abholen zu lassen. Eine halbe Stunde später brachten zwei Beamte den Angeklagten in den Verhandlungssaal. „Ich hab die Sache offenbar verschwitzt“, sagte der Gardeleger.

Der Vorwurf der Saatsanwaltschaft: Spielkonsolen und Videospiele im Wert von knapp 2000 Euro solle er über Ebay verkauft, aber nicht geliefert haben, obwohl das Geld auf seinem Konto eingegangen sei. Insgesamt waren es sechs Fälle, in denen der Mann unter verschiedenen falschen Namen agierte, listete der Staatsanwalt auf. Das andere Verfahren – den Vorwurf der Geldwäsche – klammerte Richter Bormann zunächst aus. Und war selbst überrascht, als die Rechtfertigung des Angeklagten dafür sorgte, dass nun doch über Geldwäsche geredet werden musste.

Intime Fotos im Internet-Chat

Er habe „jemanden“ auf einer Chat-Plattform im Internet kennengelernt, gestand der Gardeleger. Eine junge Frau, die in den USA als Au-pair-Mädchen arbeitet. Sie hätten sich gut verstanden, die Dame habe ihm auch intime Fotos zugeschickt. Dann hätte sie erzählt, sie würde gern nach Deutschland zurückkommen, ihn treffen. „Dafür brauchte sie 1000 Euro, und sie hat gesagt, die bekommt sie, wenn ich ihr meine Kontodaten zur Verfügung stelle. Sie hatte noch Leute, die ihr was schulden, hat sie gesagt.“ Ihren vollständigen Namen kenne er nicht, nur den Vornamen, sagte er.

Geld wurde auf sein Konto gebucht, Geld wurde abgebucht. Innerhalb weniger Tage gab es mehrere solcher Transaktionen. Die Volksbank schöpfte Verdacht und zog die Karte am Automaten ein. Die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen auf.

Geld per Post verschickt

Einmal habe er ihr Geld in einem Briefumschlag per Post geschickt, sagte der 22-Jährige. Die Quittung dafür habe er noch. Ja, dazu habe er eine Adresse in den USA gehabt, gab er auf Anfrage des Staatsanwalts an.

Seit einiger Zeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Rostock zusammen mit den US-Behörden gegen eine Anzahl Betrüger, die offenbar immer wieder nach der gleichen Masche „mit in der Regel einfach strukturierten deutschen Kommunikationspartnern in Kontakt treten“, las Bormann aus einem Schreiben der Rostocker Staatsanwaltschaft vor. Man gebe sich als junge deutsche Frau aus, die in den USA sitzt, werde im Chat schnell intim, stelle schließlich ein Treffen in Deutschland in Aussicht ... Ja, auch ihm seien anzügliche, eindeutige Avancen gemacht worden, bestätigte der Angeklagte. „Aber Sie sind doch nicht blöd“, meinte Bormann. „Und da lassen Sie sich von so einer Torte abziehen?“

Etwas zu blauäugig gewesen

Etwas „blauäugig“ sei sein Mandant gewesen, so Rechtsanwalt Zepig. Er schlug vor, das Verfahren einzustellen. Ein Vorschlag, dem Staatsanwalt, Richter und Schöffinnen beipflichteten. Zumal der 22-Jährige bisher noch ein vollkommen unbeschriebenes Blatt ist und noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Auch sprach zu seinen Gunsten, dass die sechs Betrugsfälle sich innerhalb eines kurzen, komprimierten Zeitraums von einer Woche ereigneten.Aber die unrechtmäßig eingenommenen Gelder muss er erstatten. Zusätzlich zu den auf seinem Konto bereits beschlagnahmen 1399,57 Euro muss er 600 Euro in monatlichen Raten von jeweils 100 Euro an die Landeskasse zahlen.

Dass der Gardeleger damit bei einem Geldwäsche-Vorwurf sehr gut weggekommen sei, machte Richter Bormann in seinem Schlusswort deutlich: „Darauf steht Mindestfreiheitsstrafe“, sagte er. „Beim nächsten Mal lassen Sie die Emails zu.“