Gardelegen l „Gardelegen ist nur knapp einer Katastrophe entgangen.“ Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Gardelegen, Kämmerer Maik Machalz, zeigte sich am Freitag am Ort des Geschehens tief beeindruckt von der Leistung der zahlreichen Feuerwehrleute. Denn nur ihrem Handeln und auch einem ganz großen Stück Glück sei es zu verdanken, dass genau die Katastrophe abgewendet werden konnte. Das Glück war der Wind, genauer gesagt die Windrichtung, die die Flammen und vor allem den dicken schwarzen Rauch nicht über die Stadt, sondern in Richtung Heide trieb. „Nicht auszudenken, wenn das anders gewesen wäre“, so Machalz und Gardelegens Stadtwehrleiter Sven Rasch mit Blick auf nahegelegene Unternehmen, wie Holzkontor und Boryszew Kunststofftechnik.

Brandmeldeanlage löste Alarm aus

Zwei Tage nach dem Großbrand am Mittwochabend auf dem Gelände der Frapa-Plast GmbH an der Stendaler Chaussee sind nun auch die Wehren an ihre Grenzen gekommen, was die Einsatzfähigkeit der Kameraden und auch was Material und Technik betrifft. „Die Fahrzeuge sind zwar wieder komplett, aber die Lager sind leer“, sagte Gardelegens Ortswehrleiter Henrik Lehmann, Einsatzleiter beim Großbrand, am Freitag vor Ort.

Schäden an der Feuerwehrtechnik

Am Mittwochabend heulten um 18.48 Uhr die Sirenen. Ausgelöst wurde der Alarm von der Brandmeldeanlage des Unternehmens. Auf dem Firmengelände an der Stendaler Chaussee standen unzählige Mengen Kunststoffabfall in Flammen. Die riesige pechschwarze Rauchsäule war kilometerweit zu sehen. In der Spitze waren 175 Kameraden aus vielen Feuerwehren vor Ort. Problem sei die enorme Hitzeentwicklung gewesen, so Rasch gestern. Das habe auch zu zahlreichen Schäden an Einsatzbekleidung, Technik, Lampen, Schläuchen und mehr geführt. Zwei Spritzen seien kaputt – jeweils ein Wert von 12.000 Euro. Restlos verbraucht seien auch die Sauerstoffflaschen der Atemschutzgeräte gewesen. „Wir haben jetzt die Landkreisreserve hier“, sagte Rasch. 4000 Liter Schaum seien eingesetzt worden. „Wir mussten heute nachkaufen“, so Rasch. Aber Schaum könne derzeit ohnehin nicht eingesetzt werden aufgrund der enormen Hitzeentwicklung. Gelöscht werde nur mit Wasser.

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Wie ein Lavastrom

Ein Großteil des Brandes hatten die Kameraden am Freitag unter Kontrolle. „Wir haben aber noch zwei große Stellen, wo es immer noch brennt“, so Rasch. Brennender Kunststoffmüll sei wie ein Lavastrom. „Innen flüssig und außen hart wie Beton durch das Löschwasser. Durch die große Hitze wird der Kunststoff immer wieder flüssig und brennt weiter“, erläuterte Rasch. Es sei allerdings ganz schwer, Kunststoff in Brand zu setzen, aber genauso schwer, einmal brennenden Kunststoff in dieser Menge wieder zu löschen.

Brand bei Frapa-Plast Gardelegen

Gardelegen (iwi) l Die Löscharbeiten beim Gardelegener Kunststoffverarbeitungsbetrieb Frapa-Plast dauern an.

  • Am Donnerstagnachmittag wurde erste Technik und Pumpen zurückgebaut. Foto: Ilka Marten

    Am Donnerstagnachmittag wurde erste Technik und Pumpen zurückgebaut. Foto: Ilka Marten

  • Die Flammen auf dem Gelände hatten sich schnell ausgebreitet. Foto: Ilka Marten

    Die Flammen auf dem Gelände hatten sich schnell ausgebreitet. Foto: Ilka Marten

  • Verkohlte Plastikteile in den Boxen. Foto: Ilka Marten

    Verkohlte Plastikteile in den Boxen. Foto: Ilka Marten

  • Das Silo mit den Holzpellets konnte gerettet werden. Foto: Ilka Marten

    Das Silo mit den Holzpellets konnte gerettet werden. Foto: Ilka Marten

  • Am Donnerstagnachmittag qualmte es immer noch, Glutnester loderten immer wieder auf. Foto: Ilka Marten

    Am Donnerstagnachmittag qualmte es immer noch, Glutnester loderten immer wieder auf. Foto: Ilka M...

  • In den Gitterboxen befanden sich Kunststoffteile. Foto: Ilka Marten

    In den Gitterboxen befanden sich Kunststoffteile. Foto: Ilka Marten

  • Blick auf das Betriebsgelände am Donnerstagnachmittag. Foto: Ilka Marten

    Blick auf das Betriebsgelände am Donnerstagnachmittag. Foto: Ilka Marten

  • Die Einsatzkräfte hatten sich einen Weg aus Paletten gelegt, um trockenen Fußes über das Gelände zu kommen. Foto: Ilka Marten

    Die Einsatzkräfte hatten sich einen Weg aus Paletten gelegt, um trockenen Fußes üb...

  • Überall verbrannter Kunststoff. Foto: Ilka Marten

    Überall verbrannter Kunststoff. Foto: Ilka Marten

  • Verkohlte Gitterkisten auf dem Betriebsgelände. Foto: Ilka Marten

    Verkohlte Gitterkisten auf dem Betriebsgelände. Foto: Ilka Marten

  • Restlöscharbeiten am Donnerstag. Foto: Ilka Marten

    Restlöscharbeiten am Donnerstag. Foto: Ilka Marten

  • Am Donnerstagvormittag waren noch 25 Atemschutzgeräteträger und insgesamt 61 Kameraden vor Ort. Foto: Ilka Marten

    Am Donnerstagvormittag waren noch 25 Atemschutzgeräteträger und insgesamt 61 Kameraden ...

  • Das Wasser auf dem Betriebsgelände stand am Donnerstag an der Einfahrt einen halben Meter hoch. Foto: Ilka Marten

    Das Wasser auf dem Betriebsgelände stand am Donnerstag an der Einfahrt einen halben Meter ho...

  • Am Donnerstagvormittag waren Kräfte aus der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf im Einsatz. Foto: Ilka Marten

    Am Donnerstagvormittag waren Kräfte aus der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf im Einsatz...

Brand Frapa-Plast Gardelegen

Gardelegen (iwi) l Der Kunststoffverarbeitungsbetrieb FraPlast Gardelegen steht in Flammen. Zahlreiche Feuerwehrleute sind im Einsatz.

  • Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb in Gardelegen an der Stendaler Chaussee am 24. Mai 2017. Foto: Ilka Marten

    Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb in Gardelegen an der S...

  • Zahlreiche Feuerwehrleute sind bei dem Brand an der Stendaler Straße im Einsatz. Foto: Ilka Marten

    Zahlreiche Feuerwehrleute sind bei dem Brand an der Stendaler Straße im Einsatz. Foto: Ilka ...

  • Dichter Rauch steigt über dem Firmengelände auf. Foto: Ilka Marten

    Dichter Rauch steigt über dem Firmengelände auf. Foto: Ilka Marten

  • Die Löscharbeiten dauern an. Foto: Ilka Marten

    Die Löscharbeiten dauern an. Foto: Ilka Marten

  • Großeinsatz für die Feuerwehren der Hansestadt Gardelegen. Foto: Ilka Marten

    Großeinsatz für die Feuerwehren der Hansestadt Gardelegen. Foto: Ilka Marten

  • Aktiven aus mehreren Wehren sind im Einsatz. Foto: Ilka Marten

    Aktiven aus mehreren Wehren sind im Einsatz. Foto: Ilka Marten

  • Die Flammen lodern empor. Foto: Ilka Marten

    Die Flammen lodern empor. Foto: Ilka Marten

  • Dichter Rauch steigt vom Firmengelände auf. Foto: Ilka Marten

    Dichter Rauch steigt vom Firmengelände auf. Foto: Ilka Marten

  • Atemschutzgeräteträger sind im Einsatz. Foto: Ilka Marten

    Atemschutzgeräteträger sind im Einsatz. Foto: Ilka Marten

  • Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb in Gardelegen an der Stendaler Chaussee am 24. Mai 2017. Foto: Ilka Marten

    Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb in Gardelegen an der S...

  • Die Feuerwehren löschen mit Schaum. Foto: Ilka Marten

    Die Feuerwehren löschen mit Schaum. Foto: Ilka Marten

  • Die Feuerwehren löschen mit Schaum. Foto: Ilka Marten

    Die Feuerwehren löschen mit Schaum. Foto: Ilka Marten

  • Das Feuer ist weithin zu sehen. Foto: Ilka Marten

    Das Feuer ist weithin zu sehen. Foto: Ilka Marten

  • Das Feuer ist weithin zu sehen. Foto: Ilka Marten

    Das Feuer ist weithin zu sehen. Foto: Ilka Marten

  • In einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb ist am Mittwoch ein Brand ausgebrochen.  Foto: Ilka Marten

    In einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb ist am Mittwoch ein Brand ausgebroche...

  • Feuerwehrleute aus mehreren Wehren sind an den Löscharbeiten beteiligt.  Foto: Ilka Marten

    Feuerwehrleute aus mehreren Wehren sind an den Löscharbeiten beteiligt. Foto: Ilka Marten

  • Der Brand lockt zahlreiche Schaulustige an.  Foto: Ilka Marten

    Der Brand lockt zahlreiche Schaulustige an. Foto: Ilka Marten

  • Am Mittwoch kam es im Unternehmen Frapa-Plast zu einem Brand.  Foto: Ilka Marten

    Am Mittwoch kam es im Unternehmen Frapa-Plast zu einem Brand. Foto: Ilka Marten

  • Eine dunkle Rauchwolke steigt empor.  Foto: Ilka Marten

    Eine dunkle Rauchwolke steigt empor. Foto: Ilka Marten

  • Der dunkle Rauch zieht über die angrenzende Bahnlinie.  Foto: Ilka Marten

    Der dunkle Rauch zieht über die angrenzende Bahnlinie. Foto: Ilka Marten

  • Eine dunkle Rauchwolke steigt empor.  Foto: Ilka Marten

    Eine dunkle Rauchwolke steigt empor. Foto: Ilka Marten

  • Eine dunkle Rauchwolke steigt empor.  Foto: Ilka Marten

    Eine dunkle Rauchwolke steigt empor. Foto: Ilka Marten

  • Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb an der Stendaler Chaussee am 24. Mai 2017. Foto: Ilka Marten

    Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb an der Stendaler Chaus...

  • Der Rauch hüllt das Areal vollständig ein.  Foto: Ilka Marten

    Der Rauch hüllt das Areal vollständig ein. Foto: Ilka Marten

  • Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb  an der Stendaler Chaussee am 24. Mai 2017. Foto: Ilka Marten

    Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb an der Stendaler Chau...

  • Schaulustige beobachten den Brand. Foto: Ilka Marten

    Schaulustige beobachten den Brand. Foto: Ilka Marten

  • Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb an der Stendaler Chaussee am 24. Mai 2017. Foto: Ilka Marten

    Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb an der Stendaler Chaus...

  • Schaulustige beobachten den Brand. Foto: Ilka Marten

    Schaulustige beobachten den Brand. Foto: Ilka Marten

  • Schaulustige beobachten den Brand. Foto: Ilka Marten

    Schaulustige beobachten den Brand. Foto: Ilka Marten

  • Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb  an der Stendaler Chaussee am 24. Mai 2017. Foto: Ilka Marten

    Großbrand in einem Gardeleger Kunststoffbe- und -verarbeitungsbetrieb an der Stendaler Chau...

  • Dichter Rauch zieht über die Straße. Foto: Ilka Marten

    Dichter Rauch zieht über die Straße. Foto: Ilka Marten

  • Dichter Rauch zieht über die Straße. Foto: Ilka Marten

    Dichter Rauch zieht über die Straße. Foto: Ilka Marten

  • Die Rauchsäule ist auch in einiger Entfernung zu sehen. Foto: Ilka Marten

    Die Rauchsäule ist auch in einiger Entfernung zu sehen. Foto: Ilka Marten

Er geht davon aus, dass das es noch einige Tage brennen wird. Allerdings wird die Brandwache nicht mehr von der Feuerwehr übernommen. „Das ist nicht mehr unsere Aufgabe“, so Rasch. Das Unternehmen müsse jetzt eine Spezialfirma beauftragen, die diese Arbeiten übernimmt. Die Übergabe wird am Sonnabend um 13 Uhr erfolgen.

In den Wehren werden jetzt umfassende Inventuren anstehen, um die Schäden aufzulisten. „Um alles wieder in Ordnung zu bringen, werden wir 14 Tage brauchen“, ist sich Rasch sicher. Die Stadt wird die Einsatzkosten ermitteln. Dann wird geprüft, wer welche Kosten übernimmt. „Da wird noch vieles zu klären sein“, stellte Machalz klar. Die Geschäftsleitung von Frapa-Plast lehnte am Freitag eine Stellungnahme mit Blick auf die Ereignisse ab. Sie verwies auf die kommende Woche.

Kripo-Ermittler ab Mittwoch vor Ort

Inwieweit der Brand Auswirkungen auf Erdreich und Grundwasser hat, ist noch unklar. Vom Kreis-Umweltamt war jedenfalls noch niemand vor Ort. Im Kreis war Freitagmittag für eine Stellungnahme niemand erreichbar. Die Brandermittler der Kripo im Altmarkkreis werden voraussichtlich am Mittwoch ihre Arbeit aufnehmen – mit Unterstützung von Fachleuten aus dem Landes-Kriminalamt, wie Polizeisprecher Gerd Schönfeld am Freitag auf Anfrage informierte.

Eines sei bei diesem Großbrand ganz deutlich geworden. „Das Zusammenspiel im Kreis hat hervorragend geklappt“, betonte Stadtwehrleiter Sven Rasch.