Kalbe l Kulturlandschaft Altmark: So nennt sich ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die historisch gewachsene Vielfalt an Obstbäumen, die es derzeit noch in der Altmark gibt, für die Nachwelt zu erhalten. Zwölf Gründungsmitglieder, die unterschiedlichen Generationen angehören, haben ihn am Mittwochabend im Eiscafé „Piccolo“ in Kalbe aus der Taufe gehoben.

Ruth Schwarzer ist Vorsitzende

Der Ort war nicht von ungefähr gewählt. Denn Kalbe ist die Heimat einer der Initiatorinnen: Ruth Schwarzer. Gemeinsam mit Brita von Götz-Mohr vom Landgut Welle im Landkreis Stendal setzt sie sich bereits seit mehreren Jahren dafür ein, dass das Kulturgut, welches die teils uralten Obstbaumbestände in der Altmark darstellen, nicht verloren geht. „Sie bescheren uns ein Geschmacks-erlebnis, das mit nichts aus dem Supermarkt vergleichbar ist“, sagt Ruth Schwarzer.

Die Ingenieurpädagogin für Gartenbau hat am Mittwochabend auch den Vorsitz des neuen Vereins übernommen, der seinen Sitz aber in Welle haben wird. Erstens, weil es dort geeignete Räumlichkeiten, auch für Veranstaltungen, gibt, über welche die erste Stellvertreterin Brita von Götz-Mohr als Eigentümerin verfügen kann, und zweitens, weil es dort einen großen, uralten Obstbaumbestand gibt. Und der soll in diesem Jahr abermals die perfekte Kulisse für den sogenannten Birnentag liefern, bei dem am Sonntag, 16. September, heimisches Obst in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt wird.

„Aber die Birne ist unser erstes Schwerpunktthema“, betont die Vorsitzende des neuen Vereins. Zu dessen Zielen gehört es nämlich auch, zwei sogenannte Sortengärten zu schaffen, in denen das Hauptaugenmerk auf verschiedenen Birnensorten liegt. Ein Garten soll in Welle, einer in Jeetze entstehen. Hier ist nämlich der Schatzmeister des neuen Vereins, Mark Lyle, zu Hause, der auch die entsprechende Fläche bereitstellen will. „Nachfolgend wollen wir uns dann auch anderen Obstsorten widmen“, sagt Ruth Schwarzer.

Langfristiges Ziel des Vereins ist es, die Obstbaumalleen, von denen es zum Teil leider nur noch Fragmente gebe, so Brita von Götz-Mohr, in touristische Netzwerke zu integrieren. „Denn unsere Artenvielfalt, die wir hier haben, ist etwas, das wir nach außen zeigen können.“

Das sieht offenbar auch Johanna Wanka so, die bis März 2018 bundesdeutsche Bildungsministerin war. Sie lebt am Rande der Altmark und hat Ruth Schwarzer nach deren Angaben telefonisch mitgteilt, im Verein mitarbeiten zu wollen. Am Mittwochabend war Wanka aber verhindert.

In den Vorstand wurden dann auch noch Roswitha Koerlin aus Salzwedel (zweite stellvertretende Vorsitzende) und Marcel Tange aus Seehausen (Schriftführer) gewählt. Die Mitgliederversammlungen sollen künftig abwechselnd in Welle und in Kalbe stattfinden.