Jeetze. „Ich kann Ihnen versichern, dass hier keinerlei Tendenz vorhanden ist, Ihre Einrichtung zu schließen.“ Mit diesen Worten hat Stadtratsvorsitzender Gerhard Gansewig auf Jeetzer Redebeiträge während der Einwohnerfragestunde am Donnerstagabend reagiert.

Dazu war nämlich eine große Abordnung der Kita, bestehend aus Erziehern, Eltern, Fördervereinsmitgliedern und Kooperationspartnern, erschienen, um ihre Angst zum Ausdruck zu bringen, die Stadt könnte die Einrichtung über kurz oder lang aufgeben, zumal sie „seit Jahren nicht mehr in die Kita investiert“ habe, wie Kuratoriumsmitglied Katja Reinecke sagte. Hauptgrund der Befürchtung ist aber, dass sich mehrere kommunale Ausschüsse das „Knirpsenland“ Jeetze im Dezember angesehen hatten. Doch statt sich dort dazu zu verständigen, Stark-V-Fördermittel in die Hand zu nehmen, um das bestehende Raumproblem in den Griff zu bekommen, war dann vorgeschlagen worden, die Jeetzer Hortkinder nach Brunau auszulagern. Denn dort gibt es genügend Raumpotenzial. „Aber das Verfahren ist noch völlig offen. Der Stadtrat befindet sich nach wie vor auf der Suche nach einer Lösung, mit der alle Beteiligten leben könnten“, betonte Bürgermeister Karsten Ruth am Donnerstagabend.

Zahl der Kinder als Stellschraube

Zuvor hatte Jeetzes Kita-Leiterin Sigrun Mösenthin vorgetragen, dass das pädagogische Konzept der Einrichtung auf drei Säulen fuße. Und dazu gehöre auch die Betreuung der Hortkinder. „Viele Eltern entscheiden sich genau deshalb für unsere Kita“, so deren Chefin. Zudem sei das „Knirpsenland“ „das Herzstück von Jeetze“. Es gebe zahlreiche Aktivitäten, die von dort ausgehen und die das Dorfleben bereichern würden. „Vielleicht sollte man auch mal über ein Mehr-Generationen-Haus nachdenken“, meinte Ingrid Behfeld von der Jeetzer Ortsgruppe der Volkssolidarität, die ein wichtiger Kooperationspartner der Kita ist.

Aktuell werden dort laut Sigrun Mösenthin 15 Krippen-, 25 Kindergarten- und 15 Hortkinder aus insgesamt 13 Orten betreut. „Wir sind zu 100 Prozent ausgelastet“, so die Kita-Leiterin. „Aber die Anzahl der Kinder ist zurzeit die einzige Stellschraube, die wir haben, um das Raumproblem zu lösen“, so der Bürgermeister. Geld in Größenordnungen in die Jeetzer Kita zu investieren, halte er wegen der schlechten Bausubstanz schlichtweg „für nicht vertretbar“, betonte er.

Allerdings könnten die Jeetzer auch sehr gut mit einem Neubau leben. Doch stehen dafür aktuell keine ausreichenden Mittel mehr aus dem Stark-V-Programm oder aus anderen Fördertöpfen zur Verfügung. Der Bürgermeister empfahl, das Thema noch einmal während einer Sozialausschuss-Sitzung zu vertiefen.

Brunau auch Schulstandort

Nachdem die Abordnung aus Jeetze den Rathaussaal verlassen hatte, machte Stadträtin Melissa Schmidt unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen“ deutlich, dass sie sich etwas überfallen gefühlt habe. Sie erinnerte daran, dass während der Kita-Besichtigung im Dezember, an der Sozial-, Bau- und Finanzausschuss-Mitglieder und somit große Teile des Stadtrates teilgenommen hätten, „Einigkeit darüber“ geherrscht hätte, dass in den verwinkelten Bau nicht groß investiert werden sollte. Außerdem sei Brunau ja auch der Grundschulstandort. Die dortige Unterbringung der Hortkinder sei also zu rechtfertigen.