Corinna Köbele warb am Gewerbestammtisch für ihre Idee von der "Künstlerstadt" / Vereinsgründung am 7. März

"Ich brauche viele Mitstreiter und Mitdenker"

Von Conny Kaiser

Die Idee, Kalbe zur Künstlerstadt zu entwickeln, nimmt immer konkretere Formen an. Am 7. März soll in den "Ratsstuben" ein Trägerverein gegründet werden, informierte Initiatorin Corinna Köbele am Mittwochabend am Gewerbestammtisch.

Kalbe l "Ich hatte eben Tränen in den Augen", sagt einer der Kalbenser Gewerbetreibenden zu Corinna Köbele. Die hat gerade ihre Ausführungen zum Projekt "Künstlerstadt" beendet. Zu einer solchen möchte sie Kalbe nämlich entwickeln - aber natürlich nicht allein.

"Ich brauche viele Mitstreiter und Mitdenker", wirbt die 50-Jährige am Gewerbestammtisch um Unterstützung. Sie selbst hat bereits umfangreiche Vorarbeit geleistet, hat ein Konzept erstellt, mit Vertretern der Stadt und des Kultusministeriums, aber auch mit potenziellen Geldgebern gesprochen. "Ich weiß, das Ganze klingt steil, vielleicht ein bisschen arrogant. Aber wenn man Visionen hat, weiß man, wohin man läuft", sagt Corinna Köbele.

Schon am 7. März möchte sie einen gemeinnützigen Trägerverein für das Projekt "Künstlerstadt" ins Leben rufen, der dann irgendwann auch von einer hauptamtlichen Arbeitskraft geführt werden soll. Denn Köbele selbst möchte ihren Beruf als psychologische Psychotherapeutin mit eigener Praxis keinesfalls aufgeben.

Eines der ersten Vorhaben, das der Verein umzusetzen hätte, wäre die Vorbereitung und Begleitung des Sommercampus 2013. In dessen Rahmen sollen "25 bis 100 Studenten verschiedener Kunstrichtungen", so Köbele, nach Kalbe kommen und dort zwei Monate leben und arbeiten. Weil sie in ungenutztem Wohnraum untergebracht werden sollen, erfolgt nun eine Erfassung des Leerstandes. Die Initiatorin wird dabei von Kerstin Eichenberg unterstützt (siehe Info-Kasten). Und weil dann in den Wohnungen wenigstens das Nötigste an Mobiliar vorhanden sein müsste, soll auch dieses nun zusammengetragen und bis zum Sommercampus zwischengelagert werden. Corinna Köbele hofft, dass sich jemand findet, der diese Sammlung ehrenamtlich koordiniert. Er kann sich bei ihr unter der Rufnummer (039080) 2959 melden. Und sie sagt: "Es sind bereits Quellen angezapft, damit die Unkosten", die beim Sommercampus zum Beispiel durch Wasser- oder Stromverbrauch entstünden, "gedeckt werden können".

Erstes Ziel sei es, den Studenten in Kalbe eine Plattform zu bieten und ihre Arbeiten vielleicht schon im Zuge des diesjährigen Burgfestes zu präsentieren. Der Sommercampus soll dann jedes Jahr wiederholt werden. Nach und nach sollen auch immer mehr leere Gebäude wie zum Beispiel das alte Gericht oder die frühere Brauerei reaktiviert und zu Kulturstätten umgestaltet werden.

Köbeles Idee, Kalbe zur Künstlerstadt zu entwickeln, und dabei "Fülle in die Hülle" zu bringen, ist in Österreich entstanden. Dort nämlich gibt es die Künstlerstadt Gmünd, die von der Größe her mit Kalbe vergleichbar ist und einst dieselben strukturellen Probleme hatte. Inzwischen sei Kulturtourismus dort ein boomender Wirtschaftsfaktor, wie Corinna Köbele aus eigenem Erleben und aus intensiven Gesprächen vor Ort weiß. Die Erfahrungen, die sie in Gmünd gemacht hat, hat die Wahl-Kalbenserin mit in die Altmark genommen und möchte sie nun auch hier umsetzen. Die Gewerbetreibenden haben ihr jedenfalls Unterstützung zugesichert.