Gardelegen l Auf dem Gelände des Adrome-Wohnheimes Sonnenweg am Buschhorstweg in Gardelegen sah es vor einigen Tagen etwas anders aus. Ein großes Festzelt war aufgebaut, ein Getränkewagen stand bereit, und zahlreiche Besucher strömten aufs Gelände. Das hatte einen schönen Grund. Denn die Einrichtung, in die der 30 Frauen und Männer betreut werden können, konnte ihren 20. Jahrestag begehen. Bei einem Ehepaar würde man sagen, dass sie Porzellan-Hochzeit feiern würden, erklärte Hausleiter Heiko Müller.

Auch Gründungsmitglieder der Vereines vor Ort

Unter den zahlreichen Gästen waren neben Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig, Wobau-Chef Wolfgang Oelze, SPD-Landtagsabgeordneter Jürgen Barth und Vertreter von Institutionen, Einrichtungen wie in Uchtspringe, Haldensleben und Sangerhausen, Behörden, Ämtern und Firmen, mit denen der Verein zusammenarbeitet. Mit dabei waren auch zwei Männer der erste Stunde: die Gründungsmitglieder des Adrome-Suchthilfevereines, den ehemaligen Polvitzer Heimleiter Ulrich Schulz, der diesem nach dem ersten Vorsitzenden (Pfarrer Johannes Eisele) von 1999 bis 2005 vorstand, und Ex-Landrat Wilfried Wisse. Der Verein wurde am 30. November 1995 aus der Taufe gehoben.

Bis 1999 waren am Buschhorstweg drei Wohnhäuser entstanden, blickte Detlef Reps zurück, der die Geschäftsführung 2004 übernahm. 2005 kam ein viertes Gebäude hinzu, das Spuk-Haus genannt wird. Dabei steht die Abkürzung für Sport, Spiel und Kreativität. 2010 wurde zudem ein Multifunktionsgebäude errichtet, in der die Holz- und normale Werkstatt eingerichtet wurde und das als einziges Gebäude unterkellert ist, um Lagerraum zu schaffen. Denn das Wohnheim Sonnenweg ist immer zu 98 Prozent belegt, wobei die älteren Bewohner meist länger als die jüngeren bleiben. Frauen sind laut Reps zumeist weniger darunter, die meist gegen Medikamentensucht kämpfen. Im Schnitt sind es vier bis fünf. Bei den Männern liegt die Abhängigkeit mehr bei Alkohol und Drogenmissbrauch.

Der Aufenthalt ist stets freiwillig

Der Aufenthalt sei freiwillig und immer im Anschluss einer zehn- bis vierzehntägigen Entgiftung oder einer drei- bis sechsmonatigen Langzeittherapie, erklärte der Geschäftsführer. Der Kontakt gehe immer von den zukünftigen Betreuten aus, die von der Adrome-Einrichtung in Gardelegen gehört haben, sie im Internet fanden oder von den Sozialarbeitern, die auf die Einrichtung hingewiesen wurden. Der Interessent stellt sich in der Einrichtung vor und besichtigt diese. Ein Gespräch wird geführt. Im Anschluss entscheidet der Interessent. Zumeist ist der Aufenthalt eine einmalige Sache. Diejenigen, die rückfällig wurden, werden normalerweise nicht wieder aufgenommen, weil sie den Heimablauf schon kennen. Es gibt aber laut Reps wenige Ausnahmen.

Neben dem Wohnheim Sonnenweg am Gardelegener Buschhorstweg betreibt der Suchthilfeverein auch noch das Wohnheim in Siems mit 43 Plätzen, in dem meisten die Älteren wohnen – darunter derzeit zwei Frauen –, das betreute Wohnen in Gardelegen sowie die Tagesstätte „Die Brücke“ und den Bauernhof in Ziepel. Insgesamt gibt es 36 Mitarbeiter – von den Fachkräften, über die Nachtwachen bis zu Hauswirtschaftskräften. Und sie alle – die rund 100 Bewohner der Heime und Betreuten sowie die Mitarbeiter – waren natürlich auch zum großen Jubiläumsfest an den Buschhorstweg gekommen. Reps hob vor allem die sehr gute Zusammenarbeit der Mitarbeiter hervor, was auch bei der Festvorbereitung spürbar war. Stellvertretend für alle bedankte er sich bei Bettina Beißert für die Festvorbereitung, bei Sandra Joite, die trotz Erziehungsjahr die ehrenamtliche Mitarbeitervertretung übernommen hat, und Elfi Wolters, der er für ihre Unterstützung in der Übergangszeit 2004 dankte. Dafür rief er sie nach vorn.

Lief nicht immer in geordneten Bahnen

Denn nicht immer sei es in so geordneten Bahnen wie in den vergangenen 15 Jahren gelaufen. Es habe auch schwere Zeiten gegeben, verhehlte Detlef Reps nicht. Die Jahre 2003 und 2004, in dem Jahr übernahm er die Geschäftsführung und holte Heiko Müller aus dem Wohnheim Siems als Hausleiter nach Gardelegen in den Sonnenweg, seien von Querelen und Ungereimtheiten in der Führungsetage geprägt gewesen. Doch das sei, so Reps, überwunden.