Kalbe l „Dank Ihrer Unterstützung kann die Chronik nun auch den jüngeren Generationen zugänglich gemacht werden“, sagt Ortswehrleiter Ramón Rulff mit Blick auf Bernhard Schulze. Der Kalbenser, der demnächst 85. Geburtstag feiert, hat der Feuerwehr seiner Heimatstadt schon jetzt eines der schönsten Geschenke zu ihrem 130-jährigen Bestehen gemacht, das eigentlich erst im Juni gefeiert wird. Er hat ihre alte Chronik beziehungsweise das, was davon erhalten ist, aus dem Altdeutschen übersetzt.

„Am 24. Januar 2018 haben wir damit angefangen“, sagt Bernhard Schulze und schaut dabei seine Nachbarin Renate Pauls an, die mit dieser ungewöhnlichen Bitte an ihn herangetreten war. Ihr ist es zu verdanken, dass die Kalbenser Feuerwehr ein eigenes kleines Museum hat, in dem sich auch das eine oder andere Stück aus dem Besitz von Bernhard Schulze befindet. Denn dessen Vater war einst ebenfalls engagierter Brandbekämpfer und hat dem Sohn so manche Erinnerung an diese Zeit überlassen, weil der sich wiederum von jeher für Geschichte interessiert hat.

Die alte Feuerwehrchronik, die die Jahre von der Gründung 1889 bis 1953 (die Zeit des Zweiten Weltkrieges fehlt) umfasst, befand sich allerdings einst im Besitz von Brigitte Herrmann aus Bismark. Bei ihr handelte es sich um die Schwiegertochter des früheren Kalbenser Wehrleiters Eberhard Herrmann, die die Aufzeichnungen dann dem Feuerwehrmuseum überließ.

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Nicht nur Renate Pauls empfand die alte Chronik fortan als dessen wohl größten Schatz. Nur gab es eben Schwierigkeiten, deren Schrift zu lesen. Doch Pauls wusste, dass ihr Nachbar sie beherrscht, weil er sie einst noch in der Schule gelernt hatte. Und Bernhard Schulze, Mitbegründer des Kultur- und Heimatvereins und Mitinitiator mehrerer Broschüren zur Regionalgeschichte, ließ sich auch nicht lange bitten. Immer, wenn es seine angeschlagene Gesundheit zuließ, traf er sich mit Renate Pauls und übersetzte die Chronik.

Fragen drängten sich auf

„Aber für mich“, so sagt er, „haben sich auch einige Fragen daraus ergeben.“ So muss es zum Beispiel einst nicht nur eine freiwillige, sondern auch eine Pflichtfeuerwehr in der Stadt gegeben haben, über deren Ausrücke-Ordnung aber kaum etwas bekannt ist. Auch der Standort des Feuerwehr-Gerätehauses vor 1929 –damals entstand die heutige Bausub-stanz an der Schulstraße – sei ein Rätsel. Dasselbe gelte für die Standorte mehrerer großer Vorratsbehälter, die einst für etwaige Brandeinsätze mit Milde-Wasser befüllt gewesen seien.

Laut Renate Pauls existiert bislang auch keine offizielle Feuerwehrchronik für die Zeit von 1953 bis 1999. „Vielleicht schlummert ja irgendwo noch etwas“, hofft Ramón Rulff. Das, was jetzt von Bernhard Schulze übersetzt worden sei, werde auf jeden Fall während der Jubiläumsfeierlichkeiten vom 14. bis 16. Juni einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.