Backhaus Gardelegen

Kampf ums Backhaus: Bürgerinitiative bittet Haseloff zum Termin

Von Cornelia Ahlfeld
Das Gardelegener Backhaus, hier im Winter, bleibt ein umstrittenes Thema.
Das Gardelegener Backhaus, hier im Winter, bleibt ein umstrittenes Thema. Cornelia Ahlfeld

Gardelegen

Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet das Backhaus“ hat jetzt in ihrem Bemühen um den Erhalt des mittelalterlichen Gebäudes einen Brief an Ministerpräsidenten Reiner Haseloff geschrieben und ihn zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen, teilte Thomas Kirchhoff von der BI mit. Eine Urgroßtante seiner Familie habe ihren Lebensabend im Großen Hospital verbracht. Seine Vorfahren hätten die Stiftung als Eigentümerin des Hospitals immer unterstützt. „Das für Sachsen-Anhalt einzigartige Ensemble liegt mir aus diesem Grunde sehr am Herzen“, heißt es in dem Schreiben. Nach dem „jahrelangen Gezerre um das Back- und Bethaus“ sei die Gründung einer BI zum Erhalt des Gebäudes nur folgerichtig gewesen.

Die BI jedenfalls würde die Abrisspläne seitens der Großen Hospitalstiftung und der Gardelegener Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) nicht hinnehmen und bitte den Ministerpräsidenten um sofortiges Einschreiten. „Es kann doch nicht sein, dass im Hinterzimmer ein Städtebauvertrag zwischen Stiftung, Wobau und Kreis verhandelt wird, um einen Abriss vorbei an der Öffentlichkeit zu legalisieren. Und Sie als oberster Landesherr sehen zu, dass aus einem über 500 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäudekomplex einfach ein geschichtlich dazu gehörendes Gebäude entnommen wird. Greifen Sie bitte ein“, fordert Kirchhoff in seinem Brief.

Forderung: „Greifen Sie bitte ein“

„Dieses Gebäude aus der Geschichte unserer ehrwürdigen Hansestadt zugunsten einiger weniger Parkplätze zu löschen, betrachte ich wie eine moderne Maschinen-Stürmerei, die bekanntlich damals die industrielle Revolution nur verzögert, aber nicht aufgehalten hat“, ergänzte Walter Jakel, Mitglied der Bürgerinitiative. Auch wenn hier privatrechtliches Eigentum vorliege, könne man „dem zu befürchtenden Frevel nicht zusehen“. Er appellierte an alle Beteiligten, sich für den Erhalt „dieses Edelsteins“ einzusetzen.

Das Back- und Bethaus befindet sich im Eigentum der Hospitalstiftung. Ein Abrissantrag wurde vom Kreis bereits am 7. März 2017 genehmigt. Der Stendaler Architekt Lutz Schwarzbrunn kämpft seitdem gegen den Abriss des Gebäudes. Zwei Gerichtsverfahren folgten. Die Klage Schwarzbrunns wurde abgewiesen, da er nicht Eigentümer des Hauses und somit nicht klageberechtigt sei. Die Verfahren hatten für die Abrissgenehmigung eine aufschiebende Wirkung, so dass die Genehmigung noch immer gilt. Das zweifeln die Akteure contra Abriss an.

Wobau will den zweiten Flügel angehen

Die Wobau als Besitzerin des Hospitals hatte vor Jahren den ersten Flügel des Hospitals aufwändig saniert und will nun auch den zweiten Flügel des Großen Hospitals angehen. Das allerdings aber nur, wenn das Backhaus abgerissen wird. Der Stadtrat hatte in seiner Sitzung am 8. März einen Sanierungszuschuss für das Große Hospital von 822?500 Euro bestätigt.

Schwarzbrunn zweifelte den korrekten Ablauf in der Beratung und Abstimmung dazu an und hatte bei der Oberen Kommunalaufsicht eine entsprechende Prüfung beantragt. Die Stadt war daraufhin aufgefordert worden, bis zum 6. April eine Stellungnahme zum Verlauf abzugeben. Darin weist Stadtratsvorsitzender Kai-Michael Neubüser die Vorwürfe zurück. (Volksstimme berichtete). Ein Prüfergebnis durch die Obere Kommunalaufsicht liegt noch nicht vor.