Gardelegen l Tod und Sterben – ein Thema, das in der Gesellschaft oft verdrängt wird. Seit 20 Jahren gibt es die Hospizarbeit in Stendal und seit einigen Jahren auch in Gardelegen in Trägerschaft der Stiftung „Adelberdt Diakonissen Mutterhaus“, die sich bislang jedoch fast ausschließlich um die Begleitung Erwachsener auf ihrem letzten Weg gekümmert hat. Zum 1. April dieses Jahres nahm nun der ambulante Kinderhospizdienst Altmark seine Arbeit auf.

Die Mitarbeiter wollen sich um schwerkranke Kinder, aber auch um deren Familien und die gesunden Geschwister kümmern. Ein Kind ist bereits in Betreuung der Gardeleger Helfer, mit einer weiteren Familie haben die Gespräche begonnen. Pfarrer Ulrich Paulsen rechnet damit, dass voraussichtlich etwa fünf bis sechs Mädchen und Jungen pro Jahr betreut werden. Bisher hatte dies in der Altmark ein Kinderhospizdienst aus Wolfsburg übernommen, vereinzelt wurden Kinder auch bereits von den Gardelegern begleitet.

Zusätzliche Ausbildung erforderlich

Die Arbeit mit schwerst mehrfachbehinderten oder an Krebs erkrankten Kindern wird sicher einige andere Anforderungen stellen als die Begleitung lebensbedrohlich erkrankter Erwachsener. Dennoch wird sich die Gruppe der ehrenamtlichen Helfer aus den erfahrenen Sterbebegleitern rekrutieren, die bisher nur Erwachsene betreut haben. Sie erhalten hierfür spezielle Schulungen.

Eine, die die Zusatzqualifikation bereits erworben hat, ist Kathleen Tanger. Die 33-jährige Apenburgerin wird nun als Hauptamtliche die Koordination übernehmen. Die ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin (Krankenschwester) war zunächst in Hamburg in einem Krankenhaus tätig, hat sich schon bald nach ihrer Ausbildung für Palliativmedizin interessiert und eine Zusatzqualifikation zur Palliativ-Care-Kraft erworben.Für den neuen Aufgabenbereich hat sie nun am 29. März eine Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen. Zu den Kursinhalten gehörten medizinische Aspekte und typische Krankheitsbilder, aber auch Wissen über Trauerarbeit und darüber, wie man eine Familie als System begreifen kann. Eine Zusatzausbildung, die nun auch auf die ehrenamtlichen Mitarbeiter zukommt. Sieben Frauen und Männer aus dem Bereich Gardelegen und sieben weitere aus Stendal, die bereits in der Hospizarbeit tätig sind, haben sich für den Kurs angemeldet. Er beginnt im Mai und endet im September.

Eltern und Geschwister im Blick

Zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich zu dem Kurs angemeldet haben, gehören Gernot Oppermann und Christine Lembke. Beide sind seit einem Jahr in der Hospizarbeit für Erwachsene engagiert. Gernot Oppermann war in der Kunststoffbranche tätig und möchte nach seinem Berufsleben noch etwas Sinnvolles tun. Eine ähnliche Motivation bringt auch Christine Lembke mit, die mehr als 40 Jahre im Gesundheitswesen gearbeitet hat, zuletzt in einer Kinderklinik. Als ihre Mutter vor einigen Jahren im Stendaler Hospiz starb, stand der Entschluss fest, sich in der Hospizarbeit zu engagieren.

Die Helfer werden, anders als bei den Erwachsenen, oft über längere Zeit mit einem Kind und dessen Angehörigen zusammenarbeiten. Großen Wert legen die Betreuer darauf, auch die Eltern und die gesunden Geschwister im Blick zu haben. Brüder und Schwestern erkrankter Kinder würden oft „hinten runterfallen“, wie Kathleen Tanger in Erinnerung ruft. Auch Eltern, die pro Woche einfach einmal einen Abend freigestellt werden möchten, um beispielsweise ins Kino gehen zu können, würden vom Besuch der Betreuer profitieren. Der ambulante Hospizdienst Gardelegen hat sein Büro im Johanniterhaus Pfarrer Franz, Ernst-Thälmann-Straße 4-6 in Gardelegen. Er ist telefonisch unter 03907/779 60 20 erreichbar. Derzeit gibt es in Gardelegen mehr als 30 aktive Sterbebegleiter. In Stendal sind mehr als 60 Männer und Frauen ehrenamtlich mit dabei.