Karritz l Für das Kirchspiel Neuendorf-Karritz, das derzeit keinen Gemeindekirchenrat vorweisen kann, gibt es eine Option: Die Fusion mit dem benachbarten Kirchspiel Berkau-Wartenberg. Michael Kleemann, Superintendent des Kirchenkreises Stendal, zu dem beide Kirchspiele gehören, und Michael Schuft, Pfarrer des Pfarrbereiches Garlipp-Poritz, dem Karritz und Neuendorf zugehörig sind, stellten diese vor kürzlich den Karritzern während einer Versammlung vor. 17 Interessenten nahmen teil.

Wie Kleemann berichtete, zeige sich der Gemeindekirchenrat Berkau-Wartenberg bereit, die Fusion einzugehen. Dennoch müssten sich in Karritz Verantwortliche finden, die nach einem Sterbefall die Grabstelle auf dem Friedhof zuteilen oder vor Gottesdiensten die Kirche säubern würden.

Dorf muss hinter Kirche stehen

Die Verteilung der Grabstelle übernimmt derzeit Pfarrer Schuft. Ist er im Urlaub, können keine Grabstellen vergeben werden. Ohne Gemeindekirchenrat kümmert sich der Superintendent um die Kirchenbelange des Ortes. Dies könne vorübergehend so gehandhabt werden. Eine Dauerlösung könne das aber nicht sein, wie Kleemann deutlich machte. Als Superintendent unterstehen ihm im Kirchenkreis Stendal 250 Kirchen. Auch Michael Schuft könne sich nicht um die Kirche Karritz kümmern. In seinem Pfarrbereich gibt es insgesamt 13 Dorfkirchen. „Es ist nicht Aufgabe des Pfarrers, diese in Ordnung zu halten“, stellte Kleemann klar. Und fügte hinzu: „Die Kirche steht im Dorf, aber das Dorf muss auch hinter seiner Kirche stehen.“

Klar ist also damit, sollte die Fusion zustande kommen, müssten sich Karritzer bereit-erklären, die genannten Aufgaben zu übernehmen. „Denn aus Berkau wird keiner kommen und die Karritzer Kirche putzen“, so Kleemann. Es könnten auch mehrere Einwohner diese Aufgaben übernehmen. Diese müssten auch nicht zwingend kirchlich sein.

Schließung des Friedhofs

Aber was passiert, wenn sich keine Verantwortlichen finden und somit die Fusion nicht zustande kommt? Kleemann erläuterte das Szenario: In diesem Fall müsse der Friedhof Karritz geschlossen werden. Bestehende Grabstellen hätten je nach Liegezeit Bestandsschutz. Allerdings seien dann dort keine neuen Bestattungen mehr möglich. Nach einem Sterbefall müssten Angehörige sich an die Kommune, also die Einheitsgemeinde Kalbe, wenden, die einen kommunalen Friedhof vorhalte. Die Kommune weise dann dort die Grabstelle zu.

Thomas Kusch, der in Karritz als Löschgruppenführer fungiert, könnte sich vorstellen, Aufgaben zu übernehmen, auch mit Unterstützung der Feuerwehr. Dies habe er in der Vergangenheit bereits getan, allerdings habe es Probleme in der Kommunikation mit Neuendorf am Damm gegeben, wie er sagte. Auch weitere Einwohner würden sich beteiligen, wie sie beim Treffen zu verstehen gaben. Kleemann riet, den Zwist aus der Vergangenheit mit dem Nachbarort außen vor zu lassen und nach vorn zu schauen. Für die Übernahme der Aufgaben brauche es eine „Form von Verbindlichkeit“. Zwei Wochen haben die Karritzer nun Zeit, um die Aufgaben aufzuteilen. Danach werde Kleemann ein Signal ans Kirchspiel Berkau-Wartenberg geben, hieß es.

Keine Kandidaten

Zum Hintergrund: Im Oktober 2019 waren Gemeindekirchenratswahlen erfolgt. Für Karritz hatte es keine Kandidaten gegeben. Somit war auch für das Kirchspiel Neuendorf-Karritz kein Gemeindekirchenrat zustande gekommen. Bislang waren für das Kirchspiel aus beiden Orten vier Kandidaten gestellt worden.