Gardelegen l Das ist schon ein bisschen eklig, was sich da so ansammelt in den Containern im Rechengebäude. Die Geruchsbelästigung ist enorm. Der Laie braucht wahrscheinlich Atemschutz, um dort länger zu verweilen. Das Rechengebäude befindet sich auf einer Anhöhe auf dem Gelände des Gardelegener Klärwerkes. In diesem Gebäude sind zwei Rechenanlagen installiert, die alles das rausfiltern, was nicht ins Schmutzwasser gehört. Und die Fachleute können auch gleich mit einem Blick auf die stinkende Masse sagen, um was es sich da unter anderem handelt. „Binden, Pariser, Plastikmüll, Feuchttücher“, zählen Karsten Scholz, technischer Leiter im Wasserverband, und Schmutzwassermeister Sebastian Kauer bei einem Vor-Ort-Termin mit der Volksstimme auf. Andere Verbände schlagen Alarm, dass es in der Corona-Krise mit Hamsterkäufen von Klopapier und Feuchttüchern verstärkt zu Verstopfungen von Abwasseranlagen kommt. „Für uns können wir eine coronabedingte Zunahme von Verstopfungen nicht bestätigen“, sagt Scholz.

Weitere Probleme

Das sei vielmehr ein Problem, das immer wieder auftritt im Bereich des Gardelegener Wasserverbandes. Grundlegend könne man feststellen, dass insbesondere Feuchttücher und Hygieneartikel in der Kanalisation und vor allem bei den Abwasserpumpwerken immer wieder für technische Probleme sorgen. Toilettenpapier weiche im Kanal auf und werde über den Transportweg kleinfaserig zerrieben. Nicht aber Feuchttücher, Hygieneartikel und Einweglappen, die häufig in der Pflege verwendet werden. Diese Dinge besitzen eine festere, teils textile Struktur. Dadurch würden sie in der Regel nicht aufweichen. „Man begegnet diesem Problem mit sogenannten Schneidradpumpen, die aber aufgrund der Struktur nicht immer damit klar kommen. Es bilden sich dann meist sehr festsitzende Verstopfungen, die zum Ausfall der Pumpe führen“, erläutert Scholz. Und die müssten dann aufwändig gereinigt werden.

„Man muss mit dem Kran hin, die Pumpe rausholen, zerlegen, reinigen, wieder zusammenbauen und einsetzen“, schildert Kauer den Aufwand, der nicht unbedingt nötig wäre, wenn nicht Dinge über die Toiletten entsorgt würden, die da nicht hineingehören.

Fette über Kanalisation entsorgt

126 Schmutzwasserpumpwerke gebe es im Verbandsgebiet. Die seien jeweils mit zwei Pumpen ausgerüstet für den Fall, dass eine Pumpe ausfällt, die Entsorgung dennoch gewährleisten zu können. Die Technik wird fernüberwacht. Vor kurzem erst waren die Kanalnetzmitarbeiter in Engersen im Einsatz, um eine Pumpe zu reinigen.

Auch Fette, entsorgt über die Kanalisation, seien ein großes Problem. „Da hat einer zum Beispiel mal den Inhalt seiner privaten Fritteuse über die Toilette entsorgt“, erzählt Scholz. Das Fett aber werde kalt und verstopfe die Leitungen. Rausgefiltert wird das Fett auf der Kläranlage in einer Fettkammer. Die müsse regelmäßig gereinigt werden. „Auch das bedeutet wieder einen erhöhten Arbeitsaufwand“, so Kauer.

Ein weiteres Problem in Sachen Verstopfung liegt allerdings auch im Wasserverbrauch allgemein.

„Die Sanitäranlagen sind heute so aufs Wassersparen aufgebaut, dass uns dann das Wasser im Kanal für den Transport der Feststoffe fehlt“, betont Scholz. Auch Trockenperioden seien ein Problem. Bei Wassermangel fehle der Fremdeintrag in den Leitungen. Die Folge: Ablagerungen sammeln sich an. Für den Verband bedeute das zusätzliche Kanalnetzspülungen, so Kauer.

Jeder könne also ein Stück weit dazu beitragen, dass zusätzliche Betriebsaufwendungen reduziert werden können. „Dass also nur über die Toilette entsorgt wird, was dort auch reingehört, und dass auch ordentlich mit Wasser nachgespült wird“, appelliert Kauer an die Einwohner.

Das sogenannte Rechengut, das in der Rechenanlage herausgefiltert wird und dann in den Containern im Rechengebäude landet, müsse auf der Deponie kostenaufwändig entsorgt werden. Somit sei das Ganze nicht zuletzt auch eine Kostenfrage für alle. Denn finanziert werde das vom Gebührenzahler.