Der Wald

Klimaerwärmung: Die Wälder der Altmark verändern sich

Von Stefanie Brandt
Kiefern und Birken prägen vielerorts das Bild in den altmärkischen Wäldern. Die Kiefern kommen mit den Klimabedingungen und den armen Sandböden relativ gut zurecht. An den Birken sieht man in den letzten Jahren vermehrt Schäden. Foto: Stefanie Brandt

Gardelegen

„Ich bin der Wald. Ich bin uralt. Ich hege den Hirsch. Ich hege das Reh. Ich schütz Euch vor Sturm. Ich schütz Euch vor Schnee. Ich wehre dem Frost. Ich wahre die Quelle. Ich hüte die Scholle. Bin immer zur Stelle. Ich bau Euch das Haus. Ich heiz Euch den Herd. Drum ihr Menschen, haltet mich wert.“ Dieses Gedicht, das ein niedersächsisches Forsthaus aus dem 17. Jahrhundert schmückt, hat bis heute nichts an seinem Wahrheitsgehalt eingebüßt.

Die Kiefer dominiert

Wald – auf den armen Böden der Altmark heißt das vor allem Kiefernbäume. „Hier, im Bereich Gardelegen ist die gemeine Waldkiefer der klassische Brotbaum“, weiß Moritz Emme von der Revierförsterei Solpke. Die Kiefer ist relativ anspruchslos, was die Nährstoffversorgung angeht. Die nur geringen Mengen an Niederschlag steckt sie gut weg, ebenso Wärme in begrenztem Umfang. Sie ist eine Heidebaumart. „Die Kiefer ist ein Baum mit Zukunft, ohne den wir hier nicht leben können“, bringt es Emme auf den Punkt.

Bleibt man beim Nadelholz, so sind in den altmärkischen Wäldern auch Lärchen und Douglasien zu finden. „Die Letztgenannten werden in Zukunft immer wichtiger, weil sie wie die Kiefer mit den Bedingungen, die für die Klimaentwicklung vorhergesagt werden, gut zurechtkommen“, betont der Förster.

Die Douglasie passe zwar nicht auf ganz arme Sande, aber mit mittlerer Nährstoffversorgung und nur auf den Sommer begrenzte Trockenheit käme sie zurecht. Verschwinden wird hingegen die Fichte, die bekanntlich große Probleme mit Insekten wie dem Borkenkäfer hat.

Geht es um Laubbäume, so finden sich hier hauptsächlich die drei Eichenarten: Stieleiche, auf normal bis nassem Boden, die Roteiche, die bis auf staunasse und wechselfeuchte Standorte überall wächst, und die Traubeneiche an trockenen Standorten. Der Bergahorn, ein geringer Prozentsatz an Buche, ein bisschen Linde – vor allem in Förderkulturen als Anreicherung am Waldrand und im Bereich des GÜZ als der wohl größte zusammenhängende Lindenwald Europas –, sowie ein geringes Vorkommen an Robinien sorgen für mehr Vielfalt. „Es sind hier zwölf Baumarten in nennenswerten Prozentzahlen zu finden“, nennt Emme eine Zahl.

Douglasien sind die Riesen

Am höchsten wachsen die Douglasien in den altmärkischen Himmel – und das auch noch relativ zügig. „30 Meter sind auf jeden Fall im Rahmen des Machbaren.“ Für weitere Superlative sorgen die Eichen mit einem Stammdurchmesser bis über 1,20 Meter und ihrem Alter.

In Zichtau steht die bekannte 1000-jährige Eiche, auch wenn diese nicht mehr lebt. „Aber so 400 Jahre alt werden die hier schon. Es kommt darauf an, an welchem Standort der Baum steht“, weiß der Förster, der auch gleich das Zielalter für die Eichen benennt, in dem diese am besten geerntet werden: „Das ist so nach 160 bis 200 Jahren erreicht. Wenn man Eichen pflanzt, sind die ersten, die etwas davon haben, die Urenkel, und die letzten, die etwas davon haben, die Urenkel der Urenkel.“

Prachtkäfer, Eichenprozessionsspinner und weitere Schmetterlingsraupen, die das Laub der Eichen fressen, setzen diesen in den letzten Jahren aber vermehrt zu. „Eine Eiche steckt den Kahlfraß ein, zwei Jahre lang weg, dann geht es aber an die Substanz“, so Emme.

Umso wichtiger wäre deshalb eine einigermaßen konstante Wasserversorgung. „Die Feuchte muss bleiben. Es ist eine Katastrophe, wenn der Wasserstand jede Woche eine andere Höhe hat. Es gibt Bäume wie die Roterle, die haben auch Wurzeln, mit denen sie Luft aufnehmen. Wenn die unter Wasser stehen, gibt das Fäulnis.“

Ein Baum für den Teich

Den Erlen im Drömling würde es noch ganz gut gehen, aber wechselnde Wasserstände machen auch ihnen Probleme. „Wenn es trockener wird, werden sie als viel Wasser benötigende Baumart immer kleiner“, so Emme. Die Erlen, die zu den Birkengewächsen zählen, seien eine besonders schöne Baumart für die Natur, forstwirtschaftlich sei der Markt aber klein, informiert der Förster.

Einige Baumarten sind schon fast komplett verschwunden. Ein Anpflanzen lohnt sich auch kaum, da nur die wenigsten durchkommen. Das Ulmensterben und das Eschentriebsterben haben einen Pilz als Ursache. Vielleicht ein Prozent der Bäume sei resistent, das müsse sich aber erst noch herauskristallisieren, weiß der Fachmann. „Die Flatterulme braucht außerdem platschnasse Standorte. Die muss man dann quasi direkt in den Gartenteich pflanzen.“ Die Fichte hat durch trockene Sommer und Borkenkäfer ebenfalls keine Zukunft. „Die fehlt uns. Das war immer gutes Holz, das gute Erträge brachte.“

Bitte keine Feuer

In Anbetracht der Probleme, mit denen der Wald schon aufgrund der klimatischen Veränderungen zu kämpfen hat, richtet der Förster noch einen dringenden Appell an Waldbesucher: „Das Waldbrandrisiko wird immer größer. Selbst jetzt ist viel altes, trockenes Gras da. Im letzten Jahr habe ich jemanden gesehen, der bei Waldbrandstufe 4 seinen Aschenbecher im Wald ausgekippt hat. Dabei reicht schon ein heißer Katalysator vom Auto, um das Gras zu entzünden. Deshalb die Bitte, lieber außerhalb des Waldes oder auf den Wegen zu parken und keinesfalls im Wald Feuer zu entzünden.“