Gardelegen l „Eine tolle Aktion. Ich bilde mir ein, in den Bildern die Gefühle der Gefangenen zu erkennen. Schön, dass sie diese Möglichkeit in der Justizvollzugsanstallt nutzen.“ Das waren nur einige von vielen Meinungen, die Gardelegener in den zurückliegenden eineinhalb Monaten in der Sparkasse an der Bismarker Straße abgegeben haben. Zuvor hatten sie die Möglichkeit, eine Ausstellung zu besichtigen.

Das Besondere daran: Die Hobby-Künstler, deren Werke bis zum 13. März zu sehen waren, sind alle in Justiz- oder Maßregelvollzugsanstalten inhaftiert und haben an einem Kunstwettbewerb teilgenommen.

Seit 22 Jahren rufe der Landesverband für Kriminalprävention und Resozialisierung Häftlinge und Patienten der Anstalten auf, sich daran zu beteiligen, hatte Jennifer Schmidt, die im Verband als Projektleiterin tätig ist, bereits während der Ausstellungseröffnung Ende Januar erklärt. Ziel sei es gewesen, dass sich die Kunden in die Situation der Inhaftierten versetzen können. Sie hatten dann auch die Möglichkeit, ihre Gedanken und Eindrücke, die sie beim Betrachten der Kunstwerke sammeln konnten, niederzuschreiben. „Es sind wirklich sehr viele positive Meinungen zusammengekommen, die zeigen, dass die Bilder und Kunstwerke der Häftlinge sehr gut angekommen sind“, freute sich Petra Fraaß, die die Ausstellung zusammen mit dem Sparkassen-Team organisiert hatte und im Jugendförderungszentrum Gardelegen für die Konflikt- und Schlichtungsberatung im Täter-Opfer-Ausgleich als Mediatorin tätig ist.

Bilder

Sehr erfreut zeigte sich auch Claudia Dittrich. Die stellvertretende Filialleiterin an der Bismarker Straße konnte in den zurückliegenden Wochen sehen, dass die Ausstellung, bei der 20 gemalte Bilder, geschriebene Gedichte oder erschaffene Kunstwerke betrachtet werden konnten, sehr gut besucht worden ist.

Die Familie ist wichtig

„Einige unserer Kunden haben auch ihre Meinung niedergeschrieben“, erklärte sie am Freitagvormittag während der Auswertung der Ausstellung, die mit dem Motto „Das Wichtigste im Leben“ gezeigt worden war.

Demnach war deutlich zu erkennen, dass für viele Teilnehmer sowohl die Familie als auch der Kontakt zu Freunden das wichtigste im Leben ist. Einige wiederum sahen in den Bildern, dass die Häftlinge ihre Fehler bereuen und daraufhin in ihren Werken diese Fehler gestehen und somit vielleicht verarbeiten konnten. „Mit der Ausstellung sollte gezeigt werden, dass es Menschen wie wir sind, die dort ein Bild zu dem Thema gemalt haben“, hieß es.

„Sie haben einen Fehler gemacht, den sie mit Sicherheit bereuen“, verdeutlichte Petra Fraaß. Unterstützt wurde sie auch von Annemarie Thimm aus Gardelegen, die im Jugendförderungszentrum im Zentrum für Entlassungshilfe, Beratung, Resozialisierung und in der Anlaufstelle zur Vermittlung gemeinnütziger Arbeit tätig ist.

Wenn auch teils kunterbunte Farben für die Werke verwendet wurden, strahlten doch nur wenige von ihnen Fröhlichkeit aus.

Es war mehr die Sehnsucht nach Freiheit, nach einem Wiedersehen mit den Familien und auch oftmals Reue, die viele der gemalten und anders kreierten Kunstwerke aufzeigten. Daher würden sich die Organisatoren freuen, wenn die Werke, die in diesem Jahr bei dem Wettbewerb prämiert werden, auch wieder in Gardelegen zu sehen sein könnten.