Gardelegen l Bürgernah und transparent ist die Devise – in der kommunalpolitischen Arbeit des neu gewählten Gardelegener Stadtrates sollen neue Wege ausprobiert werden. „Die Bürger müssen nicht unbedingt zu uns ins Rathaus kommen, sondern wir gehen zu den Bürgern“, stellte Bürgermeisterin Mandy Zepig (SPD) erste Überlegungen dazu in der konstituierenden Sitzung des Gardelegener Stadtrates vor. Die Anregungen dazu seien in den Bürgergesprächen, die die Stadt 2018 erstmals initiiert hatte, gekommen. Diese Bürgergespräche sollen auch fortgesetzt werden.

Dass die beratenden Fachausschüsse des Stadtrates mit ihren Sitzungen auch in den Ortsteilen unterwegs sind, sei seit Jahren gängige Praxis. Zumeist werden dann auch gleich Einrichtungen, wie Kita, Schule, Sporthalle oder Grünanlagen, mit besichtigt. Nunmehr soll auch der Stadtrat insgesamt wandern. Es wird in der neuen Legislatur also Stadtratssitzungen in den Ortsteilen geben. Voraussetzung sei natürlich, dass entsprechende Räume vorhanden sind, wie in Letzlingen, Köckte oder Mieste. „Solche Orte werden die ersten sein“, erläuterte Zepig im Nachgang der Ratssitzung.

Eine zweite Neuerung soll ein sogenanntes Speeddating sein. „Die Politik geht zur Bürgerschaft“, so Zepig. Dabei handelt es sich um Gesprächsrunden mit Kommunalpolitikern und auch Verwaltungsmitarbeitern. Die sollen an verschiedenen Tischen stehen. Die Bürger haben dann Gelegenheit, in einem gewissen Zeitrahmen – drei bis fünf Minuten – Fragen zu stellen und natürlich auch Hinweise zu geben. Da Vertreter aller Fraktionen dabei sein sollten, könnten Bürger auch zu einem Thema die Meinungen oder Lösungsvorschläge aller Fraktionsvertreter im Stadtrat erfragen. „Wir wollen damit in Gardelegen und in zwei Ortsteilen anfangen, vielleicht auch als Mischung zwischen den Bürgergesprächen und dem Speeddating“, so Zepig.

Führungen durch die Verwaltung

Ob das alles von den Fraktionen auch gewollt wird, soll jetzt mit den Fraktionsspitzen erst einmal besprochen werden. In der konstituierenden Sitzung des neuen Rates habe es jedenfalls schon mal nach Zustimmung ausgesehen, so Zepig. Diese Runde mit den Fraktionen soll jetzt in der Sommerpause stattfinden, um danach auch direkt damit starten zu können. Darüber hinaus sollen die Fraktionen Gelegenheit haben, alle Verwaltungsmitarbeiter kennenzulernen. Das sei insbesondere für die neuen Stadträte ein Angebot, damit sie wissen, „mit wem sie künftig zu tun haben werden“, so Zepig. Und noch eine Neuerung plant die SPD-Politikerin. Sie will in einer Art Workshop mit den Fraktionen ins Gespräch kommen – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit –, um Visionen für die Zukunft der flächenmäßig drittgrößten Stadt Deutschlands zu entwickeln. „Und zwar ohne mal gleich auf die Kosten und den Haushalt zu gucken“, betonte Zepig.