Gardelegen l Erlebniseinkauf in riesigen Shoppingcentern, Internet und der Discounter auf der grünen Wiese – eine große Herausforderungen für Kommunen, die Attraktivität ihrer Innenstädte zu erhalten. „Im Handelsbereich hat es grundlegende Änderungen gegeben“, konstatierte Holger Schmidt vom Büro für Siedlungserneuerung Dessau mit Professur an der TU Kaiserslautern im Fachgebiet Stadtumbau und Ortserneuerung. Sein Büro hatte gemeinsam mit der Stadtverwaltung zum zweiten Stadtspaziergang eingeladen. Und gut 100 Gardeleger waren gekommen, um sich über die weitere Stadtplanung zu informieren und eigene Ideen und Vorschläge einzubringen. Hintergrund ist die Fortschreibung des Integrierten gemeindlichen Entwicklungskonzeptes (IGEK). Damit hatte die Stadt das Dessauer Büro beauftragt. Die Konzepte müssen, um Fördermittel zu erhalten, etwa aus dem Stadtumbau-Ost-Programm, in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden. Während beim ersten Stadtspaziergang in der vorigen Woche das Quartier OdF-Straße, Bertolt-Brecht-Straße im Fokus der Betrachtungen stand, war es am Dienstagabend das Gebiet Schlüsselkorb und die Innenstadt.

Derzeit noch 50 Geschäfte

Fördergeld gibt es auch, um Geschäfts- und Wohnraumleerstand zu beseitigen. Aus diesem Grund war der Leerstand ein Thema des Rundganges.

„50 Geschäfte haben wir hier noch in der Innenstadt. Das ist noch viel für eine kleine Stadt“, betonte Bürgermeisterin Mandy Zepig. Aber der Leerstand sei auch in Gardelegen ein Problem. Gewünscht werde immer wieder die Ansiedlung von Modegeschäften für junge Leute, wie Pimkie oder Orsay. „Das wird aber leider nichts. Wir sind einwohnermäßig zu klein. Diese Ketten kommen erst in Kommunen mit 25 000 bis 30 000 Einwohnern“, so Zepig. Ein weiteres Problem sei die in der Innenstadt zur Verfügung stehenden Ladengrößen. Die Verkaufsflächen seien zu klein. Dennoch habe Gardelegen eine schöne Innenstadt mit einer schönen Fußgängerzone und mit der „wahrscheinlich kleinsten Eisdiele Sachsen-Anhalts, wo man bis 22 Uhr abends Eis essen kann“, so Zepig schmunzelnd bei der Station am Rathausbrunnen. Den Online-Handel könne die Stadt nicht beseitigen. „Wir können nur im Bereich der weichen Unterstützung unterwegs sein, weil uns die Gebäude nicht gehören und auch nicht gehören werden“, stellte Zepig klar. Um die Innenstadt zu beleben, sei in der Vergangenheit gemeinsam mit vielen Akteuren und dem Gewerbeverein schon viel passiert. Kindertagsfeste, lebendiger Adventskalender, Nikolausaktion, Knospenknall und vieles mehr.

Bilder

Nachfolger fehlen

„Wir können ganz stolz sein auf unsere Stadt“, betonte dann auch Claudia Steffens vom Gewerbeverein. Immer wieder würden Touristen und auswärtige Besucher bewundern und staunend durch die Innenstadt und die Geschäfte gehen. Ein Problem in Sachen Leerstand seien die inhabergeführten Geschäfte und der Altersdurchschnitt. Viele ältere Händler hätten keine Nachfolger. Ein weiteres Problem sei natürlich das Kaufverhalten. „Überdenkt euer Kaufverhalten, besucht unsere Innenstadtgeschäfte. Amazon ist eine Geschichte, aber wir wollen auch existieren, wir zahlen hier schließlich auch Steuern“, betonte Steffens. Ein Erhalt der Innenstadt und des Einzelhandels gehe nur in Gemeinschaft aller, der Händler und der hier wohnenden Menschen.