Zichtau l „Leidenschaften müssen bald vergehen – oder man muss sie vertreiben“ – der Mann, der diese Worte einst in einem Brief schrieb, hieß Johannes Brahms. Gerichtet waren die Zeilen an seine deutlich ältere Freundin Clara Schumann, deren Mann Robert ein Jahr zuvor gestorben war. Wie die beiden bereits zu dessen Lebzeiten zueinander gestanden haben, darüber lässt sich nur spekulieren.

„Aber wer mit wem – das ist alles gar nicht so wichtig. Offenbar waren alle drei mit viel Liebe ausgestattet. Das ist in ihrer Musik zu hören. Und die ist ein Kulturschatz“, meinte Reinhard Seehafer, als er das Publikum in der Orangerie des Gutes Zichtau begrüßte. Es war gekommen, um den „Dreiecksbeziehungen“ zu lauschen. Und bei dieser Veranstaltung der Altmark-Festspiele agierte Seehafer nicht nur als deren Intendant, sondern auch als virtuoser Pianist.

International gefragte Sängerinnen

Als solcher begleitete er die Sopranistin Julia Sophie Wagner aus Leipzig und die Mezzosopranistin Marie-Luise Dreßen, die aktuell am Staatstheater Kassel tätig ist. Beide Sängerinnen, die ihre Vorträge teils solistisch, teils auch gemeinsam gestalteten und damit für pure Begeisterung sorgten, sind auch international sehr gefragt.

In Zichtau widmeten sie sich ausgesuchten Werken aus den Federn des Ehepaares Schumann – auch Clara Schumann war als Komponistin tätig, stand aber in der öffentlichen Wahrnehmung oft im Schatten ihres Gatten – und des gemeinsamen Freundes Johannes Brahms. Musikalisch wurde die Geschichte dieser Dreiecksbeziehung erzählt, zwischenzeitlich immer wieder ergänzt von gesprochenen Texten. Die stammten aus dem gemeinsam geführten Tagebuch des Ehepaares Schumann und aus Briefen von Robert Schumann und Johannes Brahms. Letzterer soll eine Zeit lang in die Frau seines Freundes, den er ebenfalls sehr verehrte, verliebt gewesen sein.

Die Musik war pures Gefühl

Dennoch ließen die vorgetragenen Texte keine Zweifel daran, was Clara und Robert Schumann einander bedeutet haben. Da hieß es zum Beispiel in einem Brief an die Gattin: „Deine Liebe ist mein Leben.“ Und auch die Musik war pures Gefühl.

„Einfach großartig“, meinte nicht nur Philip Rusche, Repräsentant des Gutes Zichtau, angesichts des virtuos vorgetragenen Programmes. „Etwas Besseres finden Sie nicht mal in Berlin.“