Zichtau l Sie warten, die beiden in grauem Hemd und schwarzen Hut, da vorn auf der Bühne. Sie warten auf ... was auch immer. Das Bühnenbild ist spärlich. Und so viel geredet wird auch nicht. Dafür wird gesungen. Tolle Songs, die jeder kennt. Garland Jeffreys „Take me to the Matador“, ist darunter. Oder Chicagos „Inspiration“. Billy Joels „Piano man“ ebenfalls.

Nur die Texte sind anders. Sie sind deutsch. Tabea und Tobias Wollner singen vom Abschiednehmen, vom Streiten, vom Verstehen und Nichtverstehen, vom Weggehen und vom Heimkommen – manchmal auch auf dem langen Weg, so wie in Roger Hogdsons Supertramp-Song „Take the long Way home“ – Nimm den langen Weg nach Haus.“

Wollner-Adaption des Warten auf Godot

Die Texte sind anrührend, manchmal traurig, manchmal aber auch lustig, wenn zum Beispiel aus ABBAs Chikitita, eine gemeine dicke (Chiquita)Banane und aus der Idee sie umzubringen der „Super Trooper“ wird. Was auch immer Wollners aus vielen ihrer persönlichen „Lieblingslieder“ machten: Ihre Adaption von Samuel Becketts Stück „Warten auf Godot“ kommt beim Publikum gut an. Denn es bekommt nicht nur klasse Musik geboten, sondern auch was zum Nachdenken serviert. Und so wird das doch etwas absurde Theaterstück unter ihrer Feder fassbar. Auch für jene, die nicht so auf moderne Dramen und endloses Warten stehen. Denn als Estragon und Wladimir, die beiden Protagonisten des Stückes, verkürzen die Geschwister Wollner die Wartezeit auf wirklich amüsante Weise.

Dabei scheuen sie auch nicht davor zurück, ihr Publikum mal ein bisschen zu verklapsen: „Sie haben sich sehr verändert“, stellt sie zum Beispiel fest. „Wer?“ will er wissen. „Na die da“, sagt sie und deutet nach vorn, „Es sei denn, dass es nicht dieselben sind...“

Ein bunter Reigen an Instrumenten

Ob es dieselben waren, wie in ihren anderen Programmen, kommt natürlich nie heraus. Genauso wenig wie das, auf was – oder wen – die beiden auf der Bühne da eigentlich warten. Dafür gehen sie aber auch nicht, auch wenn sie das noch so gern will: Er: „Wir können nicht.“ Sie: „Warum nicht?“ Er: „Wir warten auf ...“. Sie: „Ah!“ Denn der berühmteste Dialog aus Becketts Stück kommt – ebenfalls in mehrfacher Wiederholung – natürlich auch mehrfach in ihrem Programm vor.

„Warten auf“ ist aber längst nicht nur Theater. Es ist auch echtes Leben. Denn: „Wie wir diese Zeit des Wartens füllen können, liegt nicht immer in unserer Hand. Aber wenn, dann füllen wir diese Zeit mit Dingen, die uns wichtig sind. Wir telefonieren, schreiben Notizen, reden mit anderen Wartenden, stricken, malen oder wir hören Musik“, sagen die beiden Künstler auf ihrer Homepage zum neuen Stück. Und dabei nehmen sie ihr Publikum eben wieder einfach mit.

Urkomische Mimik

Und auch wenn vieles anders ist in „Warten auf ...“, wenn es vielleicht auch nicht so leichte, fröhlich-freche Kost ist, wie „Rios Scherben“, in ihrem „Beatles-Programm“ oder ihrer Hommage an die Wahlheimatstadt Magdeburg ist: „Warten auf ...“ wieder typisch Wollner. Es ist typisch virtuos und typisch überraschend. Und natürlich lässt einen auch diesmal Tabea Wollners urkomische Mimik nicht los, hält sie mit ihrer tiefen Stimme jeden, der zuhört, ganz fest.

Und sie hat jede Menge Instrumente mitgebracht, begleitet ihren Bruder Tobias, der am E-Piano schließlich fast die ganzen Band ist – mit dem Akkordeon, mit dem Xylophon, mit der Blockflöte, mit Schellenring, Trommel oder auf der Kazoo – manchmal auch gleich auf drei Instrumenten. Da geht die Wartezeit – allein schon mal nur instrumental gesehen – ganz schnell vorbei. Viel zu schnell für so manchen.