Schenkenhorst l Wie mag wohl ein italienisches Orgelwerk von Giovanni Morandi (1777-1856) schmecken? Die Gäste des Schenkenhorster Orgelkonzertes können diese Frage beantworten: nach Mandarinenaroma. Denn es gab Bonbons zum Hörerlebnis obendrauf. Und passend zur italienischen Musik eben Mandarinenbonbons. Diese ließen Iris und Carsten Lenz zu Beginn des Konzertes verteilen, „damit Sie nicht während des Konzertes vorsichtig in ihrer Tasche nach einem Bonbon suchen müssen, um es anschließend noch vorsichtiger aus dem raschelnden Papier auszupacken“, sagte Carsten Lenz zum Publikum. Für die geschmackliche Note des Abends sorgten die Darsteller selbst. Und neben Mandarine gab es auch schokogefüllte Bonbons, Kirschherzen und Vollmilchmünzen.

Aber auch sonst war das Orgelkonzert in Schenkenhorst ein ganz besonderes, das sich von anderen Orgelklangerlebnissen weit abhob. Das Publikum hörte unter dem Titel „Die Orgel tanzt“ nicht nur originale Orgeltanzmusik, es konnte auch beim Musizieren des Duos, das vierhändig und vierfüßig die Orgel zum Klingen brachte, zuschauen. Per Live-Videoübertragung der Spielanlage auf eine Leinwand, die im Kirchenschiff angebracht war, erlebten die Zuschauer, wie 20 Finger über die Klaviaturen huschten und vier Füße auf den Pedalen tanzten. Und während bei vielen anderen Orgelkonzerten die Zuschauer hin und wieder die Augen schließen, um sich ganz der Musik hinzugeben, erlebten sie diesmal, wie virtuos die Künstler auf dem Instrument musizierten.

Entführung in ferne Welten

Und nicht nur durch das Zusammenspiel von Hör- und Seherlebnis gestaltete sich der Abend in der Schenkenhorster Kirche eindrucksvoll und lebendig. Das Duo entführte mit seinen Stücken auch in ferne Welten. „Stellen Sie sich ein Schloss der Renaissance vor: Menschen in prachtvollen Kleidern tanzen darin zaghaft zur Musik“, stimmte Carsten Lenz auf Tänze aus der Orgeltabulatur von 1583 ein. Es folgten Stücke aus einem Kloster in der Schweiz, aus dem „Katharinentaler Orgelbuch“, ein Hausorgeltanz „Schottisch D-Dur“, Polka, Blues und zum Abschluss schließlich Geburtstagstänze für Orgel und vier Hände von Carsten Lenz. Unter anderem erklangen dabei Swing, Boogie, Cha Cha Cha, Rumba, Tango und ein Tarantella-Finale.

Bilder

Doch vom Finale zurück zum Auftakt der Veranstaltung. Per Videoaufnahme erläuterte Lenz auch das Instrument selbst. Dabei machte er auf die zahlreichen Verzierungen des Orgelprospektes aufmerksam. Und er gewährte Einblicke ins Orgelinnere. So zeigte er beispielsweise die Vielzahl der unterschiedlich großen Holz- und Metallpfeifen, wobei die größte Holzpfeife fünf Meter hoch ist. Per Videofilm festgehalten, hatte Lenz diese Einblicke bereits bei seinem jüngsten Besuch in Schenkenhorst vor zwei Jahren. „Wir kommen immer wieder gern nach Schenkenhorst, weil es hier so schön ist“, sagte Iris Lenz im Volksstimme-Gespräch. Diesmal war das Orgelduo aus Wiesbaden bereits zum vierten Mal vor Ort. Und gern wird es wiederkommen.