Kalbe l Im Kleinsportzentrum am Rathaus in Kalbe kommen regelmäßig die Mitglieder des Yoga-Kurses zusammen, um gemeinsam ihrem Sport zu frönen. Doch bei ihrer ersten Zusammenkunft im neuen Jahr waren sie ziemlich erschrocken. Statt in der gewohnten, angenehmen Atmosphäre im Sportzentrum standen sie quasi in einem leeren Raum. Es fehlte jegliches Interieur. Wie sich auf Nachfrage bei der Stadt herausstellte, ist das Mietverhältnis durch den Zen-Ryi-Karate-Verein zum Jahresende aufgekündigt worden. Bis dato war dieser Verein Betreiber des Objektes an der Schulstraße.

„Bezüglich des Inventars findet gerade eine rechtliche Auseinandersetzung statt. Die Stadt als Eigentümerin des Kleinsportzentrums hat einstweilig für Ersatz gesorgt. Der Betrieb läuft also grundsätzlich weiter“, teilte Bürgermeister Karsten Ruth auf Anfrage mit. Die Einrichtung wird aktuell von sechs Mietparteien genutzt. Dazu zählen neben Kindereinrichtungen auch Sportgruppen im Kleinkind- wie im Seniorenbereich, aber auch Physio- und Yogakurse. Diese Gruppen werden weiterhin die Räumlichkeiten im Sportzentrum am Rathaus nutzen können.

Seit längerem keine Beiträge bezahlt

Hintergrund der Kündigung des Mietverhältnisses durch den Karateverein ist wohl der Ausschluss des Vereines aus dem Kreissportbund (KSB) Altmark-West. „Wir haben Probleme mit dem Verein. Er hat schon seit längerem keine Beiträge mehr bezahlt“, wie Claudia Constabel, stellvertretende Geschäftsführerin des KSB auf Volksstimme-Nachfrage informierte. Bereits zum Jahreswechsel 2018/2019 reichte der Vorsitzende des Zen-Ryi-Karate-Vereines, Siegfried Laucke, keine Bestandserhebung über Mitgliederzahlen an den KSB weiter. Wenn dies nicht erfolgt, werde laut Satzung des KSB das Ausschlussverfahren eingeleitet, wie Andreas Lenz, Geschäftsführer des KSB, mitteilte. Auf Hinweise und Anschreiben diesbezüglich habe der Verein, der bei seiner letzten Bestandserhebung zum 31. Dezember 2017 noch 37 Mitglieder zählte, nicht reagiert. Bereits für das Jahr 2018 wurden keine Beiträge mehr gezahlt. Somit erfolgte bereits im Frühjahr 2019 der Ausschluss, wie Lenz bestätigte.

Für Anfragen der Volksstimme war der Vereinsvorsitzende bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Energetische Sanierung in 2015

Das Karate- und Kleinsportzentrum in Kalbe war im Januar 2013 im Objekt neben dem Rathaus, in dem sich früher einmal die Stadtbibliothek befand, eröffnet worden. Laucke und seine Mitstreiter hatten dort zuvor zahlreiche Eigenleistungen erbracht.

2015 erfolgte dann eine energetische Sanierung des Objektes. Land, Kreis und Stadt bezuschussten die Maßnahme, die insgesamt ein Investitionsvolumen von 21.533,49 Euro ausmachte. Über den Kreissportbund hatte der Karateverein dafür Fördermittel beim Land Sachsen-Anhalt beantragt. Und diese sind dann auch geflossen. Vom Land gab es eine Förderung in Höhe von 10.750 Euro und vom Kreis in Höhe von 5000 Euro. Die Stadt Kalbe, der das Objekt nach wie vor gehört, beteiligte sich mit einem Eigenanteil von 2000 Euro an den Sanierungsarbeiten. Der Verein selbst musste knapp 3800 Euro Eigenmittel aufbringen. Mit dem Geld sollten Fenster erneuert und das Dach gedämmt werden. Landes-Innenminister Holger Stahlknecht machte sich im Zuge seiner Sommertour 2015 selbst ein Bild davon, wie die Mittel der Landessportförderung in Kalbe eingesetzt worden sind.

Vertrag über 15 Jahre

Um die Fördergelder zu erhalten, musste der Zen-Ryi-Karate-Verein allerdings eine Nachhaltigkeit nachweisen. Dazu wurde der Nutzungsvertrag mit der Stadt Kalbe angepasst. Eine Laufzeit von mindestens 15 Jahren wurde darin verankert. „Außerordentliche Kündigungsrechte bleiben unberührt“, hieß es dazu allerdings in der Beschlussvorlage.