Gardelegen l Sie will ihr Hauptaugenmerk auf gleichwertige Lebensverhältnisse legen, sodass der ländliche Raum in den nächsten Jahren nicht abgehängt wird, will sich dafür einsetzen, dass Kommunen mehr Geld vom Land zugewiesen bekommen, um ihre Regionen weiter lebens- und liebenswert gestalten zu können. Ihr sei außerdem wichtig, dass die Infrastruktur im ländlichen Raum ausgebaut und Stück für Stück erneuert werde, sagt Sandra Hietel. Die 38-Jährige Gardelegener CDU-Stadtverbandsvorsitzende hat sich am Mittwochabend im Ferienpark Zichtau gegen drei Mitbewerber durchgesetzt und tritt nun im Wahlkreis 2 für ihre Partei im Kampf um ein Landtagsdirektmandat an. Zuvor hatten alle Bewerber Gelegenheit, sich kurz persönlich vorzustellen. Hietel konnte dabei offenbar am meisten punkten. Sie entschied den zweiten Wahlgang für sich.

Angetreten war sie gegen Karsten Klingbeil, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Kalbe, Henry Klipp, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Klötze sowie Thomas May, Mitglied des CDU-Ortsverbandes Oebisfelde-Weferlingen.

Erster Wahlgang muss zweimal ausgezählt werde

Mit 57 von 98 gültigen Stimmen – es gab drei ungültige und sechs Enthaltungen – setzte sich Hietel gegen Henry Klipp durch, der 41 Stimmen erhielt. Der zweite Wahlgang musste aber zweimal gestartet und der erste sogar neu ausgezählt werden. Was war passiert?

Erstmals war bei der Kandidatenkür für die Landtagswahl mit Thomas May der CDU-Ortsverband Oebisfelde-Weferlingen bei der Versammlung der hiesigen Christdemokraten vertreten. Hintergrund: Im Dezember 2019 hatte der Landtag ein Gesetz zur neuen Wahlkreiseinteilung verabschiedet. Demnach sind nun die Gemeinden Gardelegen, Kalbe, Klötze, aber eben auch die Gemeinde Oebisfelde-Weferlingen aus dem Landkreis Börde im Wahlkreis 2 vertreten.

Im ersten Wahlgang im Veranstaltungsraum des Ferienparks in Zichtau stimmten die 107 Wahlberechtigten mit 43 Stimmen für Sandra Hietel, 15 Stimmen entfielen auf Karsten Klingbeil, 42 Stimmen auf Henry Klipp sowie 6 Stimmen auf Thomas May.

Entschulding von Peter Fernitz

Nach dem zweiten Wahlgang, bei dem die Mitglieder zwischen Sandra Hietel und Henry Klipp wählen konnten, erklärte jedoch Kreisvorsitzender Peter Fernitz: „Bei Wahlgang 1 gab es Zweifel, dass dieser richtig ausgezählt worden ist.“ Folglich musste die Stimmzählkommission erneut auszählen, wodurch Henry Klipp nur noch 35 anstatt 42 und Thomas May 13 anstatt 6 Stimmen erhielt. „Ich möchte mich im Namen der Stimmzählkommission für diesen Fehler entschuldigen“, erklärte Fernitz. Sichtbar bedient saßen Thomas May und einige seiner Anhänger auf ihren Stühlen.

„Ich habe vergangene Nacht noch einmal alles überprüft. Bei der Wahlveranstaltung ist alles satzungskonform vonstatten gegangen. Am Ende waren es nicht mehr Stimmen, als möglich waren. Leider ist uns beim Auszählen am Mittwoch ein Fehler unterlaufen“, erklärte CDU-Kreisgeschäftsführer Michel Fölbi gestern im Nachgang.

Sandra Hietel hatte indes am Mittwochabend direkt nach der Wahl betont: „Die Anspannung fällt jetzt endlich ab. Ich bin einfach sehr glücklich darüber, das Vertrauen der Parteimitglieder erhalten zu haben.“ Die Diplom-Betriebswirtin ist unter anderem als angestellte Pressesprecherin der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, als Beisitzerin im Landesvorstand der CDU und im Stadtrat von Gardelegen tätig. „Ich weiß, dass ein aufregender Wahlkampf vor uns liegt und die kommenden eineinhalb Jahre sehr spannend werden“, erklärte Hietel, die zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter auf dem Hof ihrer Großeltern in Gardelegen wohnt.

Nicht mehr in den Ring treten wollte am Mittwoch der langjährige CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Harms aus Kötze, der das Direktmandat des Wahlkreises inne hat und seit 2005 die Region im Landtag vertritt. Er nannte persönliche Günde für seine Entscheidung und dass er jetzt jüngeren Parteimitgliedern den Vortritt lassen wolle. Harms ist 56 Jahre alt. Wie er gegenüber der Volksstimme außerdem sagte, werde er dennoch weiterhin tatkräftig für die CDU agieren. In den kommenden knapp anderthalb Jahren bis zur Landtagswahl am 6. Juni 2021 wolle er seine Kraft darauf konzentrieren, noch drei wichtige Themen zu Ende zu bringen: „die Räumung der Bohrschlammgrube Brüchau, die Verankerung umfangreicher Investitionen in der Uni-Klinik Magdeburg und das Zustandekommen eines Haushalts für dieses und fürs nächste Jahr.“