Güssefeld l „Verrückt“ sei ihre Tochter, habe sie kurz gedacht, als sie von deren Idee, von Güssefeld in der Altmark nach Bad Salzuflen in Nordrhein-Westfalen zu reiten, gehört habe. Susanne Seibel erinnert sich noch genau an diesen Moment. Doch dann setzten sie und ihr Mann, der Güssefelder Ortsbürgermeister René Seibel, alles daran, ihre Tochter Lisa-Marleen bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Dass die 23-Jährige ein solches Abenteuer plante, in dem sie aktuell mittendrin ist, das hat nämlich einen triftigen Grund.

Stute Pearl hat eine Phobie

Stute Pearl, der Liebling von Lisa-Marleen Seibel, den die junge Krankenschwester auch an ihrem neuen Wohn- und Arbeitsort Bad Salzuflen nicht missen möchte, hat eine Phobie. Sie betritt keinen Fahrzeuganhänger. Sämtliche Versuche, das Tier auf diese Weise von einem Ort zum anderen zu bringen, sind bislang gescheitert. Also blieb der Besitzerin nur eine Wahl: Sie musste das Pferd nach Bad Salzuflen reiten. Und damit sie dabei nicht allein ist, hat sich ihre Freundin Jessica Pohlmann (21) entschieden, sie mit ihrer Norwegerstute Kalani zu begleiten. Am Donnerstag sind die beiden Frauen am Güssefelder Reiterhof „Dammkrug“, wo Pearl bislang eingestallt war, gestartet.

„Nach dem ersten Tag kann ich sagen: Die Freude, Pearl wieder bei mir zu haben, ist größer als die Angst“, berichtet Lisa-Marleen Seibel der Volksstimme in einer Mail, die sie vom ersten Rastplatz aus geschickt hat. Die Angst war bei der jungen Frau auch deshalb ausgeprägt, weil sie vor sieben Jahren einen schlimmen Reitunfall hatte, bei dem ihr damaliges Pferd von einem Auto tödlich verletzt worden war.

Umso glücklicher sind auch ihre Eltern darüber, dass sie von ihrer Freundin begleitet wird. Kennen gelernt haben sich die beiden Pferdenärrinnen vor einiger Zeit bei einem Shooting in Bad Salzuflen. Denn Lisa-Marleen Seibel beschäftigt sich nebenberuflich mit dem Thema Fotografie.

Nachts auch mal im Heu

Vor gut drei Wochen haben die zwei jungen Frauen begonnen, die Reiseroute abseits von Bundesstraßen und Autobahnen – bei den Reitwegen in Niedersachsen durchaus problematisch – zu planen und sich Etappenziele zu setzen. Etwa acht Tage lang werden sie unterwegs sein. Für ihr Gepäck galt Minimalismus. „Mehr als Deo, Unterwäsche und einen Schlafsack – denn einige Nächte werden wir im Heu verbringen – haben wir nicht mit. Ein Erste-Hilfe-Set, Medikamente und Notfallversorgungen für die Pferde sind da wichtiger“, schreibt Lisa-Marleen Seibel.

Aber natürlich haben sie und ihre Freundin auch immer das Smartphone an der Frau. Sicher ist sicher.