Gardelegen l Es war einsam geworden in der Hundestation im Gardeleger Tierheim. Als das Haus im September 2017 durch das Kreisveterinäramt geschlossen wurde, durften keine neuen Tiere mehr aufgenommen werden. Der Tierschutzverein bekam die Auflage, die noch verbliebenen Tiere zu betreuen und nach und nach zu vermitteln. Keine leichte Aufgabe, denn die damals rund 30 Katzen und sechs Hunde waren zumeist hochbetagt, und niemand wollte sie mehr haben. Welpen und Kätzchen, ja, die wurden schon einmal adoptiert, aber die meisten Tiere genossen im Gardeleger Tierheim eher das Gnadenbrot. Fünf Katzen waren zuletzt noch da und zwei Hunde: der betagte Larry, seit acht Jahren Gast im Gardeleger Heim, und der gleichfalls als schwer zu vermitteln angesehene Bruno, ein Schäferhundmix in der Blüte seiner Jahre.

Eigentlich ist Larry harmlos. Der 14 Jahre alte Staffordmix hätte nicht einmal mehr zubeißen können, selbst wenn er es gewollt hätte. Zuletzt hatte er extreme Zahnprobleme, und der Tierschutzverein hatte Spenden sammeln müssen, um die teure Zahnoperation für Larry zu bezahlen, erzählte Carmen Koch, die Leiterin des Tierheimes.

Spendensammlung für Zahnoperation

650 Euro kostete es, dem Tier zu helfen, und ein Mitglied des Vereines streckte rund 300 Euro vor, um die Operation zu ermöglichen. Nun ist Larry gesund, zubeißen kann er zwar nicht mehr, aber Kampfhund bleibt Kampfhund, und wer ihn adoptieren will, braucht laut Gesetz einen Sachkundenachweis, einen Führerschein für gefährliche Hunde.

Aber manchmal geschehen ja kleine Wunder. Kurz vor Weihnachten entdeckte Sarah Gränert von Ahnen ein Foto des Hundes auf der Facebookseite des Gardeleger Tierheimes. Dort wurden im Adventskalender einzelne Tiere und ihre Geschichte vorgestellt. Die junge Frau aus Lockstedt bei Klötze verliebte sich sofort in Larry, und als sie ins Gardeleger Tierheim kam, war klar, dass Larry sie auch mochte. Zuerst war es nur ein gemeinsamer Spaziergang, etwas Streicheln, die Übernahme einer Futterpatenschaft für den Hund, doch dann war klar, dass die beiden ein Team waren.

Das beste: Sarah Gränert von Ahnen ist gelernte Tierpflegerin und hat als solche auch die Berechtigung und Befähigung, als gefährlich eingestufte Hunde zu halten. Und weil Hund und Herrin sich so gut verstanden und miteinander harmonierten, hatten die beiden auch gar keine Probleme, gemeinsam den notwendigen Wesenstest zu bestehen. Sie meisterten die Prüfung mit Bravour.

Larry lebt jetzt in einer vierköpfigen Familie, zu der außer der Mutter Sarah auch der Vater Lars von Ahnen und die beiden fünfjährigen Zwillinge Jaydon und Josephine gehören. Schön für Larry: Er ist nicht der einzige Hund in der Familie. Die von Ahnens halten bereits zwei Labradormix-Hündinnen, mit denen sich der Senior ausgesprochen gut versteht. Die schwarze Hündin heißt Shila und ist bereits elf Jahre alt, die helle Mimi stammt aus Rumänien und ist fünf Jahre jung.

In der ersten Nacht war der Neuling zwar noch etwas nervös, wie seine neue Besitzerin jetzt berichtete. Er habe die ganze Nacht gebellt, auch weil er sich wohl etwas allein in dem eigenen Raum fühlte, in dem die Familie ihn sicherheitshalber untergebracht hatte. Aber jetzt schläft er zusammen mit den Hündinnen und fühlt sich wohl. „Larry hat sich super bei uns eingelebt, es passte perfekt“, zeigte sich Sarah Gränert von Ahnen erfreut, „Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft. Larry versteht sich fantastisch mit meinen Kindern und meinem Mann, er hat sich ja so toll geerdet.“

Spazierengehen und Futterpatenschaft

Ein Grund mehr, dass die Tierpflegerin sich so engagiert für Hunde wie Larry einsetzt: „Er hatte gleich zweimal Pech: Er ist alt und ein Kampfhund. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, mich gerade dieser Hunde anzunehmen“, sagte die Lockstedterin, „denn sie haben leider nicht viel Glück. Sitzen sie einmal im Tierheim, ist ihr Schicksal oft besiegelt. Gerade die sogenannten Kampfhunde haben es ja leider sehr schwer in der Gesellschaft.“

Doch jetzt hat Larry auch einmal Glück gehabt und kann seinen Lebensabend im Kreise seiner neuen Familie verbringen. Und noch eine gute Nachricht: Das Gardeleger Tierheim wird auch wieder eröffnet.