Brachflächenmanagement

Leerstand und Brachen im Bereich Gardelegen - Stadtrat plant Initiative

Luxus der Leere – Segen und Fluch zugleich, denn leerstehende Häuser und brachliegende Flächen bereiten vielen Kommunen Sorgen. Auf der anderen Seite ist das Leben in dünnbesiedelten Gebieten durchaus reizvoll. René Schernikau, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, referierte dazu im Gardelegener Stadtrat.

Von Cornelia Ahlfeld
René Schernikau, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck.
René Schernikau, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck. Foto: Cornelia Ahlfeld

Gardelegen/Letzlingen - Leerstand beseitigen, wieder Leben in leerstehende Objekte bringen, Ideen für mögliche Nutzungen entwickeln – das ist das Ziel des Brachflächenmanagements mit entsprechenden Vermarktungsstrategien, die im Internet unter dem Titel „Luxus der Leere“ zu finden sind. Gestartet wurde damit im Jahr 2011 mit der Erstellung eines Brachflächenkatasters, erläuterte René Schernikau (parteilos), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, die gemeinsam mit anderen Gemeinden das Projekt damals auf den Weg gebracht hat. Und auch in Gardelegen gibt es entsprechende Ideen. Die CDU-Fraktion hatte einen Antrag auf Erstellung eines Leerstands-, Baulücken- und Baugrundstückskatasters für das Gebiet der Einheitsgemeinde der Hansestadt Gardelegen gestellt. In den Fachausschüssen des Stadtrates wurde daraufhin festgelegt, Schernikau einzuladen, da Teile der östlichen Altmark schon seit Jahren mit einem ähnlichen Kataster arbeiten.

Und diesen Bericht gab es nun am Montagabend im Stadtrat. Gestartet zunächst als gefördertes Projekt wird dieses Kataster und die Vermarktung seit 2018 in eigener Regie geführt. Eingebunden sind mehrere Gemeinden, die das Ganze auch finanzieren. „Wir reden viel über Leerstand. Aber was ist das? Wie definiert man das? Da kann man nicht mit Bauchgefühl handeln, da braucht man Zahlen und Fakten“, stellte Schernikau klar. Zunächst seien alle Brachflächen und leerstehende Häuser erfasst worden. In zehn Kommunen habe man 1800 Brachen und leere Objekte ermittelt auf einer Fläche von etwa 1040 Quadratmetern.

Falsche Wertvorstellung für den Verkauf

Für den Leerstand gebe es viele Gründe. Falsche Wertvorstellungen für einen Verkauf von Immobilien, sehr alte Eigentümer, die überfordert seien mit ihren Objekten, die das nicht mehr schaffen, sich aber von ihrer Immobilie nicht trennen können oder wollen, obgleich die inzwischen auswärts lebenden Kinder nicht zurückkommen, zählte Schernikau auf. Hier gelte es in Zukunft anzusetzen, denn die privaten Immobilien seien der Schwerpunkt. Bei der Erfassung beispielsweise in Havelberg oder Werben sei aufgefallen, dass in den Zentren viele ältere Menschen in Objekten wohnen, die, wenn sie nicht verkauft werden, in etlichen Jahren leer stehen werden. Ein großes Thema sei auch der Denkmalschutz. „Wir brauchen Druckmittel. Und da kann man als Kommune auch nicht mit dem Bauchgefühl daher kommen, sondern mit Zahlen und Fakten“, betonte Schernikau. Man sei dabei, gerade für historische Wohngebäude Nutzungskonzepte zu entwickeln. Und man sei bei der Vermarktung auch recht erfolgreich. Beispielsweise habe in Werben seit 15 Jahren ein Objekt leer gestanden. Niemand hatte sich dafür interessiert. „Jetzt konnten wir mit unserer neuen Vermarktungsstrategie vier Bewerber finden, die da zwischen 180 000 und 200 000 Euro reinstecken wollen, um das Objekt überhaupt erst wieder bewohnbar zu machen“, so Schernikau. Seehausen beispielsweise hatte 17 Objekte in der Datenbank. 57 gezielte Anfragen habe es gegeben. Sieben Objekte hätten verkauft werden können.

Anfragen aus Berlin und Halle

Es gebe Anfragen vor allem aus dem Raum Berlin, aber auch aus Halle und Magdeburg. Die Vermarktung stünde nicht in Konkurrenz zur gewerblichen Immobilienvermarktung, betonte Schernikau. Ziel sei es, eine gesamte Plattform Altmark für den Luxus der Leere zu entwickeln. „Wir würden uns freuen, auch Gardelegen für diese Plattform zu gewinnen, denn das Interesse, wieder aufs Land zu ziehen, ist da“, so Schernikau, und weiter: „Wir wollen den Leerstand besiegen und wieder Leben reinbringen und Ideen entwickeln.“Finanziert werde das Ganze von den Mitgliedsbeiträgen, wobei der Jahresbeitrag "unter 10 000 Euro" liege.

Größere Diskussionen gab es dazu im Stadtrat nicht. Unter anderem begrüßte CDU-Stadträtin Anja Rohrdiek diese Möglichkeit.„Wir werden jetzt erstmal den Personalbedarf und sonstige Kosten zusammenstellen und dem Bauausschuss vorlegen, um dann im Stadtrat zu entscheiden, ob das so gewollt ist“, informierte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher gestern auf Volksstimme-Anfrage.