Zichtau l Weihnachten – das ist das Fest der Liebe, der Geburt Jesu Christi, der ... – nun ja, für den Hamburger Schriftsteller und Satiriker Dietmar Bittrich ist es vor allem eines von vielen Familienfesten „mit der buckligen Verwandtschaft“ – ein Wiedersehen, „das die Männer leidvoll über sich ergehen lassen, während die Frauen dabei ja förmlich aufblühen“.

Häufigste Marotten

Bevor er am Mittwochabend jedoch aus den Sammlungen der Weihnachtsgeschichten liest, die er seit 2012 herausgibt (zuletzt: „Was macht der Mann da unterm Baum? – Immer wieder Weihnachten mit der buckligen Verwandtschaft“, Rowohlt Verlag), führt er seine Zuhörer zurück in den Urlaub. Er spürt den häufigsten Marotten und niedersten Motiven der Reisenden nach. Manche Zuhörer finden sich sofort wieder, andere schämen sich fremd.

So ein Urlaub soll entspannen, keinen Stress machen, stellt Bittrich klar. Doch die schönsten Sehenswürdigkeiten der Welt könnten einem keine Erholung bieten, wenn „wir die bloß besuchen, weil die Verwandten meinten, man müsste sie gesehen haben“. Abbrechen geht aber nicht – was müsste man sich zu Hause anhören? Also nimmt man das Leid auf sich und hegt den stillen Wunsch, alles möge schnell vorbeigehen, so Bittrich.

Das beste am Louvre seien dann die geschlossenen Säle. „Bei Schlossbesichtigungen bleiben wir bei den Schlafzimmern stehen, weil wir uns selbst darin liegen sehen.“ Und in den Kathedralen würden wir uns nicht mehr für die Deckengemälde interessieren, sondern für das Fresspaket und ob im Weihwasserbecken noch genug ist, um uns anschließend die Hände zu waschen.

Altmärkischer Humor

Übrigens, erzählt er, auf dem Weg nach Zichtau hatte er sich verfahren. Als er dann an einer Haustür anklopfte, um nach dem Weg zu fragen, sah er dort einen Spruch stehen: „Willst du dich des Lebens freuen, denke auch an unser Glück, kehrst als Gast hier bei uns ein, fährst dann bald nach Haus zurück“ – für ihn ein Indiz für den altmärkischen Humor. Wenig später wagt er, dies mit einem Spruch aus Nordfriesland zu vergleichen: „Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen, und dort hinrudern, wo sie nicht mehr stehen können.“

In der Pause kommt kaum einer an Bittrich vorbei, ohne ihm noch ein Schmunzeln zu schenken. Entlarvend albern, skurril und irrsinnig komisch sind auch die Weihnachtsgeschichten, die von einem als Wolf verkleideten Weihnachtsmann, überempfindlichen Müttern und einem Christkind handeln, das den Kindern zeigen will, wie es „das Geld der Eltern in reines trockenes Stroh verwandelt“ – das Tempo lässt kaum Luft zum Atmen, eine Pointe jagt die nächste.