Gardelegen l 37 Millionen Euro, davon zehn Millionen Euro Eigenanteil, sind in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt im Rahmen der Städtebauförderung in Gardelegen investiert worden. Als Beispiele sind die Nikolaikirche (400.000 Euro) oder die Sanierung der historischen Wallanlage (1,8 Millionen Euro) zu nennen. Für 1,75 Millionen Euro wurden zwei Wohngebäude an der Sandstraße 9 – 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche – unter Denkmalschutzaspekten saniert. Letztgenanntes Objekt sah sich gestern Thomas Webel, Sachsen-Anhalts Minister für Landesentwicklung und Verkehr, an. Der Besuch in Gardelegen fand im Rahmen einer zweitägigen Fachexkursion „Stadtumbau vor Ort“, bei der der Minister auch nach Merseburg und Dessau-Roßlau reiste, statt.

Brauereibetrieb wird nicht wieder aufgenommen

In Gardelegen standen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels Projekte, die vom Kompetenzzentrum Stadtumbau begleitet werden, auf dem Programm. Drei solcher Objekte, für die es Pläne zur Umsetzung gibt beziehungsweise die bereits saniert und mit Leben gefüllt sind, besichtigte gestern der Minister. Neben dem Wohnkomplex Sandstraße 9 und dem Bahnhofsgelände besichtigte Webel in Begleitung von kommunalen Akteuren und Vertretern des Kompetenzzentrums auch das Gelände der ehemaligen Garley-Brauerei. Eine Wiederinbetriebnahme des Brauereibetriebes werde es nicht geben, bestätigte Mark Anton Hiller, Braumeister der Sudenburg Brauerei, deren Inhaber Ulf Steinforth auch Eigentümer des Garley-Brauerei-Geländes ist. Hiller war in Vertretung des Eigentümers vor Ort und führte die Gäste über das Areal, das rund 5000 Quadratmeter umfasst. Zusammen mit angrenzenden Grundstücken, für die es bereits Verkaufszusagen gebe, komme eine Revitalisierungsfläche von 6000 Quadratmetern zusammen. Und das mitten in der Innenstadt. Allerdings seien einige Gebäude auf diesem Areal denkmalgeschützt.

Kleine Bierflaschen für kurze Pausen

Was dort realisiert werden könnte, dafür hat Webel Ideen. So könne er sich vorstellen, dass die Gebäude, insbesondere die denkmalgeschützten Gebäude, zu Wohnungen umgebaut werden. Das übrige Areal könne für gewerbliche Zwecke genutzt werden. Für Einkaufsmärkte komme das Areal aber weniger infrage, da das Gelände bebaut ist. Wie Webel informierte, hat die Hansestadt Gardelegen bereits Fördermittel in Höhe von 80.000 Euro beim Land für die Erstellung eines Konzeptes für das Garley-Carré, wie in der Fortschreibung des Integrierten gemeindlichen Entwicklungskonzeptes (IGEK) aufgenommen, beantragt. 40.000 Euro Eigenanteil stellt die Stadt bereit. Thomas Webel ist zuversichtlich, dass mit diesem Start am Areal wieder Leben einziehen könne. An Garley-Bier kann sich der Minister noch gut erinnern. Bereits zu DDR-Zeiten gefiel ihm an dieser Marke die Flaschengröße. „Die kleinen Flaschen kamen den Eigenheimbauern zugute, weil mit ihnen die Pausen der Maurer nicht so lang waren“, sagte er augenzwinkernd.

Bilder