Kakerbeck l „Ick mögde ju begröten.“ Mit dieser Worten begrüßt Wilma Schulz beim ersten plattdeutschen Nachmittag in Kakerbeck die Besucher. Die Vorsitzende des Kakerbecker Heimat- und Kulturfördervereines spricht selbst eigentlich kein Plattdeutsch. Ob sie die Begrüßungsformel richtig formuliert, geschweige denn ob sie sie richtig schreiben könnte, das weiß sie nicht so genau. In den einzelnen Regionen und selbst in den einzelnen Dörfern der Altmark gibt es unterschiedliche Varianten. Aber deswegen kommen die Mitglieder des Vereines sowie Interessierte ja auch zusammen. „Wir wollen gemeinsam Platt lernen“, erklärt Schulz. „Damit diese Mundart nicht vergessen wird“, fügt Vorstandsmitglied Silke Wöhlbier hinzu.

Heute wird der plattdeutsche Dialekt kaum noch gesprochen. „Ich kenne das noch von meiner Oma. Aber nachdem sie gestorben war, sprach das keiner mehr“. so Schulz. Alfred Lötge, der viele Jahre lang als Vorsitzender den Verein lenkte, erinnerte sich daran, dass zu seiner Kindheit im Ort noch etwas Platt gesprochen wurde. Aber es wurde immer weniger. „Unsere Eltern waren angehalten, vor uns nicht mehr Platt zu sprechen, damit wir das nicht zu sehr annehmen und in der Schule beim Hochdeutschschreiben keine Fehler machen“, erklärt er.

Plattdeutsch für Jugend publik machen

Wunsch des Vereines ist es, dass wieder viele diese Mundart sprechen. Und gerade den jungen Leuten wollen die Mitglieder das nahe bringen. „Viele Kinder kennen ja das Martinslied gar nicht mehr“, fasst Lötge zusammen. Bei ihrem Heischezug durch den Ort am Martinstag war es in der Vergangenheit Tradition, das plattdeutsche Lied „Martens, Martens Vögelchen, gevt uns wat in Schnäbelchen“ zu singen. Nun möchte der Verein an die Kita im Ort herantreten, damit dieses Volksgut nicht in Vergessenheit gerät.

Um Plattdeutsch zu erlernen, haben sich Schulz, Wöhlbier und Lötge mit zahlreichem Buchmaterial zum Thema eingedeckt. So lesen sie aus „Unsere plattdeutsche Fibel“ vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt, Arbeitsgruppe Niederdeutsch. Zur weiteren Lektüre dienen Texte des Mehriner Heimatdichters Fritz Hagen, zum Beispiel aus „O Olltmark uns leew Heimatland“, und heimatgeschichtliche Überlieferungen „up platt“, aufgeschrieben von Hans H. F. Schmidt. „Aus diesen Texten lesen wir vor. Wir müssen ja auch erst ein Gefühl für die Sprache bekommen“. berichtet Schulz.

Regelmäßige Zusammenkünfte

Und weil eine Sprache nicht nur durch das Lesen, sondern vor allem auch durch Hören, Verstehen und Sprechen gelernt wird, besuchte der Heimatverein vor wenigen Wochen eine Plattdeutschgruppe in Salzwedel, um von den Mitgliedern Anregungen zu erhalten.

Zum ersten plattdeutschen Nachmittag in Kakerbeck fanden sich nur zwei Interessierte außerhalb des Vereines ein. „Eine größere Resonanz hätte ich mir gewünscht“, so Schulz. Sie hofft aber, dass sich die Veranstaltung noch etablieren wird. Weitere Treffen sollen folgen.