Gardelegen l Elegant und dennoch leichtfüßig steigt Robert Kreis die Treppen in der Gardeleger Bibliothek hinab. Sein Publikum begrüßt er mit einem Dankeschön, einem Dankeschön dafür, dass es erschienen ist, erschienen „in der Weltmetropole Gardelegen“, in der er bereits zum zweiten Mal auftritt. Und dann steigt der niederländische Kabarettist und Entertainer auch direkt ein ins Programm. Ohne Mikrofon unterhält er die Zuschauer knapp drei Stunden lang und zieht es in seinen Bann.

Wie zufällig erzählt er seine Lebensgeschichte, schildert seine ersten zehn Lebensjahre in Indonesien, damals Niederländisch-Ostindien, „geboren in Java, wo das Blut so heiß ist wie Lawa“. Aufgewachsen in einer Künstlerfamilie, die Großmutter war Jazzpianistin, verschlägt es den jungen Robert Kreis schließlich auch auf die Bühne. Zunächst reist er als Steward auf Kreuzfahrtschiffen um die Welt, tritt dort auch erstmals auf, bevor er 1973 erstmals als Künstler auf Tour geht. Seit 35 Jahren ist er in Deutschland unterwegs. Und während er den Gästen in Gardelegen seinen Weg auf die Bühne schildert, stimmt er Lieder und Couplets der 1920-er Jahre an. „Die 20-er-Jahre sind meine große Passion“, sagt er. Für ihn „wunderbare Jahre“. Er möchte die vergessenen kulturellen Nachlässe der jüdischen Künstler der Weimarer Zeit aufrechterhalten, die geprägt sind von einem feinsinnigen Humor, bei dem es gelingt, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. „Wie beginnt jedes deutsche Kochbuch? Man nehme ein Ei. Wie beginnt ein jüdisches? Man leihe ein Ei.“

Auftritt mit viel Humor

Eingebettet in die Darbietungen der Weimarer Zeit lässt Kreis seine Beobachtungen des heutigen Zeitgeschehens einfließen. „Was sind das für Politiker heutzutage bei Euch? Eine Augsburger Puppenkiste ist das.“ Und dann singt Kreis ein Lied, entstanden nach dem Bankencrash 1929: „Miese Zeiten, miese Zeiten, wo man hinhört, hinschaut, lauter Pleiten“. Und vom Wiener Kabarettisten Armin Berg rezitiert er ein Couplet von wertlos gewordenen Aktien, die er zu Drachen umbaut und mit ihnen hinausgeht, wo die „Winde wehen, da kann ich meine Aktien wenigstens einmal steigen sehen“. Zeitlos und aktuell sind die Stücke der Weimarer Zeit. Mit unnachahmlicher Mimik nimmt Kreis sein Publikum mit auf die Zeitreise, die doch so viel Aktualität birgt. Aber gerade das ist auch „beängstigend“, sagt Kreis, der Parallelen zwischen der heutigen Zeit zur damaligen Zeit der Weimarer Republik, die schließlich mit dem Nationalsozialismus endete, zieht.

Bilder

An Deutschland liebt Kreis aber nicht nur die 20-er Jahre, sondern auch die Sprache, die viele Möglichkeiten biete. So liest er kuriose Berliner Grabinschriften vor: „Hier liegt der liebe Doktor Frumm, und die er heilte, liegen drum“. Und wissen Sie, was heute bei Schulklausuren Lehrer zu lesen bekommen?: Wie lautet der Vorname Hitlers? Antwort: Heil. Und wie heißt die Hauptstadt Frankreichs? Klar, Frankreich City. Das Publikum kommt kaum aus dem Lachen heraus. Und Kreis lacht mit seinem Publikum: „Mensch, macht das einen Spaß mit Euch heute.“