Kloster  Neuendorf l Es wird sich einiges ändern in Sachsen-Anhalt. Die Region Gardelegen wird eine enorme Aufwertung erhalten, denn Kloster Neuendorf wird künftig die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt sein.

Glauben Sie es mir, liebe Leserinnen und Leser, ich war dabei, durfte als Korrespondentin über die Geburtsstunde der neuen Landeshauptstadt berichten. Und nicht nur das, ich habe beschlossen, nach Kloster Neuendorf zu ziehen. Dort gibt es nämlich bald goldene Löffel, pardon goldene Türklinken. Doch der Reihe nach. Landtagspräsidentin Jana vom Klosterland (Jana Kunkel) eröffnete die Landtagssitzung. „Ich sehe, der Saal und einige Gäste sind bereits voll. Somit können wir beginnen und sind unfähig, Beschlüsse zu fassen“, klärte sie auf und schlug mit dem Sitzungshammer kräftig auf den Sitzungstisch. Sie stellte klar, dass sie – völlig basisdemokratisch – keine Widerreden und Nein-Stimmen dulde mit Verweis auf die Abstimmungskarten, die sowohl auf der Vorder- und auf der Rückseite ein Ja zeigten. Wer anders abstimme, erhalte einen Eintrag in die Klosterakten oder werden des Ortes verwiesen.

Neues Parlamentsgebäude

Schwerpunkt der Tagesunordnung, erarbeitet vom Förderrat der vereinigten Klosteraner, war ein Antrag der nichtzurechnungsfähigen Vereinigung der Klosterbrüder vom Dorfe: Kloster Neuendorf muss Landeshauptstadt werden. Eröffnet wurde die Sitzung musikalisch vom Kita-Gesangverein „Nicht alle Töne müssen stimmen“. Nach viel Applaus schritten dann würdevoll der Ministerpräsident Herr Fritze (Ingo Adolph), und der Innenminister Herr Kalle (Andreas Höppner), in den großen Sitzungssaal. Sie lieferten sich dann einen politischen Wortwechsel in bester Heute-Show-Manier. Fritze bedankte sich für die Wahl, die versprochenen Schmiergelder seien bereits an die Wähler überwiesen worden. „Deshalb beantrage ich gleich noch eine Diätenerhöhung, denn die Kohle muss ja irgendwie wieder reinkommen.“ Ja, alle waren dafür.

Bilder

Auch Kalle begrüßte seine eingekauften Damen und Herren. Auch wenn die Wahlversprechen natürlich nicht halt- und schon gar nicht umsetzbar gewesen seien – „was interessiert mich denn mein Geschwätz von gestern“ –, wolle man nun doch alles dafür tun, dass auch im Klosterland die versprochenen blühenden Landschaften Einzug halten. Dann ging es hin und her. Der Ministerpräsident wollte lieber in Magdeburg bleiben, denn „ich habe wirklich keine Lust, mich hier neu einzuschleimen“ und in diesem Nest sei auch überhaupt nichts los. Kalle sah das natürlich völlig anders. Das Ende vom Lied, weil die Klosteraner ja nur am Feiern sind und keine Zeit zum arbeiten haben, bekommen sie zum Ausgleich einen monatlichen Pauschalbetrag von 5000 Euro, goldene Türklinken, eine lebenslange Steuerbefreiung, ein neues Parlamentsgebäude für 500 Millionen Euro, einen direkten ICE- und U-Bahnanschluss für 50 Millionen Euro, eine Sicherung der Außengrenzen für 500 Millionen Euro und eine große FKK-Therme mit allem drum und dran für 10 Millionen Euro und natürlich den Status als Landeshauptstadt – einstimmig beschlossen. Da half auch der etwas armselige Protest mit Pappschild – „Mehr Geld fürs Bodenpersonal“ und „Wir sind das Volk“ nichts.

Geschickt eingebaut ins Programm wurden beim „total anderen Neujahrsempfang“ Ehrungen von Einwohnern, die sich fürs Dorf engagieren: Thomas Prange, Familie Riek-Burchardt und die Kameraden der Klosteraner Feuerwehr mit ihrem Wehrleiter Michael Franz. Danach gab es Sekt, Kaffee und Kuchen und viel Zeit, die Landtagssitzung auszuwerten und sich auf die zahlreichen Neuerungen einzustellen. Ja, liebe Leserinnen und Leser, die Sitzung war öffentlich. Sie haben wirklich etwas verpasst. So, ich muss jetzt noch schnell meine Wohnadresse ummelden, damit das mit den 5000 Euro monatlich auch noch klappt – Tschüss.