Kinder der Miesterhorster Kita Pusteblume sahen zwei Zeichentrickfilme dank einer Tonkino-Kofferanlage von 1962

Nur mit der richtigen Kinokarte geht es in den Saal

Von Ilka Marten

Ein dunkler Gruppenraum, ein ratternder Filmprojektor und echte Kinderbuchklassiker auf Zelluloid - das macht den Reiz des Wanderkinos von Herbert Hambach aus. Am Donnerstag war er mit seiner Anlage in Miesterhorst.

Miesterhorst l Es ratterte und schnarrte, aber die Kinder nahmen die Geräusche im Hintergrund gar nicht mehr wahr. Schließlich war Filmvorführer Herbert Hambach nicht das erste Mal in der Kita Pusteblume in Miesterhorst. "Bei den ersten Malen waren die Kinder von der Technik ganz fasziniert", sagte Kita-Leiterin Dorothea Exß. Denn wenn Hambach mit seinem Wanderkino kommt, hat er einen Filmprojektor dabei, der schon mehr als 40 Jahre alt ist. "Aber der funktioiniert immer noch bestens", betont der Filmvorführer. Der Projektor mit der Bezeichnung TK 35 (Tonkino-Kofferanlage für 35 Millimeter breites Zelluloid) spielte am Donnerstag auch historisches Material ab, denn die Geschichte "Alarm im Kasperletheater" ist noch älter als der Filmprojektor selbst. "Die kennen die meisten Eltern und Großeltern noch", so Hambach schmunzelnd. "Alarm im Kasperletheater" ist ein Bilderbuch des deutschen Autors Nils Werner mit Illustrationen von Heinz Behling aus dem Jahr 1958.

Bei der Auswahl der Filme, die er sich als Filmrollen bei einem Verleih in Berlin borgt, achte er darauf, dass die Zeichentrickfilme nicht zu lang seien. "Das halten die Kinder sonst von der Konzentration her nicht durch", so der Magdeburger, der auch regelmäßig im Gardeleger Kino Filmvorführungen anbietet. Die Vorführungen in den Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen machen dem 63-Jährigen, der aus Badel stammt, besonders viel Spaß: "Den Kindern die Technik zeigen zu können, ist eine große Freude. Und anders als im Kino, wo ich in einem extra Raum sitze, habe ich so den direkten Kontakt zum Publikum." Auch am Donnerstag fragten wieder einige, ob er denn am nächsten Tag wiederkomme, erzählte der 63-Jährige schmunzelnd. Und ein paar Mal sei es ihm auch schon passiert, dass Kinder nach der Vorstellung gekommen seien und sich bedankt hätten, weil sie nun wüssten, was Kino sei.

Die Pusteblume-Kinder hatten sich mit der Geschichte schon im Vorfeld beschäftigt, so mancher fürchtete doch kurzfristig - so kurz nach den Faschingstagen -, dass ein echter Teufel käme. Denn Inhalt ist, dass das Kasperle zur Geburtstagsfeier der Oma frische Pfannkuchen einkaufen soll. Doch das kleine Teufelchen stiehlt ihm die Pfannkuchen. Gemeinsam mit der Kräuterhexe Adelheid, dem Schutzmann Schill, dem König, dem Räuber Fridolin und dem Krokodil will das Kasperle sich die Pfannkuchen zurückholen. Doch das Teufelchen hat alle Pfannkuchen allein verzehrt. Daher plagen ihn nun starke Bauchschmerzen, wodurch er die doch noch stattfindende Feier nicht genießen kann.

"Der Film mit der Feuerwehr ist immer der absolute Hit."

Allerdings gab es - wie bei einer echten Filmvorführung - einen kurzen Vorfilm. Ingesamt schnurrten 450 Meter Zelluloid beim 16-minütigen Kasperlefilm durch den Projektor. Danach flimmerte der Klassiker "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt" an der Wand. "Das ist immer der absolute Hit", so der Filmvorführer. Und Herbert Hambach hatte dabei ganz genau im Blick, dass alles genau richtig lief. Filmrisse gebe es heutzutage aber kaum mehr. Die Anlage mit ihrer nostalgischen Technik gefiel auch den Erziehern wieder sehr.

Die Tonkino-Kofferanlage kaufte Hambach kurz nach der Wende, als die Kreisfilmstellen aufgelöst wurden "und es nicht mehr Kino gab wie zuvor", berichtete er.

Denn zu DDR-Zeiten gab es einmal in der Woche im Kreis Gardelegen in jedem Dorf eine Filmvorführung. Obgleich die Technik schon 41 Jahre alt ist, "ist sie unverwüstlich". Und das muss sie auch sein, denn mit seinem Wanderkino ist Hambach jeden Tag woanders in Sachsen-Anhalt unterwegs.

Bevor jedoch der Raum in Miesterhorst verdunkelt wurde und der Projektor ratterte, erhielt jedes Kind eine Kinokarte von Hambach - wie in einem echten Kino.

Informationen zum Wanderkino unter (0160) 8739688 bei Herbert Hambach.