Gardelegen l Kaum erklang das Lied „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“ und schon stimmten alle mit ein. Ein vielstimmiger Chor erklang in der Gardelegener Begegnungsstätte der Volkssolidarität. Dabei erwiesen sich die Sängerinnen und Sänger als sehr textsicher, was nicht verwunderte. Denn dieses Kinderlied hatte wohl jeder der anwesenden Mitglieder der Volkssolidarität, die sich am  zum „Ossitag“ trafen, im Kindergarten oder in der Schule gelernt.

Und nicht nur musikalisch wurde an die Zeit vor 30 Jahren, vor dem Fall der Mauer, erinnert. Die Mitarbeiterinnen und andere Besucher der Begegnungsstätte hatten eine kleine Ausstellung zusammengetragen, die bei allen so manches „Ach, weißt du noch?“, „Ja, das hatten wir auch“ oder „Da kann ich mich noch gut dran erinnern“ hervorrief. Ob blecherne Milchkanne und das sehr dehnbare Perlonnetz, diverse Zeitschriften und ein Duden in dem typischen dunkelblauen Einband, FDJ-Hemd und ein Hemd der NVA, die Halstücher der Jungen (blau) und der Thälmannpioniere (rot), ein Fünf-, Zehn- und Zwanzig-Mark-Schein, einige Aluchips und zwei Rollen des DDR-Klopapiers „Dessau Standard“ – das alles fehlte in keinem Haushalt.

Blecherne Milchkanne und Perlonnetz

Dazu zählten auch die Flasche Cabernet, die es damals für sechs Mark gab – wenn sie denn im Konsum vorrätig war –, und die Flasche Apfel-Dessertwein aus der Mosterei Oebisfelde. Diese beiden Flaschen hatte Ingrid Flick mitgebracht. Trinken kann man sie aber nicht mehr, meinte sie lachend. Und sie hatte noch eine weitere Rarität mitgebracht: einen handgeknüpften, schwarz-rot-goldener Wandteppich mit gleich zwei Hammer- und Sichelemblemen anlässlich 40 Jahre DDR. Das wurde ja noch am 7. Oktober 1989 gefeiert, wenn auch nicht mehr von allen Bürgern. Wer ihn geknüpft hat, konnte sie nicht mehr sagen. Sie selbst, so Ingrid Flick, habe ihn aus dem ehemaligen Klub der Volkssolidarität mitgenommen, der sich zu DDR-Zeiten am Aschberg befand. In dem habe sie fast bis zur Schließung 1991 gearbeitet.

Auch typische Wäsche von anno dazumal bis zur Wände wurden präsentiert – einmal an mehreren gespannten Wäscheleinen und einmal während einer kleinen Modenschau. Die Begegnungsstättenleiterin Brunhild Deutsch sowie Ina Kagelmann, Manuela Müller und Franziska Burde präsentierten Nachtwäsche, Freizeit- und Festkleidung – zum Teil selbst genäht, was zu DDR-Zeiten ja in vielen Familien üblich war. Ein schickes Ensemble in Blau ist auch 30 Jahre nach der Wende noch nicht fertig, wie Manuela Müller, die es trug, mit einem Lachen feststellte. Denn der Reißverschluss fehlte – damals auch Mangel- und Bückware.

Kittelschürze war das Highlight

Ein Highlight der Modenschau war außerdem die Präsentation der überaus geliebten und praktischen Kittelschürzen in den verschiedensten Blumendesigns, unter denen die Hobbymodels auch noch schicke Unterröcke hervorblitzen ließen.