Gardelegen l Knapp 30 Frauen und Männer sitzen im sonnigen Park des Johanniterhauses Rieseberg rings um ein Gehege und beobachten das Tun von Hannelore, Frieda, Irmgard und Marietta, die von Ergotherapeutin Corinna Swolana gerade mit Weizen und Grünkohl aus ihrem schmucken Holzhäuschen gelockt werden. Bei den vier Damen handelt es sich nämlich um Hühner der Rassen Humpshire, Sussex, Grünleger und Druffler Haubenhuhn. Letzteres ist besonders possierlich anzusehen, denn wie es der Name schon sagt, trägt Irmgart ein Häubchen auf dem Kopf.

Die Senioren sind auch außerordentlich angetan von der munteren Runde. Erich Marggraf lässt es sich dann auch nicht nehmen, selbst ins Gehege zu gehen und die zutraulichen Tiere zu füttern und zu streicheln. „Wir hatten früher auch Hühner, braune Hühner, aber die hatten keinen Namen“, erzählt der 89-Jährige, der in Hottendorf zu Hause war. „Uns ging es um die Eier und natürlich um das Hühnerfleisch für eine leckere altmärkische Hochzeitssuppe“, erzählt der Senior und lacht. „Wir hatten früher auch Hühner“, sagt Edith Bunge aus Gardelegen. Die vier Hühnerdamen finden von daher reges Interesse der Senioren. „Wir beobachten die oft hier“, sagt Erich Marggraf.

Hühnerbank am Gehege

Eigens dafür war auch eine Hühnerbank am Gehege aufgestellt worden. Drei Wochen waren die Hühner von Elias Spalik und seinem Bruder Jacob aus Schwiesau im Johanniterhaus Rieseberg. Die beiden jungen Männer bieten seit einiger Zeit unter dem Motto Huhn to go Hühner zum Mieten auf Zeit an, vor allem in Alters- und Pflegeeinrichtungen und Kindertagesstätten.

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Das Gardelegener Johanniterheim nutzt das Angebot der Miethühner bereits zum dritten Mal, berichtet Corinna Swolana, Leiterin des sozialen Dienstes in der Einrichtung. Der Weizen wird von Familie Spalik geliefert. Den Grünkohl bringt Corinna Swolana mit. „Den haben wir extra dafür angebaut“, erzählt sie. Die Eier dürfen sie behalten und selbst verwenden. „Wir backen Kuchen davon“, verrät die Ergotherapeutin. Für die Bewohner sei das eine sehr schöne Sache. „Das ist auch ein Anreiz, wieder mal in den Park zu gehen und mit anderen ins Gespräch zu kommen“, weiß Swolana. Auch darüber, wie es früher zu Hause mal war. „Viele kommen vom Land, hatten Tiere und erinnern sich wieder. Es ist ein zusätzliches Angebot für unsere Bewohner, die sich hier zu Hauses fühlen sollen“, betont Swolana.

Bauerngarten angelegt

Die Hühneraktion ist aber nur ein Bestandteil der Biographiearbeit. Regelmäßig ist die Tiertherapeutin Solveig Holle zu Gast in der Einrichtung mit ihren Hunden und ihrem Pony. Auch die Gartenflächen im Park wurden entsprechend neu gestaltet. Obstbäume, Beerensträucher, Obst und Gemüse – zum Teil in Hochbeeten – wurden angepflanzt. Zum Naschen, wer möchte, kann auch die Beete pflegen. Cosmea, Studentenblumen, Stockrosen, Dahlien und Lavendel – auch der Blumengarten wurde neu gestaltet. „Es findet sich alles, was es in einem Bauerngarten auch früher schon gegeben hat“, sagt Swolana.

Ganz neu ist ein Steg auf dem Teich. Die Senioren können dort sitzen, die Goldfische beobachten und füttern oder einem Konzert der Frösche lauschen. „Wir wollen alle Sinne ansprechen“, erläutert Swolana. Dazu gehören auch besondere kulinarische Angebote, wie das Pellkartoffelessen im Herbst. „Alles das, was im Dorf so üblich ist.“

Meerschweinchen zum Kuscheln

Seit gut zwei Monaten sollen mit Otto und dem schwarzen Elvis zwei weitere tierische Bewohner das Wohlbefinden der Senioren steigern. Es handelt sich um zwei Meerschweinchen. Ihr blaues, schmuckes Holzhäuschen steht in der mit Blauregen umrankten Liebeslaube.

„Wir hatten früher zu Hause auch viele Tiere, Hühner, Gänse und Enten, aber Meerschweinchen hatten wir nicht“, erzählt Viola Trittel-Ahrendt, die aus Ristedt stammt. Otto hat es ihr offenbar angetan. Denn den kleinen Pelzkerl nimmt sie gleich auf den Arm, und der genießt die Streicheleinheiten.