Gardelegen/Stendal l Vorsichtig nimmt Claudia Ladwig eine etwa sechs Wochen alte und schwache Katze aus ihrem Körbchen, streichelt sie und spricht ruhig mit ihr. „Wir bekamen die Kleine, als sie zwei Wochen alt war und haben sie mit der Flasche aufgepäppelt“, so die Stendalerin. Einige Meter weiter springen zwei bis drei Monate alte Katzen umher, spielen miteinander und fühlen sich sichtlich wohl. „Wir lieben Katzen über alles“, sagen Claudia und Andy Ladwig von sich selbst.

Seit April 2019 retten sie deshalb Leben – genauer gesagt Katzenleben. „Wir führen bei uns zu Hause eine ehrenamtliche Pflegestelle und arbeiten fest mit dem Tierheim in Gardelegen sowie mit Tierärzten in Stendal zusammen“, erklärt Claudia Ladwig. Was das genau für sie und ihren Mann bedeutet, dass schildert die 57-Jährige während eines Vor-Ort-Termins mit der Volksstimme. Liebevoll sind sowohl die Küche, der Flur, das Badezimmer und sogar die Abstellkammer, aber auch der Außenbereich ihres Hauses artgerecht gestaltet. Zahlreiche Katzenbäume, elf Katzentoiletten und Spielzeuge für die Tiere finden sich in den Räumlichkeiten.

„Wer eine Pflegestelle führt, muss stets angemessen und mit Zuneigung auf die Kleinen reagieren, damit sie uns Menschen von unserer besten Seite kennenlernen und Vertrauen aufbauen können“, erklärt Claudia Ladwig. Das gelte natürlich auch dann, wenn die Kätzchen gerade einen Blumentopf heruntergeworfen hätten, der dabei eventuell kaputtgegangen sei. Aber auch dann, wenn die kleinen Vierbeiner neben statt in das Katzenklo machen oder wenn sie zum x-ten Mal versuchen, auf dem Küchentisch umherzulaufen. „Dafür braucht man einfach Geduld“, so Claudia Ladwig. Ihr und ihrem Mann ist bewusst, dass Menschen Katzenbabys süß finden, wenn sie auf ihren wackligen Beinchen über den Boden kullern und versuchen, eine Spielzeugmaus zu fangen. „Als Pflegestelle erlebt man aber eben auch die andere Seite: Schwer kranke Babys, die ganz und gar nicht niedlich aussehen, sondern vereiterte Augen haben und mit sehr viel Ruhe mit der Hand aufgezogen werden müssen. Allein dieses Jahr haben wir vier Katzenbabys verloren, was uns immer sehr nah gegangen ist“, fasst es Andy Ladwig zusammen. Claudia Ladwig sieht hingegen die Politik in der Pflicht.

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„Ich argumentiere, dass Menschen ihre Katzen kastrieren lassen müssen. Ich bin der Meinung, dass die Kommunen und besonders die Politik dort gesetzlich etwas in die Wege leiten sollten, um einer Katzenschwemme, die auch in diesem Jahr wieder präsent ist, entgegenwirken zu können“, sagt die 57-Jährige. So sind die herumstreunenden und sich enorm vermehrenden Tiere auch in Gardelegen ein Problem, das auch die Stadtverwaltung längst erkannt hat.

Hotspots in Gardelegen

Aus diesem Grund soll entweder eine gesonderte Katzenschutzverordnung/Kastrationsverordnung verabschiedet oder ein entsprechender Passus in die Gefahrenabwehrverordnung mit aufgenommen werden. Darüber informierte Susann Rieck, Mitarbeiterin der Gardelegener Stadtverwaltung, während der jüngsten Zusammenkunft des Bauausschusses. In zahlreichen Ortsteilen wurde darüber in den vergangenen Monaten auch schon diskutiert. Wie Rieck sagte, gebe es einige Hotspots in Gardelegen, wo sehr viele streunende Katzen leben und dort auch für reichlich Nachwuchs sorgen würden. Das seien unter anderem der Langförder- und der Kuhschlagweg, die Wallanlagen, der Goldene Ring, der Rott- und der Vogelsangweg. „Wir wollen nicht die Katastration vorgeben, nur empfehlen“, machte sie deutlich. Wenn das nicht gewollt werde, sollten die Tiere aber gechippt oder tätowiert sein.

Denn die Stadt plant in Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein Gardelegen im nächsten Jahr eine Fangaktion mit Lebendfallen in den Hotspot-Bereichen. Sind die gefangenen Katzen dann nicht gechippt oder tätowiert, werden sie kastriert, bevor sie nach 24 Stunden Erholung im Tierheim wieder freigelassen werden. Die Aktion werde vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie mit 4000 Euro gefördert. Die Abrechnung erfolge über das Tierheim, heißt es.

Das finanziere auch Futter, Katzenstreu sowie die Tierarztkosten, die bei der Familie Ladwig anfallen. Wie viel Arbeit jedoch hinter diesem ehrenamtlichen Engagement steckt, dass wissen nur die wenigsten. Und manchmal wird den beiden Tierschützern auch mit Unverständnis begegnet.