Gardelegen l Prof. Dr. Ralf Förster ist an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin tätig, leitet dort das Labor für Produktionstechnik und arbeitet im Fachbereich Maschinenbau, Verfahrens- und Umwelttechnik. Anne-Marie Heydeck ist Architektin und beide sind gemeinsam mit einem Betriebswirt ins Start-up-Projekt mit Klaus Schwarz, Eigentümer der Konservenfabrik Gardelegen, involviert. Das bestätigte Förster auf Volksstimme-Anfrage. Konkret geht es um die Falconnier-Steine, die auch in der Konservenfabrik verbaut wurden. Entwickelt habe diese Steine Gustav Falconnier, ein erfolgreicher Unternehmer aus der Schweiz. „Der hat das erste Mal Glasbausteine genutzt, um Licht in die Räume zu bringen“, erläuterte Förster. Das sei so um 1880 herum gewesen. Falconnier sei vielseitig aktiv gewesen und habe diverse Patente in zahlreichen Ländern.

Aktuell werden Businesspläne erstellt

„Die Frage ist nun, ob wir solche Glasbausteine wieder fertigen können“, erläuterte Förster. Klaus Schwarz, der sich mit historischer Handwerkstechnik beschäftige, sei vor einiger Zeit an ihn herangetreten. Unterdessen sei schon einiges an Arbeit in das Projekt investiert worden. Aktuell würden Businesspläne erstellt, um eine Förderung des Landes Berlin-Brandenburg dafür nutzen zu können. Vielleicht könne man das Projekt auch aus der Hochschule heraus realisieren. Er selbst würde das Technische betreuen. „Wann und was da passiert, kann man heute allerdings noch nicht sagen“, betonte Förster. Ziel sei es, neue Wege in der Architektur zu gehen, lichtdurchflutete Räume zu schaffen und dafür nichtdurchsichtiges Glas zu nutzen.

Und Standort dafür soll die Gardelegener Konservenfabrik sein. Er selbst sei auch schon in Gardelegen gewesen. „Wir finden das Fabrikgebäude architektonisch sehr interessant“, so Förster. Von der zweimaligen Zwangsversteigerung wegen Steuerschulden habe er gehört und auch davon, dass der Gerichtstermin kurz zuvor zweimal erfolgreich abgewendet werden konnte. Doch das könne er, Förster, nicht einordnen. Auch Eigentümer Klaus Schwarz suchte noch einmal das Gespräch mit der Volksstimme. Die Architektin Anne-Marie Heydeck sei die Koordinatorin des Ganzen. Er werde jetzt eine Stiftung gründen. Dazu habe er, Schwarz, auch eine Vereinbarung mit einem Leipziger Wissenschaftler abgeschlossen.

Stiftungssatzung liegt im Entwurf vor

Der Mann habe keine Kinder und „liefert seinen Nachlass – und ich das Objekt, die Konservenfabrik“, erläuterte Schwarz die Pläne. Der in Gardelegen geplante Glasfaserausbau durch die Avacon sei für das vorgesehene Projekt, denn schließlich handele es sich hier um Hightech, sehr positiv zu sehen. Über die Stiftung könnten dann auch Sponsorengelder oder Materialspenden akquiriert werden, so Klaus Schwarz. Die Stiftungssatzung liege bereits im Entwurf vor. Die habe er auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher übergeben. „Das alles ist natürlich nicht in drei Tagen gemacht“, betonte der 63-Jährige. Aber etwas ärgerlich sei er schon, dass er seinen Besitz an die Stiftung verschenke und dafür nun auch noch Steuern zahlen müsse.

Klaus Schwarz hatte die Konservenfabrik vor etlichen Jahren bei einer Internet-Versteigerung erworben. Große Pläne hatte er, aber passiert ist nichts. Laut seinem Bevollmächtigten Jürgen Mistelsky soll er einen Teil der Falconnier-Glasbausteine verkauft haben, um die Steuerschuld der ersten Zwangsversteigerung 2017 begleichen zu können. Kurzfristig wurde auch eine zweite Zwangsversteigerung am 11. Juli dieses Jahres abgewendet. Ein Privatmann habe geholfen, einen Teil der Schulden (4000 Euro) bei der Stadt abzuzahlen. Für den Rest (4000 Euro) sei eine monatliche Ratenzahlung vereinbart worden.

Vortrag für Bundestagung der Landesdenkmalpfl

Mistelsky hatte Ende Juni sogar zu einem Benefiz-Grillen eingeladen, um Spenden zu akquirieren (Volksstimme berichtete). Jetzt ist also das Start-up-Projekt geplant. Zum Thema Falconnier hatte Prof. Ralf Förster gemeinsam mit Anne-Marie Heydeck einen Vortrag für die Bundestagung der Landesdenkmalpfleger am 28. Mai in Halle erarbeitet. Er war dabei auch auf die Konservenfabrik eingegangen. Vorgestellt worden waren zudem Gebäude, in denen Falconnier-Steine verwendet worden sind, unter anderem im Ausstellungspavillon Berlin, in Fabriken, im Stadthaus Zürich, in der Telefonstation von Budapest, in Pavillons, Bahnhöfen, Hotels und großen Villen in vielen Ländern – und eben auch in der Konservenfabrik in der Hansestadt Gardelegen.