Gardelegen/Lindstedt l Den Begriff Speeddating verbindet man üblicherweise mit einer besonderen Form der Flirt- und Beziehungspartnersuche, die um 1998 in den USA entworfen wurde. Ein Speeddating gab es am Mittwochabend auch im Lindstedter Dorfgemeinschaftshaus. Und in gewisser Weise ging es auch dort ums Kennenlernen, Erfahren und um Partnersuche, allerdings auf einer ganz anderen Ebene. Kennenlernen sollten sich dort Einwohner aus der Region Lindstedt und Mitglieder des Gardelegener Stadtrates – entstanden aus der ersten Runde der Zukunftsgespräche im vorigen Jahr. Dabei hatten sich Bürger gewünscht, dass es mehr Beteiligungsangebote gibt und dass Einwohner mit Kommunalpolitikern im zwanglosen Gespräch zueinander finden, um Sorgen, Probleme anzubringen, um Ideen und Vorschläge zu machen. Das erste Speeddating fand in der vorigen Woche in Letzlingen statt, am Mittwochabend nun in Lindstedt mit etwa 15 Teilnehmern und Vertretern aller Stadtratsfraktionen.

Busfahrt durch drittgrößte Stadt Deutschlands

Vier Tische waren im Dorfgemeinschaftshaus aufgebaut. An jedem Tisch gab es ein Oberthema: Wünsche und Anregungen für die eigene Ortschaft, das Zusammenwachsen der Ortsteile, der Informationsfluss aus dem Rathaus und der Ratsarbeit zu den Einwohnern und die Vorstellung der kommunalpolitischen Arbeit im Stadtrat. Jeweils zehn Minuten konnte am Tisch geplaudert werden. Danach wechselten jeweils die Tischbesetzungen.

Viele Themen wurden angesprochen. Das A und O in Sachen Informationspolitik sei eine schnelle Internetverbindung. Der Informationsfluss müsse generationsübergreifend gestaltet sein, um die älteren Menschen nicht auszuschließen. Gewünscht wurden wiederkehrende Runde Tische, Sprechstunden der Ratsmitglieder in den Ortsteilen, Öffnungszeiten der Verwaltung als Dienstleister bis 20 Uhr, Bürgergespräche vor Ratsentscheidungen. Bei den Anregungen und Wünschen für die eigene Ortschaft standen unter anderem die Sanierung der Turnhalle, der Bachausbau in Wollenhagen, der Ausbau der Holzhausener Straße, Bänke, medizinische Versorgung vor Ort und Einkaufsmöglichkeiten im Mittelpunkt.

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Das A und O ist das schnelle Internet

Zum Zusammenwachsen der Dörfer gab es den Vorschlag, eine Busrundreise durch die flächenmäßig drittgrößte Stadt Deutschlands – nach Berlin und Hamburg – anzubieten. Gemeinsame Veranstaltungen, wie stadtoffene Spieleabende, Wanderungen und Radtouren könnten ebenfalls zum Zusammenwachsen beitragen.

Ein Punkt waren auch die Schließzeiten der Lindstedter Kita, die aus Unternehmersicht ungünstig seien, merkte ein Unternehmer aus Lindstedt an. Er müsse dann jedes Mal fünf bis sechs Mitarbeiter freistellen.

„Schließzeiten sind heutzutage auch nicht mehr modern“, meinte Lindstedts Ortsbürgermeister Siegfried Jordan. Hier soll es Gespräche mit dem Elternkuratorium und dem Kita-Kollegium geben.

Insgesamt zog Jordan am Ende eine positive Bilanz und erneut die Erkenntnis: „Wir brauchen die Ortschaftsräte und Ortsbürgermeister für die Kommunikation zwischen Rathaus und Ortschaften.“

Die Verwaltung wird die Ergebnisse der Speeddatings zusammenfassen und mit möglichen Kostenschätzungen unterlegen. Die Dokumentation wird dann Thema im Stadtrat sein.